Davos Diary: Nachhaltige Entwicklung: Das Wirtschaften neu erfinden

Davos Diary: Nachhaltige Entwicklung: Das Wirtschaften neu erfinden

von Roland Tichy

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, fordert in Davos eine "Revolution" in den Bereichen Wasser, Energie und Nahrungsmittelerzeugung. Aus Davos berichtet WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy.

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Ban Ki Moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen

Erfindungen wie die von Carl Benz (Auto) oder Timothy John Bernerns-Lee (World Wide Web) haben das Leben und das Wirtschaften auf der Welt dramatisch verändert und nun ist es an der Zeit, den weltweiten Erfindungsgeist auf das Thema Klimawandel zu wenden.

Bei der hochkarätig besetzten Diskussionsrunde "Redefining Sustainable Develpment" fordert der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki Moon eine “Revolution” in den Bereichen Wasser, Energie und Nahrungsmittelerzeugung, also in den Bereichen, die unmittelbar mit dem Thema Klimawandel verbunden sind. "Es gibt keinen Planet B" hatte der "New-York-Times"-Kolumnist und Diskussionleiter Thomas L. Friedman in seiner Einführung konstatiert. Für Jim Balsillie, Vorstand von "Research in Motion", dem Unternehmen, das den Blackberry entwickelt hat, steht fest: "Wir müssen die Wirtschaft von Grund auf neu denken." Dieses radikale Neuerfinden solle aber nicht nur bei der Produktentwicklung und bei den Produktionsprozessen ansetzen, notwendig sei auch ein radikales Neuerfinden von Institutionen.

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Innovationen sind unterfinanziert

Viel Zeit bleibt nach Balsillies Ansicht nicht mehr, denn die Probleme des heutigen Wirtschaftens nehmen immer mehr zu, statt weniger zu werden. Bei einer wachsenden Weltbevölkerung, in der die ärmsten zwei Miliarden Menschen noch keinen Zugang zu den fundamentalen Errungenschaften der Zivilisation haben, kann man von "Indern nicht fordern, dass sie statt zwei Kerzen nur eine verbrauchen", sagt Microsoft-Gründer Bill Gates. Für den heutigen Philantrophen liegt ein Hindernis auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wirtschaften auch darin, dass "Innovationen unterfinanziert sind". Ein weiteres Hindernis ist das Fehlen von technologischen Rahmenbedingungen, die entsprechende Signale an den Markt schicken, wie etwa eine Preisbildung für Kohlendioxid, wie sie während der Diskussion der mexikanische Präsident Felipe Calderon fordert. Regierungen könnten ökonomische Anreize schaffen, die die Entwicklungen der effektivsten Technologien befördern. Dem widerspricht Mike Duke, der Präsident der amerikanischen Wal-Mart-Kette: "Die Wirtschaft sollte nicht auf die Regierung warten, das ist nicht produktiv." Ob sich jedoch der amerikanische Way of Life von alleine so schnell wandelt, wie die Probleme zunehmen ist eine Frage von Thomas Friedman, die auch am Ende der Diskussion unbeantwortet bleibt.

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