Denkfabrik: Chinas Konsum treibt die Zinsen

Denkfabrik: Chinas Konsum treibt die Zinsen

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Shopping in China

Der neue Fünfjahresplan Chinas könnte spürbare Folgen auf die Weltwirtschaft haben. Steigt der Konsum der Chinesen deutlich an, kann das Land weniger ausländische Staatsanleihen kaufen. Das treibt die Zinsen. Von Martin Feldstein

Die chinesische Politik vollzieht derzeit einen dramatischen Schwenk: Nicht länger soll die Maximierung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) das wichtigste Ziel sein, sondern die Steigerung des Konsums und des Lebensstandards der Arbeitnehmer. Obwohl der neue Kurs vor allem innenpolitisch motiviert ist, könnte er bedeutende Auswirkungen auf die globalen Kapitalflüsse und Zinssätze haben.

Chinas hohes Wachstum im letzten Jahrzehnt hat die realen Einkommen von vielen Millionen Chinesen steigen lassen – insbesondere von denjenigen, die in oder in der Nähe von urbanen Gebieten wohnen. Zudem haben die finanziellen Mittel, die Arbeitnehmer aus den Städten an ihre im landwirtschaftlichen Sektor verbliebenen Verwandten schicken, dazu beigetragen, auch deren Lebensstandard zu verbessern.

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Allerdings haben die Reallöhne und der private Verbrauch langsamer zugelegt als Chinas gesamtes BIP. Ein Großteil der durch das Wirtschaftswachstum generierten Einnahmen ging an große staatseigene Unternehmen, was ihre Monopolmacht gestärkt hat. Und ein beträchtlicher Anteil der chinesischen Produktion wandert ins Ausland: Die Exporte übersteigen die Importe so stark, dass China im vergangenen Jahr einen Leistungsbilanzüberschuss von über 300 Milliarden Dollar erwirtschaftete.

Die Regierung will nun die relative Wachstumsrate der Reallöhne steigern und höhere Verbraucherausgaben fördern. Auch will Peking den Ausbau der Dienstleistungsbranchen forcieren und weniger auf die Produktion setzen. Staatseigene Unternehmen werden so gezwungen sein, einen größeren Anteil ihrer Gewinne zu verteilen. Der steigende Wert des Renminbi dürfte die Hersteller dazu bewegen, ihren Schwerpunkt von den Exportmärkten auf die Produktion für die heimischen Märkte zu verlagern. Gleichzeitig wird die Regierung mehr Geld für Sozialwohnungen und den Ausbau des Gesundheitswesens ausgeben. Zusammengenommen bedeutet dies steigende Ausgaben der Haushalte und des Staates und eine Verringerung der nationalen Ersparnisse.

Höchste Sparquote

China hat derzeit noch die höchste Sparquote der Welt, sie liegt schätzungsweise bei rund 50 Prozent des BIPs. Dies ist auch global von Bedeutung, da sie den Leistungsbilanzüberschuss des Landes fördert.

Ein Land, das mehr spart, als es in Anlagen und Infrastrukturen investiert (wie China), verfügt über zusätzliche Erträge, die es als Leistungsbilanzüberschuss ins Ausland schicken kann. Umgekehrt gilt: Ein Land, das mehr investiert, als es spart (wie die USA), muss die Lücke füllen, indem es mehr aus dem Rest der Welt importiert, als es exportiert. Ein Land mit Leistungsbilanzüberschuss verfügt mithin über die Mittel, um in der übrigen Welt Geld zu verleihen und zu investieren, während ein Land mit einem Leistungsbilanzdefizit seine Außenhandelslücke finanzieren muss, indem es sich vom Rest der Welt Geld leiht. Anders gesagt: Die Leistungsbilanz entspricht genau der Differenz zwischen den gesamtwirtschaftlichen Ersparnissen und den Investitionen eines Landes.

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