Denkfabrik: Ifo-Chef Sinn: IWF sollte sich um Griechenland kümmern - Seite 2

Denkfabrik: Ifo-Chef Sinn: IWF sollte sich um Griechenland kümmern

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Insofern wären bilaterale Hilfen für Griechenland besser als gemeinsame EU-Hilfen. Einzelne EU-Länder können, durchaus auch koordiniert, außerhalb der EU-Gremien bilaterale Hilfen gewähren. Wenn es schon deutsches Geld zu verteilen gibt, dann sollte Deutschland auch allein darüber entscheiden. Noch sinnvoller wäre freilich die Einschaltung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dessen Mittel wurden kürzlich auf eine Billion Dollar aufgestockt; davon steht die Hälfte für Länder mit Währungskrisen zur Verfügung. Der IWF hat viel Erfahrung mit der Rettung gefährdeter Länder. Nicht immer war er erfolgreich, aber meistens. Anders als es die EU je könnte, setzt er einen strikten Sparkurs durch und zahlt sein Geld nur in Tranchen nach dem Erfolg der Sparanstrengungen.

Wenn die Hilfe des IWF die Eitelkeiten der EU-Politiker verletzt, ist das deren Problem. Die Sachargumente wiegen schwerer. Das Geld für die Griechenland-Hilfe ist eingezahlt, und es ist nicht einzusehen, warum man ein zweites Mal zahlen sollte.

Gigantisches Leistungsbilanzdefizit

Doch was immer Griechenland an Soforthilfe erhält, das Geld wird nicht reichen. Es tut sich ein Fass ohne Boden auf. Das zentrale Problem des Landes liegt in seinem gigantischen Leistungsbilanzdefizit von zuletzt knapp 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, etwa 33 Milliarden Euro pro Jahr. Um das Defizit zu beseitigen, müsste Griechenland abwerten, denn nur so können die Importe reduziert und die Exporte (inklusive des Tourismus) gestärkt werden. Das Land kann innerhalb der Euro-Zone aber nur abwerten, indem es seine Löhne und Preise senkt. Das würde Mord und Totschlag bringen, weil sich jede Gruppe, bei der die Kürzungen anfangen, radikalisiert. So bleibt nur die offene Abwertung durch den Austritt aus der Euro-Zone, gekoppelt mit einem Schuldenmoratorium, das die Ansprüche der Gläubiger kürzt.

Die Verluste der deutschen Banken wären ein Klacks im Vergleich zu den Lasten eines europäischen Finanzausgleichs. Eine offene Abwertung machte griechische Produkte billiger, ohne dass sich im Innenverhältnis viel ändern würde. Die sozialen Spannungen blieben beherrschbar. Griechenland würde nachhaltig stabilisiert. Und der Euro auch.

20 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.03.2010, 21:44 UhrAnonymer Benutzer: Cangrande

    in Sachen Rentenfinanzierung etwa schwimmt Prof. Dr. Hans-Werner Sinn zwar definitiv auf dem falschen Dampfer; dafür habe ich ihn meinem "Rentenreich" unter der Überschrift "Sinn substituiert die Konjunktion: rettet er die Renten durch ökonomische Akzeleration" auch heftig kritisiert ( http://www.beltwild.de/rentenreich ).

    Aber wenigstens ist er ein Mensch, der seine Überzeugungen konsequent und mit Nachdruck vertritt - und in Sachen Griechenland stimme ich ihm jedenfalls insoweit zu, als ich
    a) keine deutschen Steuergelder, weder direkt noch indirekt (auch nicht als explizite oder implizite bürgschaften -"Gemeinschaftsanleihen"- gen Süden wandern sehen möchte (dagegen kämpfe ich schon lange - http://beltwild.blogspot.com/search/label/Griechenland-bailout ) und
    b) ebenfalls erhebliche Zweifel an der Sanierungsfähigkeit des Landes habe.

    Ob Griechenland allerdings mit einem Austritt aus der Eurozone besser bedient ist, scheint mir eher zweifelhaft. Aktuell jedenfalls wären die Kreditzinsen für das Land wahrscheinlich doppelt so hoch, wenn nicht die Märkte den Eindruck (bzw. hoffentlich: die illusion!) hätten, dass die "reichen" Eurozonenländer im Notfalle einspringen.

    Dass die deutsche Politik sich gegen eine "Einmischung" des iWF sträubt, verstehe ich auch nicht; insoweit Dank an Prof. Dr. Sinn für seine knallharte Kritik an der "Eitelkeit" der Politiker.

  • 08.03.2010, 14:30 UhrAnonymer Benutzer: Günther Lessmann

    Würde Griechenland für Deutschland zahlen ?
    Würde Spanien.........................................?
    Würde Portugal.........................................?
    Würde iTALY.............................................?

    Wenn Sie diese Frage beantwortet haben--wissen wie was in der EU + neu gegründeter EU-bad-bank-Fond bald droht.

    Holland ist für mich Signal wie es in der EU bald weitergehen wird !

  • 07.03.2010, 18:01 UhrAnonymer Benutzer: Aufklärer

    Die EZb hilft doch schon geräuschlos.

    Das Spiel kann weitergehen, die Macht bleibt erhalten.

    Puh, das war knapp.

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