Denkfabrik: Krise ist für Deutsche nur virtuell

Denkfabrik: Krise ist für Deutsche nur virtuell

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Weniger Sicherheit... Eine Umfrage zum Sicherheitsempfinden.

Die Bundesbürger bleiben trotz ständiger Hiobsbotschaften von den Finanzmärkten gelassen. Denn der vergangene Aufschwung hat das Selbstbewusstsein der Deutschen gestärkt, auch mit tiefen Krisen fertigwerden zu können.

Turbulenzen an den Börsen, die Schuldenkrise der USA, immer neue Hiobsbotschaften aus der Euro-Zone: Tagtäglich werden die Bürger derzeit mit Krisenmeldungen konfrontiert. Die permanenten Krisengipfel der europäischen Regierungen und die inneramerikanischen Auseinandersetzungen um die Haushaltspolitik bewirken vor allem, dass das Zutrauen in die Lösungskompetenz der Politik vollends erodiert. Den Bürgern vermittelt sich der Eindruck, dass niemand mehr den Überblick über das Ausmaß der Probleme hat – geschweige denn überzeugende Lösungskonzepte anbieten kann. Die überwältigende Mehrheit ist überzeugt, dass der ausgeweitete Rettungsschirm für Krisenstaaten keinen nachhaltigen Erfolg erzielen wird.

Kein Wunder, dass die Mehrheit mittlerweile den Eindruck hat, in besonders unsicheren Zeiten zu leben. 56 Prozent der Bürger sind davon überzeugt; lediglich 28 Prozent empfinden im Rückblick die Zeit vor 20, 30 Jahren als vergleichbar unsicher und unkalkulierbar wie die gegenwärtige Situation. Zwei Drittel befürchten, dass die Krise der überschuldeten Länder in der Euro-Zone über kurz oder lang auf die deutsche Konjunktur durchschlagen könnte.

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Trotzdem bleiben die Bürger bemerkenswert gelassen. Weder ihr genereller Zukunftsoptimismus noch ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung werden bisher von der Flut der Hiobsbotschaften ernsthaft angegriffen. 53 Prozent sehen den nächsten zwölf Monaten überwiegend optimistisch entgegen, nur zwölf Prozent mit ausgeprägten Befürchtungen. In Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten sechs Monate rechnen 43 Prozent mit einem Aufwärtstrend, 33 Prozent mit einer unveränderten Situation – und lediglich 15 Prozent mit einem Abschwung.

Auch die Reaktionen auf die europäischen Entwicklungen zeugen eher von Gelassenheit. Während beispielsweise häufig suggeriert wird, die Bevölkerung blicke verständnislos und voller Zorn auf die Proteste der Griechen gegen die verordneten Sparmaßnahmen, bekunden tatsächlich 52 Prozent der Bürger Verständnis für diese Proteste. Den Rettungsschirm hält zwar eine relative Mehrheit von 44 Prozent für falsch. Angesichts der Überzeugung der überwältigenden Mehrheit, dass dieses Hilfspaket die Situation nicht nachhaltig entschärft, ist jedoch bemerkenswert, dass der Widerstand nicht wesentlich größer ist. Zudem kommt die Ablehnung vor allem aus den politisch desinteressierten Bevölkerungskreisen, während unter politisch interessierten Bürgern die Auffassung überwiegt, dass der Rettungsschirm grundsätzlich notwendig und richtig ist.

Die Gelassenheit ist nur vor dem Hintergrund des dynamischen Aufschwungs der vergangenen Jahre verständlich. Nach der Phase der Wachstumsschwäche, die bis 2005 andauerte, hatte die große Mehrheit nicht mehr mit einer solchen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte gerechnet. Damals waren die meisten überzeugt, dass sich die hohe Arbeitslosigkeit verfestigen und die Wirtschaft immer mehr Arbeitsplätze aus Deutschland heraus ins Ausland verlagern würde. Doch der Aufschwung hat das Selbstvertrauen der Deutschen gestärkt. Die Mehrheit ist überzeugt, dass Deutschland auch in den nächsten Jahrzehnten zu den stärksten Wirtschaftsnationen der Welt zählen wird. Die Bürger haben angesichts der drastisch reduzierten Arbeitslosigkeit auch Zutrauen gewonnen, dass Deutschland im Standortwettbewerb gewichtige Stärken hat. Vor allem sorgt jedoch die Entwicklung der persönlichen Situation für Gelassenheit. Die Erfahrungswelt der Bürger steht in völligem Kontrast zu den täglichen Hiobsbotschaften. Während die allgemeine Situation von immer mehr Unsicherheit geprägt ist, schätzen die Bürger den eigenen Arbeitsplatz heute als wesentlich sicherer ein als vor drei, vier Jahren. Die Meldungen zur prekären Finanzlage vieler Staaten kontrastieren mit der wachsenden Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Lage: Erstmals seit Ende der Neunzigerjahre nimmt die Zufriedenheit mit der eigenen wirtschaftlichen Situation zu. Zwischen 1999 und 2009 sank der Anteil, der die eigene Lage als gut oder sehr gut bewertete, von knapp 49 auf 40 Prozent und erhöhte sich seither wieder auf rund 44 Prozent – Tendenz steigend. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit und steigende Lohnabschlüsse zeigen allmählich Wirkung.

Dies alles führt dazu, dass die aktuellen Krisen von der großen Mehrheit eher virtuell erlebt werden, ohne Einwirkungen auf den eigenen Lebensbereich. Genau dies war auch bei der Krise 2008 zu beobachten, die nur acht Prozent der Bürger zu irgendeinem Zeitpunkt direkt hart getroffen hat. Die meisten hoffen, dass auch die aktuellen Krisen nicht in ihr Leben eingreifen.

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