Devisenkontrollen: Argentinien führt die Drachme wieder ein

Devisenkontrollen: Argentinien führt die Drachme wieder ein

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Von den Hürden und Kontrollen beim Devisentausch in Argentinien profitieren vor allem die Händler auf dem Schwarzmarkt.

von Oliver Voß

Wer in Argentinien Devisen für den Griechenland-Urlaub tauschen will bekommt schon die Drachme angeboten. Das neue Verfahren birgt noch andere Kuriositäten und einen ernsten ökonomischen Hintergrund.

Noch wird heftig über den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gestritten, auch wenn immer mehr Experten diesen Schritt für unausweichlich halten. Argentinien hat den Austritt jedoch schon vorweg genommen – zumindest die Steuerbehörde AFIP.

Dort müssen Argentinier die ins Ausland reisen und dafür Devisen tauschen wollen seit kurzem eigens einen Antrag einreichen. Und im entsprechenden Auswahlfeld des elektronischen Formulars stehen auch griechische Drachmen zur Verfügung, genauso wie spanische Peseten, italienische Lire oder auch die D-Mark.

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Ein genauerer Blick offenbart aber auch, dass Argentinien der Zeit keineswegs voraus ist und einen drohenden Zerfall der Euro-Zone einfach vorweg genommen hat. Denn auch bei den möglichen Reiseländern gibt es verwunderliche Auswahlmöglichkeiten. So stehen als Urlaubsziele unter anderen die DDR, Jugoslawien oder die UdSSR zur Verfügung, wie die argentinische Zeitung „La Nacion“ berichtet.

Sorgen um wachsende Kapitalflucht

Die Schlampigkeit im Reiseformular mag eine Lappalie sein, doch der Hintergrund ist ernst. Seit Monaten verschärft die argentinische Regierung die Kontrollen und Hürden für den Kauf von Dollar immer weiter. So trat eine Regelung in Kraft, nachdem Argentinier im Ausland nur noch Devisen abheben dürfen, wenn sie über ein Dollar-Konto verfügen. Und wer in Argentinien Immobilien oder Firmen kauft, muss genutzte Devisen in Peso tauschen. Auch der Umtausch von Peso in Dollar wurde massiv eingeschränkt und ist nur noch gegen die Vorlage von Dokumenten und Einkommensnachweisen bis zu einer bestimmten Höhe möglich. Viele Argentinier können auf legalem Weg gar keine Devisen mehr tauschen. In der Folge ist der Schwarzmarktkurs des Dollars massiv angestiegen und liegt fast 40 Prozent über dem legalen Wert.

Hintergrund sind die Sorgen der Regierung über die wachsende Kapitalflucht. 2011 haben die Argentinier 18,5 Milliarden Dollar aus dem Land geschafft – fast doppelt soviel wie im Vorjahr. Die Devisenreserven schrumpfen um 12 Prozent und betragen derzeit nur noch 46 Milliarden Dollar.

Einige führende Funktionäre im Wirtschaftsministerium denken bereits über eine Spaltung des Devisenmarkts nach, in einen für den Außenhandel und einen für Tourismus und finanzielle Überweisungen. So sollte dem jüngst florierenden Schwarzmarkt im Devisenhandel die Luft genommen werden. Die Regierung Kirchners erwägt zudem, die gleitende Abwertung des Pesos leicht und allmählich zu beschleunigen, wie am Sonntag die oppositionelle Zeitung „Clarín“ berichtete.

EU geht gegen Handelsrestriktionen vor

Denn mit 25 Prozent Inflation und einer jährlichen Peso-Abwertung von nur rund 10 Prozent verlieren viele Exportprodukte Argentiniens ihre Wettbewerbsfähigkeit. Um dem zu begegnen setzt die Regierung auf eine restriktive Importpolitik.

Die automatischen Importlizenzen wurden durch langwierige Genehmigungsverfahren ersetzt, die oft willkürlich gebremst werden. Wer seine Waren in Argentinien verkaufen will, soll sie im Land produzieren oder muss im gleichen Gegenwert argentinische Produkte ausführen.
Diese Maxime führt zu teilweise absurd anmutenden Wechselgeschäften: So kauft Porsche argentinischen Wein und Olivenöl, Adidas Möbel und BMW einigte sich nach zähem Ringen darauf, Soja, Leder und Reis zu exportieren.
Einige deutsche Firmen mit Niederlassungen in Buenos Aires haben inzwischen Produkte aus ihrem Angebot genommen, wegen der langen Importgenehmigungsfristen, die laut Angaben der Unternehmen bis zu 15 Monaten dauern. Über ein Drittel der EU-Exporte nach Argentinien stammen aus Deutschland, dem viertgrößten Handelspartner Argentiniens, nach Brasilien, China und den USA.

Die EU reagierte am Freitag gegen die Handelsrestriktionen, indem sie Argentinien vor der Welthandelsorganisation WTO verklagte. „Das Handels- und Investitionsklima in Argentinien verschlechtert sich“, erklärte EU-Handelskommissar Karel De Gucht. Die Maßnahme wurde auch als Repressalie gegen die Teilverstaatlichung des Erdölunternehmens YPF dargelegt. Die argentinische Regierung beabsichtigt mit der Enteignung der Repsol-Tochter, das 2011 eingetretene Defizit der Energiebilanz zu stoppen.

Doch die protektionistische Politik beflügelt die Wirtschaft nicht: Der Industrie-Verband UIA schätzt das Jahreswachstum Argentiniens für 2012 auf drei Prozent, falls die Regierung nicht ihren Kurs in der Handels- und Devisenpolitik ändert. Im Vorjahr wuchs das südamerikanische Land noch um 7,3 Prozent.

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