Deutschland-Besuch: Obamas Wahlkampf in Berlin

Deutschland-Besuch: Obamas Wahlkampf in Berlin

Bild vergrößern

Wahlkampf im amerikanischen Stil: Barack Obama nach seiner Rede an der Siegessäule in Berlin

Barack Obama hat sich in Berlin zu einer Welt ohne Atomwaffen sowie einer neuen globalen Partnerschaft bekannt - und damit mehr als 200.000 Zuhörer begeistert.

In seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede zeigte sich der demokratische US-Präsidentschaftbewerber überzeugt, dass kein Land der Welt die Herausforderungen des Planeten allein bewältigen kann.

In seiner einzigen Rede auf seiner Auslands-Wahlkampfreise sprach sich Obama an der Siegessäule besonders für die Neubegründung einer engen Zusammenarbeit mit Europa aus. „Amerika hat keinen besseren Partner als Europa“, rief Obama der bisher größten Zuhörermenge zu, vor der er je gesprochen hat. Europa und die USA würden in diesem Jahrhundert „mehr miteinander tun müssen und nicht weniger“.

Anzeige

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatten nach ihren ersten persönlichen Gesprächen mit Obama signalisiert, dass sie sich mit ihm als US-Präsidenten eine gute Zusammenarbeit auch bei der Bewältigung internationaler Krisen vorstellen könnten.

Obama, der bei der Präsidentenwahl am 4. November gegen den Republikaner John McCain antreten wird, erinnerte in der 30-minütigen Ansprache an den Beginn der deutsch-amerikanischen Partnerschaft mit der Luftbrücke 1948. An diese Tradition muss nach Ansicht des Demokraten angeknüpft werden, nachdem sich Deutschland und die USA in der Vergangenheit entfremdet hätten.

„Die Mauern zwischen den alten Verbündeten dürfen nicht stehen bleiben.“ Als Herausforderungen für dieses Jahrhundert nannte er den Kampf gegen den Terrorismus, die Eindämmung des Klimawandels, die Kontrolle über die Atomwaffen und die Verteidigung der Menschenrechte in aller Welt. „Die Partnerschaft und die Kooperation unter den Nationen ist keine Frage. Sie ist der einzige Weg, die gemeinsame Sicherheit zu bewahren und die gemeinsame Menschlichkeit voranzubringen.“

102 Tage vor der Wahl in Amerika zählte der 46-jährige erste farbige Präsidentschaftsbewerber eine Reihe von Zielen auf, die er gemeinsam mit den Europäern bewältigen will. Er nannte dabei zuerst die Sicherheit in Afghanistan. „Amerika kann diese nicht alleine schaffen.“ „Die afghanische Bevölkerung benötigt unsere Truppen und Ihre Truppen, unsere Hilfe und Ihre Hilfe zur Abwehr der (islamistischen) Taliban und der Terrorgruppe (El Kaida).“ Eine konkrete Forderung an die Europäer, sich mehr in die direkten Kämpfe mit dem Taliban einzuschalten, erhob er nicht direkt.

Kritik von McCain

Überraschend deutlich bekannte er sich zu dem „Ziel einer Welt ohne Atomwaffen“. Zunächst müsse die Ausbreitung verhindert, dann aber an der Reduzierung gearbeitet werden, sagte er und wandte sich damit von der bisherigen US-Militärdoktrin ab. Obama sprach sich auch für eine Zusammenarbeit mit Russland aus. An den Iran sandte er die Aufforderung, sein Streben nach Atomwaffen aufzugeben. Er bekannte sich dazu, dass die Verantwortung im Irak an die dortige Regierung zu übergeben und der Krieg bald zu beenden sei.

Einen deutlichen Akzent setzte er auch beim Thema Klimapolitik. „Dies ist der Moment, wo wir zusammenkommen müssen, um den Planeten zu retten.“ Alle Nationen, einschließlich Amerikas, müssten die gleiche Ernsthaftigkeit an den Tag legen wie Deutschland, um den Kohlendioxidausstoß zu verringern.

Zum Ende seiner Ansprache rief Obama dem Publikum, darunter zahlreiche in Europa lebende Amerikaner, zu: „Ihr Bürger Berlins, Ihr Bürger der Welt, das ist unser Zeitpunkt, das ist unser Moment, das ist unsere Zeit.“

Als eine „verfrühte Siegesrunde“ bezeichnete ein Sprecher McCains den Berlin-Besuch Obamas. Während dieser im Ausland Reden halte, kümmere sich McCain um die Anliegen der Amerikaner, meinte der Sprecher Tucker Bounds. Merkel und Steinmeier sahen nach ihren jeweils knapp einstündigen Gesprächen mit Obama Übereinstimmungen in der Sicht auf die Krisenherde der Welt.

Merkel und Obama hoben nach Worten von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm die Bedeutung der deutsch- amerikanischen Freundschaft hervor. Steinmeier sagte nach seinem Treffen mit Obama: „Ich habe auch bei diesem Gespräch noch mal festgestellt, dass unsere Philosophie der Außenpolitik „Kooperation statt Konfrontation“ auch Ziel seiner außenpolitischen Vorstellungen ist.“

Zum Schutz des US-Politikers waren in Berlin bis zu 1000 Polizisten im Einsatz. Bei den einzelnen Stationen seines Berlin- Aufenthalts wurde Obama immer wieder von Schaulustigen umjubelt. Am Rande der Rede nahm die Polizei vorsorglich einen bekannten Störer sowie einige Betrunkene fest. Die Veranstaltung verlief den Angaben zufolge aber ausgesprochen friedlich.

Der erwartete Stadtrundgang Obamas mit einem Besuch des Brandenburger Tors entfiel zunächst. Über das symbolträchtige Tor als Ort seiner Rede war in Deutschland zuvor wochenlang gestritten worden. Wie ein Showstar nahm Obama nach seiner Rede ein Bad in der Menge und gab Autogramme. Am Freitag fliegt er weiter nach Paris.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%