Dicke Luft in Peking: Der ewige Smog

Dicke Luft in Peking: Der ewige Smog

, aktualisiert 17. Dezember 2016, 14:34 Uhr
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„Wer hier lebt, muss viel ertragen.“

Quelle:Handelsblatt Online

China hat der Luftverschmutzung den Kampf angesagt. Trotzdem muss Peking an diesem Wochenende die höchste Smog-Alarmstufe „Rot“ verhängen. Die Hauptstädter sind von den Verbesserungsversuchen der Regierung genervt.

PekingDie Luft wird in Peking so schlecht wie noch nie in diesem Jahr. Deswegen ist He Zhang an diesem Freitag schon früh auf den Beinen. Noch vor der Arbeit joggt er unter blauem Himmel durch den Chaoyang-Park. „Ich mache lieber abends Sport, aber ich wollte die letzten Stunden mit guter Luft genießen.“

Wie Millionen andere Pekinger hat der 35-Jährige am Vorabend im Wetterbericht gehört, dass sich die Luftqualität in den kommenden Tagen mal wieder drastisch verschlechtern wird. Sogar so sehr, dass Peking erstmals in diesem Jahr nicht nur die „blaue“ oder „gelbe“, sondern die höchste Smog-Alarmstufe „Rot“ verhängt hat.

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Tatsächlich kletterten die Messwerte für gefährlichen Feinstaub am Freitag von Stunde zu Stunde in die Höhe und dichte Smog-Schwaden lösten die klare Luft vom Morgen ab. Wieder einmal stehen den Pekingern Tage bevor, in denen sie ihren Lebensrhythmus nach der dreckigen Luft ausrichten müssen. Dass Läufer He Zhang aus Angst um seine Gesundheit auf Sport verzichtet, ist dabei noch ein Luxusproblem.

„Wo soll ich am Montag mein Kind lassen?“, fragt Zang Ying entsetzt. Der rote Alarm heißt, dass Kindergärten und Grundschulen geschlossen bleiben. Die Mutter, die auch berufstätig ist, wird versuchen, ihre vierjährige Tochter bei Verwandten unterzubringen.

Auch der Weg zur Arbeit wird komplizierter. Jedes zweite Auto ist während des Alarms aus dem Verkehr gezogen. An einem Tag dürfen Autos fahren, deren Kennzeichen mit einer geraden Ziffer endet. Am nächsten Tag sind die ungeraden Ziffern dran.


Wann ist die Luft sauber?

„Wer hier lebt, muss viel ertragen“, meint auch Li Anqi, die sich gerade im Supermarkt eine neue Atem-Maske gekauft hat, um sich auf die nächsten Tage vorzubereiten. Die Luft sei nicht mehr so schlecht wie noch vor ein paar Jahren. „Es muss aber noch viel passieren, damit Peking eine lebenswerte Stadt wird“, sagt die 27 Jahre alte Studentin.

Tatsächlich bewerten auch Experten die Fortschritte durchwachsen, die China im Kampf gegen die chronisch schlechte Luft macht. Als die Regierung vor zwei Jahren Reformen verkündete, war selbst Greenpeace zunächst voll des Lobes. Laut Messungen der Umweltorganisation sei die Konzentration von besonders gefährlichem Feinstaub, der in Abgasen steckt, aber auch durch den Abrieb von Autoreifen verursacht wird, zwischen Januar 2015 und März dieses Jahres um rund 10 Prozent zurückgegangen.

„Vor allem in der Region rund um Peking ist dieser Trend aber schon wieder zum Erliegen gekommen“, sagt Liansao Dong von Greenpeace. Viele Fabriken rund um die Stadt würden trotz strenger Auflagen und Verbote noch immer dreckige Abgase in den Himmel blasen. Das Problem: Die Regierung kontrolliere nicht streng genug.

Auch Ma Jun, Direktor des Instituts für Umweltfragen in Peking, sieht nur langsame Fortschritte. „Ob die Luft gut oder schlecht ist, hängt nach wie vor zu sehr vom Wetter ab.“ Bei kaltem Nordwind werde die schlechte Luft aus der Stadt geblasen. Komme der Wind aus Süden, wo es mehr Fabriken gibt, steige der Schadstoff-Index in die Höhe.

Hinzu kommt: Die offiziellen Luftwerte sind mit Vorsicht zu genießen. Laut Regierungsangaben gab es in Peking 2016 bis einschließlich Oktober 172 Tage gute Luft - elf mehr als im vergangen Jahr. Aber was heißt das eigentlich? Laut Ma Jun gelte die Luft als „gut“, wenn der offizielle Luftindex der Regierung unter 100 Punkten liegt. Übersetzt auf den Standard der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das aber immer noch eine dreimal höhere Belastung, als unbedenklich wäre. Ma Jun glaubt, dass es mindestens noch fünf Jahre dauern wird, bis Peking die Zeiten von regelmäßigen Smog-Alarmen hinter sich gebracht hat. Bis WHO-Standards erreicht sind, würden sogar noch Jahrzehnte vergehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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