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kolumne Denkfabrik: Vorteil im Wettbewerb

Wenn wir Indiens Entwicklungshilfe streichen, wird dies mehr kosten als sparen. Die Entwicklungskooperation hilft deutschen Unternehmen beim Markteintritt, sagt Tobias Engelmeier.

Dr. Tobias Engelmeier Quelle: Pressebild
Dr. Tobias Engelmeier Quelle: Pressebild

Kaum im Amt, hat der neue Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) die deutsche Entwicklungshilfe für schnell wachsende Schwellenländer wie China und Indien infrage gestellt. Diese Diskussion ist nicht neu. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte schon 2007 vor einer Asienreise bezweifelt, „ob es noch in Ordnung ist, Entwicklungshilfegelder zu geben, wenn indische Internet-Firmen gleichzeitig riesige Gewinne machen“. Jetzt stellt sich die Frage scheinbar umso dringender, da Deutschland nur mühsam aus der Krise kommt, während Indien weiter beachtlich wächst.

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Sollte Deutschland wirklich einen Staat unterstützen, der in Raumfahrt und Nuklearwaffen investiert und in Ländern wie Afghanistan, Sri Lanka und Sudan selbst Entwicklungshilfe leistet? Die Antwort lautet: Ja! Gerade jetzt die Hilfen zu kappen, wo sich die durch Entwicklungszusammenarbeit geschaffenen Kontakte in Marktchancen verwandeln lassen, wäre ein großer Fehler. Die Hilfen für Indien sind weiter nötig – und in Deutschlands Interesse. Die Regierung in Neu Delhi wird in den kommenden Jahrzehnten die vielerorts steinzeitliche Infrastruktur in einem einmaligen Kraftakt modernisieren. Für Unternehmen aus den Bereichen Umwelt und erneuerbare Energien – kommende deutsche Schlüsselindustrien – wird Indien damit zu einem der größten Zukunftsmärkte.

Armut trotz wachsender Wirtschaft

Seit den Neunzigerjahren konnte Indiens Wirtschaft jedes Jahr mit sechs bis neun Prozent zulegen. 2008 erreichte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 1,2 Billionen Dollar ein Drittel der deutschen Wirtschaftsleistung. In Kaufkraftparitäten gemessen, lag Indien weltweit an vierter Stelle – vor Deutschland. ­Indische Unternehmen wie Tata oder Mittal treten als Global Player auf, andere kaufen sich in Deutschland gleich ganze ­Firmen, wie den Windradturbinenhersteller REpower (Suzlon) oder das Generikaunternehmen betapharm (Dr. Reddy’s).

Doch obwohl die Wirtschaft wächst, bleibt die Masse der Inder arm. Rund 800 Millionen Menschen, zwei Drittel der Bevölkerung, leben von weniger als zwei Dollar pro Tag. Ein Drittel der weltweit unter der Armutsgrenze lebenden Menschen sind Inder. Bevölkerungswachstum, Ressourcenknappheit und Klimaschäden konterkarieren vielerorts jeden Fortschritt. Die meisten Inder sehen Bangalores glitzernde Bürotürme nur von außen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.01.2010, 15:14 UhrDr. Fred Willgens, Zürich

    Überzeugender Text, hoher Kenntnisgrad.

  • 26.01.2010, 15:13 UhrProf. Dr. Hans Storwedder

    Der Kommentar zeigt, dass der Autor das Thema aus dem ff kennt.
    Kompliment an die WiWo, dass sie sich solcher bereiche sachlich und fachlich hochwertig annimmt.

  • 15.01.2010, 18:24 UhrRDA

    Das größte Problem der indischen Landwirtschaft spricht der Autor nicht an: Das Saatgutmonopol von Monsanto und anderen Herstellern von Hybridsamen, die nur einmal keimen können.
    Jedes Jahr bringen sich 20.000 bauern um, weil sie die Saatgutpreise, die zusätzlich erforderlichen chemischen Mittel und schließlich ihre Landpacht nicht mehr zahlen können.
    Unsere Entwicklungshilfen fließen über die hohen Saatgutpreise und Knebelverträge direkt in die Taschen von Monsanto und anderen Multis.

    Was gedenkt der Herr dagegen zu tun?

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