DEG-Chef Wenn im Interview: "Wir verspielen reale Chancen"

InterviewDEG-Chef Wenn im Interview: "Wir verspielen reale Chancen"

von Florian Willershausen

Der Chef der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) über die Chancen der Wirtschaft in Afrika und warum sich deutsche Investoren mit Investitionen zurückhalten.

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Der Netzwerker: Wenn, 58, ist seit 2009 Sprecher der Geschäftsführung der DEG. Das Tochterunternehmen der staatlichen Förderbank KfW finanziert Investitionen privater Unternehmen in Entwicklungsländern.

WirtschaftsWoche: Herr Wenn, Investoren aus China teilen Afrika unter sich auf. Frankreich und Großbritannien sind dort stark vertreten. Lohnt es sich für deutsche Unternehmen noch, in Afrika zu investieren?

Bruno Wenn: Afrika bietet deutschen Unternehmen gewaltige Chancen – etwa im Bereich erneuerbarer Energien, aber auch im Maschinen- und Anlagenbau ist der Markt da. Das verkennen die meisten Unternehmer. Solange wir Afrika immer nur als Kontinent der Risiken wahrnehmen, drohen wir reale Chancen zu verspielen.

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Noch 2000 galt Afrika als hoffnungsloser Fall, nun ist von einem neun Asien die Rede. Wo steht Afrika tatsächlich?

Ökonomisch hat sich Afrika in den vergangenen Jahren wirklich positiv entwickelt. Wir wären in Europa dankbar, wenn wir über zehn Jahre Zuwächse von je sechs, sieben Prozent hätten. Natürlich ist das ein Aufschwung von niedrigem Niveau, aber ein konstanter. In der Folge steigen immer mehr Afrikaner in den Mittelstand auf, dessen Haushalte pro Jahr mehr als 5000 Euro verdienen und sich den Konsum leisten können.

Sie können doch nicht so tun, als gebe es keine Kriege und keine Krisen mehr!

Natürlich gibt es noch Krisen, aktuell ist die Eskalation im Südsudan ein dramatisches Beispiel. In Europa nehmen wir aber nur die negativen Schlagzeilen wahr und ignorieren, dass es in den vergangenen Jahren in den meisten Ländern südlich der Sahara demokratische Wahlen ohne Blutvergießen gab. Im „Doing Business“-Report der Weltbank schneidet Afrika im Schnitt besser ab als Russland und China.

Deutsche Investoren Hinein ins Abenteuer Afrika

Vorbei sind die Zeiten, in denen Krisen, Kriege und krumme Geschäfte Afrika beherrschten. Während chinesische Investoren sich auf dem Kontinent breitmachen, ist die deutsche Wirtschaft noch zögerlich. Zu unrecht.

Quelle: dpa/Montage

Was könnte den Aufschwung gefährden?

Der Wachstumskurs ist in Gefahr, wenn die Regierungen die soziale Ungleichheit nicht in den Griff kriegen und wenn Ressourcenkonflikte entstehen. Daher ist es wichtig, dass vom Wachstum möglichst große Bevölkerungsgruppen profitieren.

Wieso halten sich deutsche Unternehmen in Afrika so auffällig zurück?

Ich erkläre mir das mit der negativen Wahrnehmung von Afrika, dem schlechten Afrikabild. Außerdem haben wir es mit 54 Ländern zu tun, die alle ihre Eigenheiten haben. Das macht es gerade für kleine Mittelständler nicht einfacher, diese Märkte zu bearbeiten.

Sind die Deutschen zu bequem für das mühsame Afrikageschäft?

Ich glaube eher, dass das an den Absatzmärkten liegt. Deutsche Unternehmen sind stark bei High-Tech-Produkten; die Märkte dafür liegen in Industrie- und Schwellenländern. In Afrika entwickeln sie sich erst langsam. Darum ist es aber jetzt Zeit, dort Fuß zu fassen. Deutsche Unternehmen könnten Afrika unterstützen, Rohstoffe vor Ort nicht nur abzubauen, sondern auch zu verarbeiten – mit deutscher Technik, versteht sich.

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Dazu müssten sie vor Ort aktiv werden?

Im besten Fall ja. Aber oft genügt es, neue Allianzen zu schaffen. So wie das Kenias Fruchtsafthersteller Kevian vorgemacht hat. Das Unternehmen hat eine Abfüllanlage bei Krones gekauft und produziert jetzt nach europäischem Standard. In Karlsruhe hat der Gründer einen Großabnehmer für Konzentrat gefunden, wir stellen die Finanzierung. Mit solchen neuen Partnerschaften und kreativen Angeboten müssen wir Afrika als Markt bearbeiten. Es genügt nicht mehr, ein Krankenhaus mit Medizintechnik auszurüsten. Die Kunden erwarten, dass ein Konsortium das Krankenhaus plant, baut, ausrüstet und betreibt. In Deutschland haben wir genug Unternehmen, die das können.

Welche Rolle spielt Afrika für die DEG?

Bei uns macht Afrika etwa 20 Prozent des Portfolios aus, das entspricht mehr als einer Milliarde Euro. Afrika ist eine unserer zentralen strategischen Regionen.

Wie profitabel sind Ihre Afrikaprojekte?

Entgegen der landläufigen Erwartung liegen die Kreditausfälle in Afrika unter dem Durchschnitt. Zwar sind die Risiken höher, aber auch die Erträge.

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