_

Denkfabrik: Zerschlagung der europäischen Bankenwelt droht

von Hans-Werner Sinn

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zerpflückt Obamas Pläne zur Bankenreform. Diese würden eine Zerschlagung der europäischen Bankenwelt bedeuten, während sich die Auswirkungen der Reform für die USA in Grenzen hielten.

Präsident barack Obama bei Quelle: dpa
Präsident barack Obama bei einer Rede. Seine Pläne sollen eine erneute Finanzkrise verhindern. Quelle: dpa

Der Hurrikan der Finanzkrise ist überstanden, aber er hat eine Spur der Verwüstung in den USA zurückgelassen. Der amerikanische Staat hat zur Bankenrettung 1,3 Billionen Dollar und für Konjunkturprogramme 800 Milliarden Dollar bereitgestellt. Die private Immobilienfinanzierung ist vollständig zusammengebrochen. 95 Prozent der Kredite für Privatimmobilien flossen im Jahr 2009 durch die Hände staatlicher Institutionen. Mehr als 200 Banken gingen in der Krise pleite. Das Verhältnis der amerikanischen Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt wird sich in diesem Jahr der 100-Prozent-Marke nähern und diese Marke in den ersten Monaten des nächsten Jahres überschreiten.

Anzeige

Nach dem Abklingen des Sturms geht es jetzt an das Aufräumen der Scherben des zerbrochenen Finanzsystems. US-Präsident Barack Obama scheint nach anfänglichem Zögern zum Handeln entschlossen und stellt sich hinter die Vorschläge des ehemaligen Notenbankgouverneurs Paul Volcker.

Volcker schlägt vor, das amerikanische Trennbankensystem zu reaktivieren, das seinerzeit durch den Glass-Steagall Act geschaffen wurde. Mit dem Glass-Steagall Act war im Jahr 1933, kurz nach dem Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise, den Geschäftsbanken zum Schutze der Sparer verboten worden, sich im Investmentbanking zu betätigen. Die Banken durften die angesammelten Spargelder zwar noch an Haushalte, Firmen und andere Banken verleihen, aber sie durften keine Wertpapiere erwerben oder bei deren Austausch mitwirken. Der Aktienkauf war genauso verboten wie der Erwerb von verbrieften Finanzprodukten. Selbst der Erwerb von Unternehmensanleihen und privaten Schuldverschreibungen war auf ein Minimum beschränkt. Das Ziel des Gesetzes war es, die Sparer vor riskanten Finanzgeschäften zu schützen.

Als der Glass-Steagall Act 1999 aufgehoben wurde, haben sich einige Geschäftsbanken zaghaft im Investmentbanking versucht. Das nährte den Verdacht, dass hierin eine Ursache der Finanzkrise gelegen haben könnte. Davon kann aber nicht die Rede sein, denn faktisch war das Trennbankensystem bis zum Ausbruch der Finanzkrise ziemlich intakt. Eher hat dieses System selbst die Krise verstärkt.

Investmentbanken schlugen Obama ein Schnippchen

Die Krise wurde bekanntlich dadurch ausgelöst, dass im Jahr 2008 Lehman Brothers wider Erwarten nicht vom Staat gerettet wurde. Das hat das gegenseitige Vertrauen der Banken erschüttert und den Interbankenmarkt zum Erliegen gebracht. Die Ersparnisse der Sparer konnten nicht mehr zu den Investoren geleitet werden, sondern stauten sich bei den Geschäftsbanken. Die Folge war der Absturz der Realwirtschaft. Hätten die USA kein Trennbankensystem gehabt, so wäre die Wirtschaft weniger anfällig gegenüber dem Zusammenbruch des Interbankenmarktes gewesen, denn die Geschäftsbanken hätten den Unternehmen zumindest einen Teil der eingesammelten Ersparnisse über Aktien- und Anleihekäufe direkt zuleiten können.

Insofern fragt man sich, was Obama und Volcker motiviert hat. Die Antwort liegt in einem Ereignis, das am 22. September 2008 die gesamte Finanzwelt überrascht hatte: die Umwandlung der Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley, die als Einzige von den großen Investmentbanken die Krise überlebt hatten, in normale Geschäftsbanken.

