Denkfabrik: Wie Griechenlands Umschuldung funktionieren könnte

Denkfabrik: Wie Griechenlands Umschuldung funktionieren könnte

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Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel

Eine Umschuldung Griechenlands rückt näher. Die Politik sollte dabei Lehren aus der Schuldenkrise Lateinamerikas ziehen – und das Geld der Steuerzahler aus Geberländern vorrangig vor anderen Gläubigern absichern. Von Rolf Langhammer

Die Politiker der Euro-Zone zögern noch. Doch die Finanzmärkte stellen sich mehr und mehr auf eine Umschuldung Griechenlands ein. Ökonomisch richtig orchestriert, könnte diese Griechenland helfen – ohne das Vertrauen in den Euro zu zerstören.

Reichlich Anschauungsmaterial über konkrete Maßnahmen bietet die Schuldenkrise Lateinamerikas in den Achtzigerjahren. Damals schuf die Politik einen Katalog von Umschuldungshilfen, die sogenannte Brady-Initiative. Dahinter stand die Erwartung, dass eine geringere Schuldenlast das Risiko eines Staatsbankrotts mindert und so die Bereitschaft der Gläubiger erhöht, dem Schuldnerland frisches Geld zur Verfügung zu stellen. „Schlag nach bei Brady“, könnte man folglich den Politikern heute raten.

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Folgende Strategien bieten sich an:Der Austausch von Altforderungen mit Abschlägen gegen Exit-Bonds erfordert, dass die neuen Schulden besser gesichert sind und dem Gläubiger eine Vorrangstellung bei der Bedienung eingeräumt wird. Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) stellten damals den Schuldnerstaaten Mittel bereit, die die Tilgung absicherten. Im Gegenzug wurden sie zu erstrangigen Gläubigern. Der Abschlag, den die Altgläubiger hinnehmen mussten, war der Preis für die höhere Sicherheit. Wer immer heute an die Stelle von Weltbank und IWF als Kreditgeber für Griechenland oder ein anderes Land treten würde, der Rettungsschirm EFSF und dahinter der deutsche oder französische Steuerzahler, er müsste, da es sich um Steuergelder handelt, ebenfalls erstrangig im Gläubigerbuch stehen.

Forderungen tauschen

Das Schuldnerland kauft seine Schuldtitel gegen Kasse zurück. Die finanziellen Mittel dafür erhält das Land von dritter Seite in Gestalt von Krediten. Dies könnten EFSF oder IWF übernehmen, aber auch hier wäre der Kreditgeber erstrangig zu setzen. Schnelligkeit wäre Trumpf, denn die Information über den Rückkauf und über die Herkunft der Mittel würde zu einem Kursanstieg führen.

Schuldnerstaaten emittieren Anleihen mit niedrigeren Zinsen als die Altanleihen und fordern die Altgläubiger zum Tausch auf. Die neuen Anleihen sind dafür von künftigen Umschuldungsmaßnahmen ausgeschlossen. Die Zinsherabsetzung ist für den Schuldner wegen des verbesserten Cash-Flows interessant und für die beteiligten Banken im Vergleich zu einem erzwungenen „haircut“ lukrativ.

Gläubiger verkaufen ihre Forderungen an das Schuldnerland und erhalten im Gegenzug Aktiva aus dem Staatsbesitz. Berichten zufolge plant die griechische Regierung, Staatseigentum im Wert von 300 Milliarden Euro anzubieten. Wie sehr die Privatisierung nötig ist, zeigt die Tatsache, dass die elf am stärksten verschuldeten staatseigenen Unternehmen in Griechenland 2009 einen Verlust von 1,7 Milliarden Euro verbuchten.

Bei der Entschuldung der ehemaligen sozialistischen Staaten Anfang der Neunzigerjahre arbeiteten der Pariser Club, der das Vorgehen staatlicher Gläubiger gegenüber Schuldnerstaaten koordiniert, und der Londoner Club, der die Interessen von rund 1000 Geschäftsbanken als Gläubiger gegen Staaten vertritt, eng zusammen. Was die Initiativen gegenüber dem heutigen Rettungsschirm auszeichnete, war das Zusammenspiel und die Lastenverteilung zwischen Gläubigerstaaten, Schuldnerstaaten, Geschäfts- und Zentralbanken sowie internationalen Organisationen. Hinzu kam eine mittelfristige Perspektive nach der Umschuldung: Geschäftsbanken wurde es nicht gestattet, ihren Beitrag zu verweigern. Die Anpassungsprogramme der Schuldnerstaaten hatten das explizite Ziel, längerfristige Wachstumsprozesse zu fördern, anstatt das Augenmerk allein auf kurzfristige Konsolidierung zu richten.

Zusammenarbeit von Pariser und Londoner Club

Es spricht nichts dagegen, dass heute der Pariser und Londoner Club wieder aktiv werden, um eines oder mehrere der genannten Umschuldungsinstrumente zu reaktivieren, frisches Geld exklusiv für die Besicherung der Tilgungszahlungen umgeschuldeter Kredite zur Verfügung zu stellen und einen Markt für Sekundärschulden einzurichten.

Dabei ist es erforderlich, alle Umschuldungshilfen an Konsolidierungsauflagen über einen mittleren Zeithorizont zu binden, damit die Operation den Patienten stärkt und nicht schwächt. Zweitens müssen Hilfen, die letztlich die Steuerzahlern weniger Länder erbringen, bessergestellt werden als Hilfen aus dem Finanzsektor.

Wer gegen dieses Prinzip verstößt, erweist der politischen Akzeptanz einer Umschuldung einen Bärendienst.

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