Hinter dieser Umwandlung stand der Wunsch der beiden Banken, in der Krise an das Geld der Notenbank zu gelangen und Schutz vom staatlichen Einlagensicherungsfonds zu erhalten. Der Staat hatte besondere Hilfen für die Investmentbanken eigentlich ausschließen wollen, aber die schlugen ihm ein Schnippchen, indem sie den eigenen Rechtsstatus kurzerhand veränderten. Jetzt geht es Obama darum, die Schlappe wettzumachen.
Das ist verständlich, aber für Europa gefährlich, weil Europa ein Universalbankensystem hat. Sollte es Obama gelingen, das Trennbankensystem bei den G20-Verhandlungen weltweit zu verankern, so würde das die Zerschlagung der europäischen Bankenwelt bedeuten – während sich die Auswirkungen der Reform für die USA in Grenzen hielten. Hoffentlich haben sich Obamas Berater nicht durch diese Aussicht beflügeln lassen.
Krisenprävention bietet die Rückkehr zum Trennbankensystem jedenfalls nicht. Es ist zwar richtig, dass eine verringerte Aussicht auf staatliche Hilfen den Investmentbanken Anlass bieten könnte, vorsichtiger zu wirtschaften. Dieser Pluspunkt wiegt den Nachteil einer erhöhten Krisenanfälligkeit durch die Trennung der Bankenfunktionen nicht auf. Im Übrigen ist zu bezweifeln, ob die Aussicht auf Staatshilfe wirklich sinkt. Retten muss der Staat die großen Investmentbanken auch dann, wenn sie keine Spargelder verwalten, denn niemand wird eine Wiederholung einer Pleite wie der von Lehman Brothers akzeptieren.
Die Risikovorliebe der Banken, die zur Krise führte, rührt im Wesentlichen aus ihrer unzureichenden Eigenkapitaldecke her. Wer kaum Eigenkapital hat, zockt, weil er Gewinne einstreichen und Verluste nur zu einem geringen Teil selber tragen muss, egal, ob der Staat hilft oder nicht. Den Anreiz zum Zocken kann man nur unterbinden, indem man die Eigenkapitalanforderungen drastisch erhöht.
Die Europäer sollten den amerikanischen Vorschlägen beim nächsten G20-Gipfel nicht folgen, sondern sich voll und ganz auf die Stärkung der Eigenkapitalbasis der Banken konzentrieren.














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Alle Kommentare lesen09.02.2010, 13:11 UhrAnonymer Benutzer: Scholz
Das Trennbankensystem macht den Staat vor Finanzhaizockereien sicherer. Es ist ein wiksames instrument und sollte in den Katalog der neuen Finanzregeln aufgenommen werden und nicht verquatscht werden. ich kann Versuche wie von Herrn Sinn nur so deuten, dass bloß nicht an den Spieltischen (banken) oder an den gezinkten Karten (Derivate, etc.) gerüttelt werden darf, um ja nicht das gesammte Spiel in Frage zu stellen.
Eine bankenabgabe als Versicherung unter der Kontrolle der staatlichen Soffin, wie Herr Schäuble sich das vorstellen will, ziehlt in die gleiche Richtung und ändert nichts am nimmersatten Rendite - System.
Diese Vorschläge sind fahrlässig, nicht zielführend und wirkungslos und die Herrschaften wissen es auch. Spätestens nach dem nächsten Crash oder nach sozialen Unruhen, wenn in den Geschichtsbüchern zu lesen sein wird, dass die Politik es nicht schaffte die kriminellen banken wirksam zu regulieren, werden sie es erleben. Es ist jetzt schon zuviel Zeit verplempert worden und zwar die Weltwirtschaft aufgefangen, aber die bankenverbrecher gemässtet worden. Es ist allerhöchste Zeit für Ordnung und Gerechtigkeit.
09.02.2010, 12:44 UhrAnonymer Benutzer: Student
Danke Herr Sinn,
vernünftige Analysen sind im populistischen Dschungel der heutigen Zeit wirklich selten.
ich würde den grossen polulitischen Mahnern erstmal empfehlen, sich über den Kern der Kriese fundiert zu informieren. Stichwort: Haftungsbeschränkungen, Glücksrittertum, extrem gefährliche Amerikanische Gesetze.
Wir können so viele oberflächliche Korrekturen wie wir möchten. Solange wir nicht an den Kern der Kriese gehen, ist die nächste schon im Anmarsch...
09.02.2010, 10:12 UhrAnonymer Benutzer: Melita Z
Die befürworter eines Trennbankensystems sollten jedoch folgendes bedenken. Reine Geschäftsbanken tragen auch ein hohes Risiko mit Geschäfts- und Privatkrediten. Gerade in dieser Krise hat sich gezeigt, dass auch die sogenannten "stabilien Geschäftsfelder"
einbrechen. Verluste aus dem Kreditgeschäft können deshalb nicht kompensiert werden und belasten auf Jahre die bilanzen. bei den geringen Margen, gerade in Deutschland, sind die Spuren in der bilanz nicht so schnell zu tilgen. Außerdem brauchen Großkonzerne eine kompetente begleitung auf dem internationalen Parkett. Eine Sparkasse oder Genossenschaftsbank verfügt sicher nicht über die notwendigen Experten vor Ort. Universalbanken können jedoch alle bereiche abdecken und so die Verlustzonen schneller verlassen. Die Deutsche bank ist hierfür ein gutes beispiel. Allein im Kreditbuch liegen die Wertberichtungen, trotz ihrer Größe, unter denen der Commerzbank, die sich ja gerne als "die Mittelstandsbank" bezeichnet. Voraussetzung für eine Universalbank ist jedoch ein
hervorragendes Risikomanagment und natürlich ein Eigenkapital, das diesen Namen auch verdient. Deshalb ist für alle banken die Erhöhung des EK's unumgänglich. Die Trennung in den USA wurde doch nur aufgehoben, weil die Grenzen fließend sind und die banken das Gesetz ausgehebelt haben. Obama will zwar die Geschäftsbanken "stark kontrollieren", aber die investmentbanken nicht. Doch wer glaubt z.b. Goldman-Sachs würde im Fall einer drohenden insolvenz nicht gerettet ist blauäugig! Damit ist der nächste Crash vorprogrammiert, bevor der bestehende beendet ist.
banken fielen unabhängig von ihrer Größe und dem Geschäftsmodell, deshalb sind Obamas Pläne Unsinn, und da stimme ich mit Prof. Sinn überein!