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Davos Diary 2010: Wie wird die nächste Bankenkrise verhindert?

von Henrik Jeimke-Karge

Ferrari für Banker, Skateboards für Kontrolleure und Trichets Schuhe.

WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy
WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy

Wie gehen wir denn jetzt im Jahr drei nach der Bankenkrise mit den Banken um? Die vielen Diskussionen in Davos lassen sich nicht auf einen Nenner bringen.

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Da sind natürlich die Banken, die sich möglichst wenig Regulierung aufbürden lassen wollen. Sie sind so klug, das nicht laut zu sagen. Man hört nur sehr viel davon, wie kompliziert das alles ist und wie perfekt alle Regeln global aufeinander abgestimmt werden müssen; man hört, dass Inkonsistenz alles nur noch schlimmer macht. Und weil alles so schrecklich kompliziert ist, soll die Regulierung natürlich da ausgemacht werden, wo Fachleute unter sich sind.

In Gremien wie dem Financial Stability Board, in Zusammenarbeit der Notenbanken und in all den Gremien, in denen man seine Bedenken gedankenvoll vortragen und meist auch auf Verständnis hoffen kann. Nichts fürchten Banken so sehr wie Populismus der Politik.

Wenig Geduld

Josef Ackermann in Davos Quelle: dpa
Josef Ackermann in Davos Quelle: dpa

Dem stehen die Politiker gegenüber und viele Industriekapitäne, die erst jetzt spüren, dass die Krise kein kurzfristiges Ereignis war, sondern ein tiefgreifender Einschnitt, der die kommenden fünf oder noch mehr Jahre Wohlstand und Wachstum hemmen wird. Diese Gruppe fordert schnelle Eingriffe, auch zu Lasten allzu feinsinniger Arabesken in den Paragraphenwerken. Selbst Dominique Strauss-Kahn, immerhin Präsident des Internationalen Währungsfonds und damit sehr nah an und im Kapitalmarkt, verliert die Geduld: Allein die Ausarbeitung der neuerdings geltenden Regelungen (Basel 2) habe zwölf Jahre gebraucht; „so viel Zeit haben wir nicht mehr“. Das stößt auf Beifall.

Bei der einen Seite.

Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank, bezieht die exakte Gegenposition: Die aktuellen Gremien hätten doch so fleißig gearbeitet, Papiere geschrieben und seien sich weltweit so einig gewesen. Soll das jetzt alles umsonst gewesen sein?

Weniger Regulierung, bessere Regulierer

Auch Josef Ackermann spielt diese Karte, analytisch wie immer teilt er das Problem in drei Ebenen - was muss global einheitlich geregelt sein, was kann national unterschiedlich angepackt werden, wie etwa die konkrete Ausgestaltung des Hypothekenmarktes, und wo sind die Schnittstellen, insbesondere beim immer wichtigeren grenzüberschreitenden Geschäft der Banken? Schon beginnt die Regulierung sich zum Jahrhundertwerk auszuwachsen.

Dabei gilt: In der Sache haben die Bedenkenträger natürlich Recht. Nationale Alleingänge können dazu führen, dass das Gegenteil des Gutgemeinten eintritt - das heißt, dass die Banken ihre Mittel dahin verlegen, wo gerade die laxeste Regulierung liegt. Man kennt das ja, deshalb haben die Hypo Real Estate aus München und die IKB aus Düsseldorf sich in Dublin so wohlgefühlt und dann über 100 Milliarden Euro vergeigt. Dann ist wenig gewonnen, es sei denn, und das ist ja auch keine gute Alternative, die jeweiligen Märkte schotten sich wieder voneinander ab und unterbinden von Beginn an den globalen Geldverkehr und blockieren damit die Globalisierung. Das kann auch keiner wollen.

So dreht sich die Diskussion im Kreis auf den verschiedensten Podien und zwischen den unterschiedlichen Protagonisten - einfache Regulierung, die daneben gehen kann oder perfekte Regulierung, die niemals kommt?

Einen Ausweg bietet der italienische Privat-Equity-Manager Davide Serra: Weniger Regulierung - aber bessere und flexiblere Regulierer. Er rechnet vor, dass 2800 Kontrollmitarbeitern eine Million Beschäftigte der Banken gegenüberstehen, die auch noch viel besser bezahlt werden.

„Mit einem Skateboard kann man nicht gegen einen Ferrari“ gewinnen, bringt er es in ein italienisch gefärbtes Bild. Nur wenn die Regulierer ein paar schnellere Autos für die Gaunerjagd auf die Banken erhielten, könnte das Gleichgewicht zwischen der Furcht vor dem Erwischtwerden und der Gier nach immer leichtsinnigeren Geschäften in ein neues Gleichgewicht gebracht werden.

Da schaut Herr Trichet ganz indigniert. Dabei fällt mir auf: Grauenhafte, abgetretene, schmutzige Schuhe hat der Mann. Schick, was der italienische Banker dagegen ganz unten zur Schau stellt.

So verkehrt kann das nicht sein mit dem Ferrari.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.02.2010, 12:15 UhrAnonymer Benutzer: TanteJutte

    rechtzeitig auf Perlen als Zahlungsmittel umstellen .......

  • 01.02.2010, 17:37 UhrAnonymer Benutzer: franjo

    mit diesem bankenpack bestimmt nicht !!. Die Vorstände haben keine Übersicht und die Aufsichtsräte wissen auch nicht viel oder wollen auch nichts wissen. bin 3 Jahrzehnte bankangestellter gewesen - nur bankangesstellter-

  • 01.02.2010, 07:17 UhrAnonymer Benutzer: Ulsto11

    Die Reichen noch reicher, die Armen noch ärmer!!! Hier wird der Kapitalismus zum Exzess getrieben! Doch ohne indianer wird es künftig auch keine Häuptlinge mehr geben!!! Mehr hierzu unter www.stock-macht-den-blog.de

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