Manchmal ändern sich die Dinge unerwartet schnell. Meine jüngste WirtschaftsWoche-Kolumne, die vor vier Wochen erschien, ist von den Rettungsaktionen für die überschuldeten Euro-Länder überholt worden. Meine Aussagen zu den Kapitalrückflüssen nach Deutschland möchte ich daher modifizieren.
Ich hatte erläutert, dass Deutschland über die Euro-Krise nicht nur unglücklich sein muss, weil sie das Kapital im Lande hält und damit eine Fehlentwicklung korrigiert, der der Euro Vorschub geleistet hatte. Mit dem Euro erhielten die Länder der südwestlichen europäischen Peripherie erstmals Zugang zu einem funktionierenden Kapitalmarkt mit niedrigen Zinsen und langfristigen Festzinskontrakten. Der Zufluss von Kapital erzeugte dort einen Bauboom, der die gesamte Wirtschaft mitzog, jedoch zugleich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit verringerte und zu höheren Defiziten im Außenhandel führte.
Das Kapital kam vor allem aus Deutschland, wo es privaten und öffentlichen Investitionen entzogen wurde. Deshalb erschlaffte Deutschland spiegelbildlich zum Erblühen der südeuropäischen Staaten. Wir waren Schlusslicht bei der Investitionsquote im Weltvergleich, Vorletzter beim Wachstum in Europa; es gab eine Flaute am Bau und in der Binnenwirtschaft sowie geringe Preis- und Lohnsteigerungen. Das Schlimmste wurde von einer verbesserten preislichen Wettbewerbsfähigkeit verhindert, die den Export belebte.
Meine These war, dass die Euro-Krise dieser Entwicklung ein Ende bereiten werde, weil das deutsche Sparkapital nun nicht mehr weiß, wohin, zumal auch die USA den Nimbus des sicheren Hafens verloren haben. Dieser Anlagenotstand würde das Geld zwangsläufig in die deutschen Immobilien treiben und hier (bei sinkenden Exportüberschüssen) einen Wirtschaftsboom erzeugen, der dem früheren Boom der europäischen Peripherie nicht unähnlich wäre.
Nun aber kommt das Rettungsprogramm für die Euro-Länder ins Spiel – und verändert die Lage. Der Kreditrahmen der EU umfasst 60 Milliarden Euro. Für 440 Milliarden Euro gewähren die Euro-Länder Bürgschaften. Außerdem stellt der Internationale Währungsfonds (IWF) 250 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Europäische Zentralbank kauft Staatspapiere der bedrängten Länder, bislang schon für 35 Milliarden Euro. Das alles ergänzt die EU- und IWF-Hilfen für Griechenland, die Kredite im Umfang von 110 Milliarden Euro umfassen. Das Gesamtvolumen der Hilfsprogramme beträgt derzeit 895 Milliarden Euro, wovon auf Deutschland mit über 200 Milliarden Euro der größte Batzen entfällt.
Deutschland ist diesseits und jenseits des Atlantiks der bei Weitem größte Kapitalexporteur. Mit den Hilfsprogrammen, die der Bundestag im jüngst beschlossenen Gewährleistungsgesetz abgenickt hat, verschaffen wir unseren Konkurrenten am Kapitalmarkt die notwendige Bonität, um den deutschen Häuslebauern und dem Mittelstand weiterhin Kredite vor der Nase wegschnappen zu können. Das Rettungspaket dämpft somit das Wachstum in Deutschland.













