Deutsche in Nordafrika: Unruhe bleibt, Werke laufen

Deutsche in Nordafrika: Unruhe bleibt, Werke laufen

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Propandehydrierungs(PDH)-Anlage von ThyssenKrupp in Port Said, Ägypten

Trotz einiger Stillstände von Werken zeigen sich deutsche Manager bisher kaum berührt vom Aufruhr in Kairo und Tunis. Was deutsche Unternehmen in Nordafrika erleben.

Das Hamburger Ölförderunternehmen Dea, eine Tochter des Essener Energiekonzerns RWE, reagierte sofort. Noch ehe RWE-Chef Jürgen Großmann auf einer Party des Managergipfels in Davos davon erfuhr, plante die Dea-Führung die Evakuierung ihrer ausländischen Führungskräfte. Zunächst verhandelte das Management mit der Flugsicherung in Hamburg. Ob es eine Möglichkeit gebe, trotz Nachtflugverbot ab 23 Uhr noch weit nach Mitternacht eine Chartermaschinen landen zu lassen? Die Erlaubnis wurde postwendend erteilt. Und so konnten 40 Dea-Mitarbeiter und ihre Angehörigen kurzfristig das Protestgebiet verlassen. Die Dea-Experten, darunter auch Amerikaner und Engländer, lenken nun von der Zentrale in Hamburg aus die Ölförderung am Golf von Suez, die von den restlichen 150 Beschäftigten, in der Mehrheit Ägypter, aufrechterhalten wird. Einbußen für Dea? Keine.

Keine Panik

Auch andere deutsche Unternehmen, die in Ägypten vertreten sind, demonstrierten vergangene Woche Gelassenheit. Ein Grund dafür ist: Nur relativ wenige Leitungsfunktionen in deutschen Niederlassungen vor Ort sind von Europäern oder Amerikanern besetzt – und das einheimische Personal ist meistens qualifiziert genug, den Betrieb allein aufrechtzuerhalten. Zudem gehören die ägyptischen und auch tunesischen Beschäftigten deutscher Unternehmen vielfach zu den Bessergestellten in einer ansonsten unter mangelnden Arbeitsplätzen und schlechten Aufstiegschancen leidenden Wirtschaft. „Privilegierte sind nicht an Demonstrationen, sondern an der Aufrechterhaltung der Produktion interessiert“, sagt ein Manager von ThyssenKrupp. Das Unternehmen beschäftigt 1800 Mitarbeiter in der ägyptischen Niederlassung des Anlagenbauers Uhde. Auf einer Baustelle in Port Said geht der Betrieb normal weiter. Auch die deutschen Mitarbeiter bleiben vor Ort.

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Der Nürnberger Automobilzulieferer Leoni zählt 4000 Mitarbeiter in Ägypten. Vom Aufruhr in Kairo blieb das dortige Werk nahezu unberührt, denn es liegt in einer vom Militär bewachten Sonderwirtschaftszone. Als die Demonstrationen am vorvergangenen Wochenende begannen, fielen zwei Arbeitstage aus, weil viele Beschäftigten nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Fabrik kamen oder erst einmal aus Vorsicht zu Hause blieben. Dann, am darauffolgenden Montag und Dienstag, waren schon wieder zwei Drittel der Beschäftigten am Band. Am Mittwoch war die Belegschaft schon wieder zu 90 Prozent erschienen. Und diese Mitarbeiter konnten „die Ausfälle durch Überstunden aufholen“, sagt Leoni-Vorstandsmitglied Uwe Lamann. Probleme in den Lieferbeziehungen zu den Kunden gab es vorerst nicht. Denn, so Lamann, „wir haben auch außerhalb von Ägypten genug Material, um unsere Kunden in den nächsten drei Wochen versorgen zu können“.

Am Standort Nordafrika hält das Unternehmen mit weltweit 2,8 Milliarden Euro Umsatz und 55 000 Beschäftigten fest. Denn die Herstellung von Kabelanlagen und elektronischen Bordnetzen für Autos erfordert viel Handarbeit – und die Arbeitskräfte im Norden Afrikas sind zuverlässig und billig. Leoni zahlt ihren 4000 ägyptischen Beschäftigten in Kairo „einen Stundenlohn, der deutlich unter dem von Osteuropa liegt“, sagt ein Leoni-Manager. Dieser rangiert bei 2,90 Euro. In Ägypten erreicht er nicht die Zwei-Euro-Marke. Leoni beschäftigt in Ägypten als leitende Manager nur zwei englische Staatsangehörige – die sind zwar noch dort, „haben aber ihre Flugtickets in der Tasche“, sagte Leoni-Vorstand Lamann vorige Woche.

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