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Der Ökonom: Wo soll mit dem Euro gezahlt werden?

von Malte Fischer

Im Januar führt die Slowakei den Euro ein. Ist das sinnvoll? Wie weit sollte sich eine Währungsunion überhaupt ausdehnen? Robert Mundell gibt Antworten auf diese Fragen.

Robert Mundell Quelle: AP
Robert Mundell Quelle: AP

Nur noch wenige Wochen, dann öffnen sich für die Slowakei die Türen zum Euro. Mitte Juni werden die Staats- und Regierungschefs der EU über die Aufnahme des osteuropäischen Landes in die Währungsunion beraten. Trotz der Sorgen der Europäischen Zentralbank um die mittelfristigen Inflationsperspektiven des Landes zweifelt niemand daran, dass die Regierungschefs grünes Licht für die Aufnahme in den Euro-Club geben werden.

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Auch wenn die Entscheidung über die Erweiterung der Währungsunion ein Politikum ist – die Frage nach der optimalen Größe eines Währungsgebiets lässt sich nur ökonomisch beantworten. Wann, wo und in welchem Umfang funktioniert der Ersatz nationaler Währungen durch ein supranationales Einheitsgeld? Auf diesem Gebiet hat der kanadische Ökonom Robert Mundell Pionierarbeit geleistet. Bereits 1961 beschäftigte er sich mit der Frage, wann es für Länder sinnvoll ist, eine gemeinsame Währung einzuführen. Anhand eines Modells mit zwei Ländern untersuchte er die Wirkungen asymmetrischer Nachfrageschocks. Sein Ergebnis: Die Einführung einer gemeinsamen Währung ist dann sinnvoll, wenn in den beteiligten Ländern die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital mobil und die Arbeits- und Kapitalmärkte flexibel sind. Dann können Kapital- und Arbeitskräftewanderungen sowie Lohnanpassungen die Pufferfunktion übernehmen, die früher die Wechselkurse hatten.

Anders als viele Kollegen drängte es Mundell, seine theoretischen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. In den Siebzigerjahren arbeitete der 1932 in Kingston, Ontario, geborene Sohn eines kanadischen Feldwebels für den Währungsausschuss der EU-Kommission – und lieferte dabei die intellektuelle Blaupause für den Euro.

Legt man Mundells Kriterien zugrunde, ist der Euro-Raum zwar noch kein optimales Währungsgebiet. Neben den verschiedenen Sprachen und Kulturen bremsen auch die zum Teil üppigen staatlichen Leistungen bei Arbeitslosigkeit die Mobilität der Arbeitskräfte. Dennoch spricht sich Mundell dafür aus, die Länder Osteuropas in die Währungsunion aufzunehmen. Sein Argument: Der Wegfall der eigenen Währung zwingt die Politiker, die Arbeits-, Güter- und Kapitalmärkte zu deregulieren. Das führt zu einer höheren Mobilität von Arbeit und Kapital und steigert die Flexibilität von Löhnen und Preisen. Die Gemeinschaftswährung schafft quasi selbst die Bedingungen, die für das ökonomische Überleben der Währungsunion erforderlich sind. Der Euro hat für Mundell aber noch weitere Vorzüge. Die Währung habe als Katalysator für die politische Integration gewirkt, einen gemeinsamen Kapitalmarkt geschaffen, spekulative Kapitalbewegungen eingedämmt und biete besseren Schutz vor exogenen Schocks.

Mundell, den sein Kollege Arthur Laffer „den besten Ökonomen des 20. Jahrhunderts“ nannte, sieht im wachsenden Euro-Raum allerdings nur eine Etappe in der globalen währungspolitischen Integration. Seine Vision: Eine gemeinsame Währung für die gesamte Welt. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche plädierte Mundell dafür, als nächsten Schritt eine Währungsunion zwischen den USA und Euroland zu gründen. Später könnten andere Länder dazustoßen. Denn, so der Ökonom: „Die meisten der 175 Währungen in der Welt sind Schrottwährungen, Quellen der Instabilität.“

Neben seinen Arbeiten zu optimalen Währungsräumen hat sich Mundell auch mit den Wirkungen der Geld- und Fiskalpolitik bei unterschiedlichen Wechselkursregimen beschäftigt. Anfang der Sechzigerjahre entwickelten er und Marcus Fleming das Grundmodell der Makroökonomik offener Volkswirtschaften. Darin zeigt er, dass die Geldpolitik bei festen Wechselkursen unwirksam ist, da die Notenbank zu Interventionen am Devisenmarkt gezwungen wird, welche die ursprüngliche Stoßrichtung der Geldpolitik konterkarieren. Bei flexiblen Wechselkursen dagegen wirkt die Geldpolitik gut, da bei Zinssenkungen die eigene Währung abwertet. Das regt die Exporte an und unterstützt die belebende Wirkung sinkender Zinsen für die Binnenkonjunktur. Genau andersherum verhält es sich bei der Fiskalpolitik. Diese ist bei festen Wechselkursen effizient, bei flexiblen Wechselkursen scheitert sie. Anhand seiner theoretischen Arbeiten entwickelte Mundell das Konzept für die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, die in den Achtzigerjahren die Grundlage für die Politik des US-Präsidenten Ronald Reagan wurde.

1999 erhielt Mundell den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Das Preisgeld steckte er in die Renovierung seines fünfstöckigen Schlosses mit 65 Zimmern in der Nähe der italienischen Stadt Siena, das er sich 1969 zur Absicherung gegen die Inflation für 10.000 Dollar gekauft hatte. Dort genießt Mundell, der zu seiner Studentenzeit als exzentrischer Frauenheld galt, heute das Familienleben.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 29.05.2008, 12:38 UhrAnonymer Benutzer: Hahn

    "...das er sich zur Absicherung gegen die inflation..." hoert, hoert!
    Wichtig zu beachten ist, dass Mundell als Voraussetzung fuer eine gemeinsame Waehrung freie (und flexible) Kapital- und Arbeitsmaerkte verlangt. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, faellt die Pufferfunktion etwaiger Wechselkursanpassungen weg! Es ist sicherlich diskutabel wie schlimm das waere.
    Ganz offensichtlich aber sind die Voraussetzungen in den meisten Euro Staaten nicht gegeben. Zwar ist das Kapital mobil, die Loehne in den grossen Euro Staaten wie Deutschland und Frankreich aber aufgrund der massiven Eingriffe der Sozialstaaten in die Lohnpreisbildung ganz und gar nicht. Und was den "Zwang" der Politiker zur Deregulierung angeht, so steht dem der Druck der anzupassenden Lohn- und Transferempfaenger gegenueber, von denen die mit Sicherheit in der Minderheit befindlichen Deregulierer ja schliesslich gewaehlt werden muessen.
    Das entscheidende Kriterium fuer eine gemeinsame Waehrung verschiedener Staaten ist der Gewinn fuer bEiDE Seiten, und der sollte an realen Zahlen nachgewiesen anstatt aus theoretischen Ueberlegungen hergeleitet werden.
    Und zur transatlantischen Waehrungsunion; soll in Zukunft wirklich Wall Street ueber unser Geld entscheiden?

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