Denkfabrik: Welt ohne Lokomotive

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Gail Fosler erwartet eine zähe Erholung der US-Wirtschaft

Der US-Wirtschaft dürfte eine scharfe und lang anhaltende Rezession erspart bleiben. Doch die anschließende Erholung wird zäher ausfallen, als viele erwarten, sagt Gail Fosler.

Keine Frage debattieren Ökonomen derzeit so kontrovers wie die, ob sich die US-Wirtschaft in der Rezession befindet. Unseren aktuellen Studien zufolge spricht vieles dafür, dass sich die US-Konjunktur zwar am Rande einer Rezession, aber noch nicht in der Rezession befindet. Der Februar fiel schwächer aus als der Januar, der März könnte ein wenig besser sein. Es wäre zwar ungewöhnlich, wenn die derzeitige Lage nicht in eine Rezession münden würde – aber wir leben ja auch nicht in gewöhnlichen Zeiten. 

Zweifellos deuten viele Konjunkturindikatoren, einschließlich unserer eigenen, auf eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage in nächster Zeit hin. Die Geschwindigkeit, mit welcher der Index der Frühindikatoren des Conference Board fällt, und die Breite, in der er Schwächen zeigt, können durchaus als Rezessionssignal interpretiert werden. Normalerweise würde dies auf den Beginn einer Rezession zwischen Januar und Juni 2008 hindeuten.

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Auch der Index für das Konsumentenvertrauen des Conference Board verzeichnete in den letzten Monaten starke Verluste – ein Indiz dafür, dass sich die Verbraucher bereits auf einen Abschwung einstellen. Unternehmen und Konsumenten halten den Atem an – und machen sich auf das Schlimmste gefasst.

Doch es wäre kurzsichtig, das Augenmerk nur auf die Frühindikatoren zu richten und dabei die harten Daten aus der US-Wirtschaft aus dem Blick zu verlieren. Üblicherweise kommt es zu Rezessionen, weil sich während des vorangegangenen Booms in einem oder mehreren Sektoren Überkapazitäten und übertriebene Erwartungen aufgebaut haben. Ein Schock von außen wie der Golfkrieg 1990 oder ein Schock von innen wie die derzeitige Kreditkrise sind nur die Auslöser, die die Wirtschaft zum Kippen bringen. In der anschließenden Wirtschaftskrise werden dann die makroökonomischen Ungleichgewichte abgebaut.

Aktuell ist es der Finanzsektor, der den größten Anpassungsbedarf aufweist. Auf den schwächelnden Wohnungsbau- und Automobilsektor hat sich die Wirtschaft schon seit mehr als zwei Jahren eingestellt – die Anpassungen in diesen Industriezweigen setzten bereits vor den jüngsten Finanzmarktturbulenzen ein. Derzeit weist die US-Wirtschaft daher einen bipolaren Charakter auf: Dem enormen Pessimismus im Finanzsektor steht ein vorsichtiger Optimismus in den Nicht-Finanzbranchen gegenüber.

Das spiegelt sich auch in der langen Stabilitätsphase unseres Index der Frühindikatoren und unseres Index der gleichlaufenden Indikatoren wider. Der Frühindikator blieb von Juli 2006 bis Juli 2007 im Wesentlichen unverändert. Erst mit dem Ausbruch der Finanzkrise ging er auf Talfahrt. Aktuell liegen acht der zehn im Frühindikator enthaltenen Teilindizes unter ihrem Wert von vor sechs Monaten. Das Ausmaß und die Breite des Rückgangs des Index der Frühindikatoren erfüllen die Kriterien des Conference Board für ein „Rezessionssignal“.

Dagegen lässt sich anhand des Index der gleichlaufenden Indikatoren noch nicht erkennen, ob bereits eine Rezession begonnen hat. Im Oktober 2007 verzeichnete der Index mit 125,1 Punkten einen Höchststand, ging dann im November ganz leicht auf 124,9 Punkte zurück und hielt sich bis Februar auf diesem Niveau.

Die Entwicklung an der US-Börse deutet darauf hin, dass die Talsohle der Konjunktur schon bald durchschritten sein könnte. So scheinen viele Immobilien- und Finanzwerte ihre Tiefstände bereits überwunden zu haben. Grund: Der Wohnungsbau hat sich bei etwa einer Million Wohneinheiten stabilisiert und der Eigenheimabsatz scheint stabil zu sein, gegenüber den zuletzt gemessenen Verkaufszahlen dürfte er sogar wieder etwas steigen.

Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten erweist sich damit als bemerkenswert widerstandsfähig, der strukturelle Produktivitätszuwachs ist robust. Das Bemühen um Produktivitätsverbesserungen wird die Beschäftigungszahlen in nächster Zeit zwar etwas dämpfen. Doch dürften sich dadurch die Unternehmensgewinne stabilisieren, nachdem sie gegen Ende des vergangenen Jahres kräftig einbrachen.

Die entscheidende Frage für die nächsten Monate ist: Wird die US-Konjunktur nach der aktuellen Schwächephase wie Phönix aus der Asche emporsteigen, oder wird die Erholung eher zäh und langsam erfolgen? Meine Befürchtung ist, dass sich trotz der massiven Zinssenkungen der US-Notenbank und trotz des Konjunkturpakets der Regierung kein triumphaler Aufschwung in der Wirtschaft einstellen wird. Denn die Bereinigung der Ungleichgewichte aus dem vorangegangenen Immobilien- und Kreditboom ist mit heftigen strukturellen Gegenwinden verbunden, die das Wachstum noch für geraume Zeit auf niedrigem Niveau halten dürften. Die übrige Welt wird sich deshalb darauf einstellen müssen, dass die US-Konjunktur noch über mehrere Jahre hinweg als Lokomotive für die Weltkonjunktur ausfallen wird.

Welche Schlussfolgerungen sind aus diesen Signalen zu ziehen? Ich erwarte, dass sich die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal noch im positiven Bereich bewegen wird. Die Aktivierung im Außenhandel dürfte die Bremswirkungen, die vom Wohnungsbau, dem privaten Konsum und den Investitionen ausgehen, ausgleichen. Während die US-Importe infolge des Wirtschaftsabschwungs in den USA und des schwachen Dollar sinken, klettern die Exporte dank der vergleichsweise guten Konjunktur im Ausland nach oben. Anders ausgedrückt: Die übrige Welt trägt durch den Import amerikanischer Produkte einen Teil der Anpassungslast und erleichtert es der US-Wirtschaft so, wieder Tritt zu fassen.

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