Zu diesem Artikel
36 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.02.2010, 13:11 UhrAnonymer Benutzer: Scholz

    Das Trennbankensystem macht den Staat vor Finanzhaizockereien sicherer. Es ist ein wiksames instrument und sollte in den Katalog der neuen Finanzregeln aufgenommen werden und nicht verquatscht werden. ich kann Versuche wie von Herrn Sinn nur so deuten, dass bloß nicht an den Spieltischen (banken) oder an den gezinkten Karten (Derivate, etc.) gerüttelt werden darf, um ja nicht das gesammte Spiel in Frage zu stellen.
    Eine bankenabgabe als Versicherung unter der Kontrolle der staatlichen Soffin, wie Herr Schäuble sich das vorstellen will, ziehlt in die gleiche Richtung und ändert nichts am nimmersatten Rendite - System.
    Diese Vorschläge sind fahrlässig, nicht zielführend und wirkungslos und die Herrschaften wissen es auch. Spätestens nach dem nächsten Crash oder nach sozialen Unruhen, wenn in den Geschichtsbüchern zu lesen sein wird, dass die Politik es nicht schaffte die kriminellen banken wirksam zu regulieren, werden sie es erleben. Es ist jetzt schon zuviel Zeit verplempert worden und zwar die Weltwirtschaft aufgefangen, aber die bankenverbrecher gemässtet worden. Es ist allerhöchste Zeit für Ordnung und Gerechtigkeit.

  • 09.02.2010, 12:44 UhrAnonymer Benutzer: Student

    Danke Herr Sinn,

    vernünftige Analysen sind im populistischen Dschungel der heutigen Zeit wirklich selten.
    ich würde den grossen polulitischen Mahnern erstmal empfehlen, sich über den Kern der Kriese fundiert zu informieren. Stichwort: Haftungsbeschränkungen, Glücksrittertum, extrem gefährliche Amerikanische Gesetze.
    Wir können so viele oberflächliche Korrekturen wie wir möchten. Solange wir nicht an den Kern der Kriese gehen, ist die nächste schon im Anmarsch...

  • 09.02.2010, 10:12 UhrAnonymer Benutzer: Melita Z

    Die befürworter eines Trennbankensystems sollten jedoch folgendes bedenken. Reine Geschäftsbanken tragen auch ein hohes Risiko mit Geschäfts- und Privatkrediten. Gerade in dieser Krise hat sich gezeigt, dass auch die sogenannten "stabilien Geschäftsfelder"
    einbrechen. Verluste aus dem Kreditgeschäft können deshalb nicht kompensiert werden und belasten auf Jahre die bilanzen. bei den geringen Margen, gerade in Deutschland, sind die Spuren in der bilanz nicht so schnell zu tilgen. Außerdem brauchen Großkonzerne eine kompetente begleitung auf dem internationalen Parkett. Eine Sparkasse oder Genossenschaftsbank verfügt sicher nicht über die notwendigen Experten vor Ort. Universalbanken können jedoch alle bereiche abdecken und so die Verlustzonen schneller verlassen. Die Deutsche bank ist hierfür ein gutes beispiel. Allein im Kreditbuch liegen die Wertberichtungen, trotz ihrer Größe, unter denen der Commerzbank, die sich ja gerne als "die Mittelstandsbank" bezeichnet. Voraussetzung für eine Universalbank ist jedoch ein
    hervorragendes Risikomanagment und natürlich ein Eigenkapital, das diesen Namen auch verdient. Deshalb ist für alle banken die Erhöhung des EK's unumgänglich. Die Trennung in den USA wurde doch nur aufgehoben, weil die Grenzen fließend sind und die banken das Gesetz ausgehebelt haben. Obama will zwar die Geschäftsbanken "stark kontrollieren", aber die investmentbanken nicht. Doch wer glaubt z.b. Goldman-Sachs würde im Fall einer drohenden insolvenz nicht gerettet ist blauäugig! Damit ist der nächste Crash vorprogrammiert, bevor der bestehende beendet ist.
    banken fielen unabhängig von ihrer Größe und dem Geschäftsmodell, deshalb sind Obamas Pläne Unsinn, und da stimme ich mit Prof. Sinn überein!

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.