Deutsch-Chinesische Beziehungen : Mit Haxen und Weißbier Chinesen gewinnen

Deutsch-Chinesische Beziehungen : Mit Haxen und Weißbier Chinesen gewinnen

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In Chongqing sollen die deutsch-chinesischen Beziehungen zu gemeinsamen Höhenflügen zurückfinden

Auf der zweiten Etappe der Veranstaltungsreihe “Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung“ will die deutsche Wirtschaft die chinesisch-deutschen Beziehungen wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen.

Schon am späten Vormittag, rund fünf Stunden vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung, ist der Volksplatz in der Innenstadt von Chongqing gut gefüllt.  Kleine Gruppen von Chinesen drängen sich in die Pavillons aus Bambus und Glas. Hier präsentieren sich deutsche Unternehmen, unter anderem BASF, Siemens, die Deutsche Bank und DHL. Bei BASF etwa lernen die Besucher, wie man eine Wohnung energiesparend betreibt, im so genannten „Kid’s Lab“ des Pavillons experimentieren Kinder aus einer nah gelegenen Grundschule mit bunten Flüssigkeiten. Zwischen den Pavillons marschiert eine Blaskapelle aus Deutschland, dicht gefolgt von neugierigen Besuchern. In einer Ecke des Platzes werden in einem Biergarten Schweinshaxen, Sauerkraut und Weißbier serviert.

Das bunte Treiben in Chongqing im Westen Chinas an diesem Freitag ist der Auftakt zur zweiten Etappe der Veranstaltungsreihe „Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung“. Gut eine Woche lang werden auf dem Volksplatz in Chongqing Konzerte, Kulturveranstaltungen und Seminare, etwa zur nachhaltigen Stadtentwicklung, stattfinden. Bis zum Jahr 2010 wird sich Deutschland im Rahmen der Imagekampagne jedes Jahr in zwei chinesischen Städten präsentieren. Musiker, Künstler und die deutsche Wirtschaft wollen so die Verständigung zwischen Deutschen und Chinesen förden. Nächste Station des deutschen Wanderzirkus’ ist im November Guangzhou im Süden Chinas.

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Begonnen hatte die Kampagne im vergangenen Oktober in der Stadt Nanjing bei Shanghai mit der ersten Etappe – allerdings unter einem denkbar schlechten Stern. Wenige Wochen zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Dalai Lama im Kanzleramt empfangen. Die chinesische Regierung hatte lautstark gegen das Treffen protestiert. Zur Eröffnung in Nanjing schickte die Stadtverwaltung gerade mal einen stellvertretenden Abteilungsleiter. Kurzzeitig drohten die chinesischen Behörden sogar, die ganze Imagekampagne zu kippen, doch lenkten sie später ein. Die deutsch-chinesischen Beziehungen jedoch blieben über mehrere Monate schwer gestört. Der Daimler-Konzern etwa bekommt seit Merkels Treffen mit dem Dalai Lama nur noch schwer Lizenzen für die Einfuhr seiner Luxuskarossen nach China. Kein Zufall, vermutet man im Konzern.

In Chongqing versuchen die Deutschen nun, die Beziehungen bei Haxen und Weißbier wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Der deutsche Botschafter Michael Schäfer ist aus Peking in die Stadt am Jangtse gekommen. Zusammen mit Chongqings Oberbürgermeister Wang Hongju schlendert er durch die Pavillons der deutschen Unternehmen, man gibt sich locker und entspannt. Für Unterhaltung sorgen unter anderem deutsche Musiker wie die Hip-Hop-Band Deichkind und die Musikgruppe Fool’s Garden. In den kommenden Tagen wollen deutsche Schauspieler außerdem den deutschen Theaterklassiker „Der kaukasische Kreidekreis“ aufführen. „Die Vertrauensbasis zwischen Deutschland und China ist breit genug, um auch Meinungsverscheidenheiten zu bewältigen und zu diskutieren“, erklärt Schäfer dem Publikum die Verstimmungen der letzten Monaten.

Vor allem die deutsche Wirtschaft hofft, dass sich das Verhältnis zwischen China und Deutschland nach Merkels Treffen mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter und den Protesten im  Ausland gegen Pekings Vorgehen in Tibet  nun weiter entspannt. „Die Veranstaltug in Chongqing ist eine gute Sache, das Ganze mal wieder ein bisschen in die Balance zu bringen“, sagt Martin Brudermüller, Asien-Vorstand bei BASF, einem der größten deutschen Investoren in China. Unternehmen wie BSAF sind im Reich der Mitte mit Milliardeninvestitonen vertreten, das China-Geschäft der deutschen Konzerne wächst rasant. Politische Verstimmungen und Proteste ausländischer Regierungen gegen Menschenrechtsverletzungen stören da. Denn Peking reagiert auf Kritik von außen äußerst empfindlich, auch schon mal mit der Verweigerung von Genehmigungen für Erweiterungsinvestitionen. BASF verhandelt derzeit mit den chinesischen Behörden über den Bau einer neuen Chemiefabrik in Chongqing.

Doch Brudermüller spricht sich nicht dagegen aus, Missstände anzusprechen. Es sei nur eine Frage wie man dies tut. „Ich kann den Partner nicht bloßstellen in der Öffentlichkeit“, sagt der Deutsche, „das widerspricht auch der chinesischen Kultur.“ Wenn man in kleinem Kreise spreche und das so verpacke,  dass die Message ankommt, bewirke dies langfristig schon etwas.

Auch der zur Deutschen Post gehörende Logisikanbieter DHL setzt immer mehr auf den Wachstumsmarkt China. Wie bei BASF wächst das Geschäft mit zweistelligen Raten, jedes Jahr muss DHL im Reich der Mitte rund 2000 neue Leute einstellen. Noch ist DHL in China der größte Logistikanbieter, doch Konkurrenten wie Federal Express und United Parcel Service aus den USA sind den Deutschen dicht auf den Fersen. Claude Begle, Executive Vice President der Deutschen Post, versucht, den Wirbel um die Tibet-Krise in den vergangenen Wochen und die Proteste aus dem Ausland herunterzuspielen. „Bisher spüren wir keine Auswirkungen auf unser Geschäft“, sagt Begle, fügt aber hinzu: „Natürlich ist es einfacher, bei Problemen Lösungen zu finden, wenn Deutschland gute Beziehungen zu China hat.“

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