Denkfabrik: Das Dilemma der US-Geldpolitik

Denkfabrik: Das Dilemma der US-Geldpolitik

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Ben Bernanke

Die Angst vor einer erneuten Rezession und die Talfahrt an den Börsen lassen in den USA den Druck auf die Notenbank steigen, die Geldpolitik weiter zu lockern. Sogar ein Ankauf von Aktien durch die Währungshüter ist denkbar. Doch das würde mehr schaden als nutzen.

In den vergangenen 25 Jahren kam es an den internationalen Aktienmärkten immer wieder zu heftigen Turbulenzen: Der Aktiencrash 1987, der Kollaps des Hedgefonds LTCM 1998, das Platzen der New-Economy-Blase 2000 und schließlich der Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008. Auf eines konnten sich die Anleger in der Krise aber stets verlassen: auf die amerikanische Notenbank Fed. Sie senkte die Leitzinsen und pumpte Liquidität in das amerikanische Finanzsystem.

Die expansive Geldpolitik zog über kurz oder lang einen Boden ein für Aktienkurse und Wirtschaft. Der Greenspan- und Bernanke-Put wirkte.

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Pulver verschossen

In den vergangenen Wochen sind die Aktienmärkte weltweit erneut auf Talfahrt gegangen. Auch dieses Mal beeilte sich die Federal Reserve, durch eine Ausweitung ihrer lockeren Geldpolitik zur Beruhigung beizutragen. Der Leitzins soll nun mindestens bis Mitte 2013 auf seinem niedrigen Niveau eingefroren werden. Im Gegensatz zu früheren Phasen sind die Erfolgschancen jetzt allerdings deutlich geringer. Der Grund: Die Leitzinsen waren vorher schon nahe null. Ein zusätzlicher Impuls für die Realwirtschaft lässt sich deshalb durch die jüngste Ankündigung kaum noch erzeugen. Sollten abermals Staatsanleihen gekauft und über die Notenpresse finanziert werden (Quantitative Easing), dürfte die positive Wirkung für die Konjunktur ebenfalls verpuffen. Denn die Zinssätze am Rentenmarkt sind schon seit geraumer Zeit sehr niedrig.

Hat die Fed ihr Pulver also verschossen? Eine extreme Möglichkeit gäbe es noch: den direkten Aufkauf von Aktien. Es war Ben Bernanke, der vor mehr als zehn Jahren beim Treffen führender Notenbanker in Jackson Hole auf die vielfältigen Wirkungskanäle zwischen Aktienmarkt, Konjunktur und Geldpolitik hingewiesen hat. Zwar redete er damals dem Aktienkauf durch die Fed nicht das Wort. Seine Gedankengänge könnten aber die Blaupause für zukünftiges Verhalten liefern. Das Credo Bernankes im Jahr 1999: Geldpolitik soll auf Kursschwankungen an den Aktienmärkten reagieren, wenn die Preisstabilität gefährdet ist. Droht etwa Deflation durch einen Kursverfall, sind Leitzinssenkungen angebracht. Sonst könnte die Wirtschaft in einen Abwärtsstrudel aus sinkenden Kursen, Rezession und Deflation geraten. Angesichts solcher Aussagen erscheint der Weg der Fed zum direkten Aktienkauf nicht mehr allzu weit zu sein.

Grosse Gefahr

Auf den ersten Blick verspricht ein solches Programm durchaus Erfolg. Die Geldpolitik erschließt sich einen neuen Wirkungskanal, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Immerhin beläuft sich der Marktwert der von amerikanischen Unternehmen herausgegebenen Aktien auf etwa 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Bankkredite und Unternehmensanleihen zusammen machen hingegen weniger als die Hälfte aus.

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