Denkfabrik: China profitiert von lockerer Geldpolitik in den USA

Denkfabrik: China profitiert von lockerer Geldpolitik in den USA

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Steuereinnahmen

Die quantitative Lockerung in der US-Geldpolitik schwächt nicht nur den Dollar, sondern verschafft China auch neuen Spielraum zur Aufwertung des Renminbi. Davon könnte die Regierung in Peking profitieren. Von Martin Feldstein

Es ist eine geldpolitische Entscheidung, die die Märkte auf Dauer bewegen dürfte: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat jüngst beschlossen, weitere Staatsanleihen in Höhe von rund 600 Milliarden Dollar aufzukaufen. Die Folge dieser Strategie liegt auf der Hand: Die quantitative Lockerung lässt den Wert des Dollar im Verhältnis zu anderen Währungen mit freien Wechselkursen sinken. Der Anstieg des Dollar-Volumens führt dazu, dass der Wert jedes einzelnen Dollar relativ zu den Währungen fällt, deren Volumen konstant geblieben oder langsamer gestiegen ist.

Das Ziel der Fed mag sein, die Binnenkonjunktur in den USA anzukurbeln und das Risiko einer Deflation zu verringern. Doch – ob beabsichtigt oder nicht – wirkt sich die größere Dollar-Menge auch auf den internationalen Wert des Greenback aus. Amerikanische Investoren, die der Fed Anleihen verkaufen, werden die dabei erhaltenen Dollar diversifizieren wollen. Eine Form dieser Diversifizierung ist, ausländische Anleihen und Aktien zu kaufen, was deren Wert in die Höhe treibt.

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Investoren denken um

Die Strategie der Fed verstärkt zudem die Inflationsängste – ein weiterer Grund für Investoren, einen Teil ihrer Dollar-Anlagen in Währungen mit geringerem Inflationsrisiko umzuschichten. Da die Europäische Zentralbank eine quantitative Lockerung eindeutig abgelehnt hat, dürften die Anleger dabei vor allem Euro-Anleihen nachfragen, die von Deutschland und anderen europäischen Ländern ausgegeben werden, bei denen keine Ausfallgefahr besteht. Außerhalb der Euro-Zone ist in Europa vor allem die schwedische Krone attraktiv. Attraktive Möglichkeiten zur Diversifizierung bieten zudem Südkorea, Brasilien und andere Schwellenländer – was die Währungen dieser Länder derzeit steigen lässt.

Doch was bedeutet die neue Strategie der Fed für einen der wichtigsten Wechselkurse – den zwischen dem Dollar und den an ihn gekoppelten chinesischen Renminbi? Zunächst haben die Marktkräfte, die derzeit zur Aufwertung vieler Währungen führen, keine Wirkung auf den Renminbi, weil China nur über eine sehr geringe Kapitalbilanz-Konvertibilität verfügt. Investoren in den USA und anderen Ländern können weder Renminbi noch Renminbi-Anleihen auf dieselbe Art kaufen.

Eine für die Weltwirtschaft zentrale Frage ist also, wie die chinesische Regierung, die den Wechselkurs festlegt, auf die Politik der Fed reagiert. Zwischen 2008 und Juni 2010 hielten die Chinesen den Renminbi bei einem festen Wechselkurs von 6,8 zum Dollar. Im vergangenen Juni beschlossen die chinesischen Behörden dann, den Renminbi maßvoll aufwerten zu lassen. Seitdem hat sich dessen Wert um 3,1 Prozent erhöht – das entspricht in etwa der durchschnittlichen Aufwertung zwischen 2006 und 2008. Diese Politik wurde schon vor der Rede des Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke im August beschlossen, in der er seine Pläne für eine quantitative Lockerung bekannt gab.

Mehr Spielraum

Doch obwohl der Renminbi im Verhältnis zum Dollar seit Juni leicht angestiegen ist, bedeutet der stärkere Verfall des Dollar gegenüber vielen anderen Währungen, dass der Renminbi im Großen und Ganzen auch gegenüber diesen Währungen gefallen ist. Der handelsgewichtete Gesamtwert des Renminbi hat erheblich abgenommen, vor allem im Verhältnis zu den Währungen der Schwellenländer, mit denen chinesische Hersteller konkurrieren.

Ministerpräsident Wen Jiabao hat deutlich gemacht, dass China keine schnellere Aufwertung seiner Währung will, da dies den chinesischen Export beeinträchtigen könnte. Die – trotz damaliger Aufwertung – steigenden chinesischen Exporte zwischen den Jahren 2006 und 2008 deuten darauf hin, dass diese Sorge übertrieben ist. Doch gibt der Verfall des Renminbi gegenüber anderen Währungen den Chinesen jetzt Spielraum für eine schnellere Aufwertung des Renminbi relativ zum Dollar.

China profitiert

Das kommt China gelegen. Ein stärkerer Renminbi trägt dazu bei, den zunehmenden Inflationsdruck in China zu reduzieren. Denn steigt der Wechselkurs, sinken die Importkosten, was nebenbei auch die realen Einkommen der chinesischen Haushalte erhöht – ein Hauptziel von Chinas neuem Fünfjahresplan. Selbst jene chinesischen Haushalte, die kaum importierte Güter kaufen, würden davon profitieren, da niedrigere Ausgaben für importierte Rohstoffe die Kosten der in China produzierten Waren verringern.

Kurz gefasst, wird die Fed-Strategie der quantitativen Lockerung die Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Dollar wahrscheinlich beschleunigen – ein Ergebnis, das nicht weniger im Interesse Chinas liegt als in dem Amerikas. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass die US-Behörden dieses Ziel öffentlich verkünden – oder die chinesischen Behörden dafür ihre Dankbarkeit ausdrücken.

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