Deutschland gegen Serbien: Bangen und beten in Belgrad

Deutschland gegen Serbien: Bangen und beten in Belgrad

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Die Nationalmannschaft von Serbien mit den Spielern Dejan Stankovic (Mitte) and Nikola Zigic (rechts) während des Trainings in Johannesburg, Südafrika. Am Freitag, den 18. Juni 2010 trifft Serbien auf Deutschland.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ist für Serbien nicht nur eine Weltmeisterschaft. Sie gibt den Menschen die Hoffnung, endlich mal auf der Gewinnerseite zu stehen - wenn auch "nur" im Fußball. Aus Belgrad berichtet Danja Antonovic.

Die Sendung "Cap der guten Hoffnung" ist täglich im Programm, hat den direkten Draht zur serbischen Mannschaft in Südafrika und die besten Quoten aller serbischen TV-Sender.

Der Name ist nicht nur geografisch zu verstehen, im fußballbegeisterten Serbien ist dieser Name Programm:  Es ist die Hoffnung, endlich mal auf der Gewinnerseite zu stehen – und wenn es auch "nur" der Fußball ist. Endlich siegen, das ist der sehnlichste Wunsch der Serben, die im Alltag nichts zu lachen haben.

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Täglich steigen die Preise, täglich fällt der Dinar gegenüber dem Euro, die Benzinpreise sind die höchsten in Europa.

In der desolaten Lage Serbiens sind Siege und Helden erwünscht

Von den sieben Millionen Einwohnern leben fast eine Million Menschen von 2,60 Euro am Tag. Vor zwei Tagen ist eine 82-jährige Greisin im Süden Serbiens verhungert. Weil die monatliche Sozialhilfe von 60 Euro, ihr einziges Einkommen, nicht rechtzeitig eingetroffen war.

Während der Finanzkrise verloren 200.000 Menschen ihre Arbeit, die neuen Herren der früheren sozialistischen Unternehmen halten oft ihre Arbeiter wie Sklaven: monatelang werden die Gehälter nicht bezahlt. 

In so einer desolaten Lage sind Siege und Helden nicht nur erwünscht, sie sind bitternötig, um die Gegenwart besser zu verkraften. So ist die Fußball-WM in  Südafrika nicht nur eine Meisterschaft. Sie ist ein Weg zum imaginären Besserleben.

Nach dem verlorenen Spiel mit Ghana, titelte die Boulevardzeitung "Press":  "Wir ergeben uns nicht" und sprach damit aus, was das Volk wünscht: Einen Sieg gegen Deutschland.

Die Medien zogen nach: Yes, we can, hallt es jetzt von allen Seiten, und nun beten alle, dass die Mannschaft im fernen Afrika den Ruf gehört hat. Vor dem Spiel gegen Deutschland wird noch erwähnt, dass drei der serbischen Spieler in Deutschland arbeiten.  

Auf die Reporterfrage, ob sie doch nicht mal während des Spiels etwas aufschnappen können, was die Deutschen sagen, antwortete Zdravko Kuzmanovic, (zurzeit beim VfB Stuttgart), „Nein, der Lärm der Vuvuzela ist unsäglich“.

Die Fußball-Bildchen-Sammel-Manie hat die Erwachsenen in Serbien schon lange im Griff

Im Herzen der Belgrader Altstadt, direkt vor dem hundert Jahre alten Hotel „Moskva“, ein Gewusel und Gemurmel.

Es wimmelt von Menschen, es ist laut und bunt, man fühlt sich wie auf einem orientalischen Bazar. Es sind vor allem ältere Herrschaften, die jeden Nachmittag kleine Bilderchen aus dem Ärmel ziehen, wie wild tauschen und feilschen, nur um ihre Panini-Alben zu vervollständigen. Unaufhörlich murmeln sie die Zahlen ihrem Gegenüber ins Ohr, es sind die Nummern der 640 Spieler, deren Fotos die Alben füllen und die hier getauscht werden.

Während in Deutschland vor allem Kinder auf dem Schulhof ihre Bilder tauschen, hat die Sammel-Manie die Erwachsenen in Serbien schon lange im Griff. "Ich sammele die Alben, seit ich geboren bin", sagt der 30-jährige Milan, der samt Frau und Kind in der unsäglichen Hitze seinem Hobby frönt. Und? Hat er alles? "Neee, morgen komme ich wieder." Seine Frau lächelt und schweigt. Auf die Frage ob sie weiß - denn sie hütet die Haushaltskasse – wie viel Geld sie für die „Bilderchen“ ausgegeben haben, meint sie abwehrend: „Nein, ich will es gar nicht wissen“.  

Mit Recht, denn das Sammeln kann ganz schön ins Geld gehen: Ein Päckchen mit fünf Fotos kostet  zwar 40 Cent, doch, „um die seltenen Fotos zu ergattern, muss man schon 50 Euro mindestens hinblättern“, mischt sich der Herr mit Hut und Sonnenbrille ein, der gerade das Bild Nummer 359 für das Bild 276 getauscht hat.

Fünfzig Euro sind viel Geld, wenn man weiß, dass Durchschnittsgehälter in Serbien unter 300 Euro liegen. Und die Nahrungsmittel fast so viel wie in Deutschland kosten.

Zwei Schritte weiter wird im klimatisierten Wettbüro mit dem musikalischen Namen "Mozart" wie wild gewettet.

Wetten, als irrationale Möglichkeit das trostlose Leben zu überwinden, hat in Serbien Wurzeln geschlagen. Schon werden Therapeuten bemüht, um die trostlosen Fälle aufzufangen, doch Wetten bleibt der Sport Nummer eins des kleinen Mannes.

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