kolumneDie Freytags-Frage: Bleibt Südafrika das Tor nach Afrika?

09. November 2012
Kolumne von Andreas Freytag

Südafrika verfügt auf dem afrikanischen Kontinent über eine Sonderstellung. Doch ist diese wirklich gerechtfertigt?

Seit einigen Jahren ist Afrika wieder auf dem Radarschirm der deutschen Wirtschaft zu finden. Kammern und Wirtschaftsverbände, Afrika-Verein und Kirchen, sie alle engagieren sich auf dem Kontinent, der einst als verloren galt, aber im Zuge des Rohstoffbooms und der anschließenden Krise in der entwickelten Welt wegen seines Potentials überall gelobt wird. Vermutlich trägt auch das große Interesse chinesischer Investoren im Verbund mit afrikanischen Stellungnahmen zur Schwäche und abnehmenden Bedeutung Europas dazu bei.

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Eine Sonderstellung nimmt Südafrika ein. Das Land weist die beste Infrastruktur des Kontinents (wenigstens südlich der Sahara) auf, die verarbeitende Industrie ist vergleichsweise leistungsfähig, das Land hat einen der effizientesten und leistungsfähigsten Finanzsektoren der Welt, der nebenbei kaum unter der Weltfinanzkrise litt, und es hat eine aus europäischer Sicht vorbildliche Geld- und Fiskalpolitik. Die Bedingungen für Prosperität und gesellschaftliche Entwicklung sind gegeben. Nicht zuletzt deshalb werden zahlreiche Investitionen in den Kontinent über Südafrika getätigt; es gilt als das „Gateway to Africa“.

Trotzdem gibt es einige sehr große Probleme. So vereinigt das Land erste und dritte Welt auf einzigartige und sehr sonderbare, ja abschreckende Weise. Nur einen Steinwurf voneinander entfernt befinden sich dramatische Armut in den Townships und extremer Reichtum in einigen gut geschützten Villenvierteln. Auch 18 Jahre nach der ersten demokratischen Wahl ist es der Regierung bzw. der Regierungspartei, dem ANC noch nicht gelungen, die Lücke zu schließen, die in der Zeit der Apartheid bewusst verbreitert wurde. Die jüngsten Ausschreitungen in der Mine von Marikana sind ein tragischer Beleg für dieses Problem.

Bildungsprobleme

Dies hängt auch mit der Bildungspolitik zusammen. Obwohl die Ausgaben für Bildung im Verhältnis zum BIP recht hoch sind, gelingt es dem Land nicht, der Mehrheit der Bevölkerung eine angemessen Bildung zu vermitteln. Von tertiärer Ausbildung gar nicht zu reden. Bezeichnend ist der Fall der Provinz Limpopo, in der im Schuljahr 2012 (Januar bis Dezember) die Schulbücher für die öffentlichen Schulen nicht ausgeliefert (sondern im Juli offenbar zur Vertuschung des Skandals vernichtet) wurden, so dass die Schüler ohne Lehrmaterialien auskommen müssen. Es sind eindeutig institutionelle Schwierigkeiten im Bereich der öffentlichen Schulbildung. Viele private Schulen sind hervorragend und genießen auch international einen guten Ruf.

Die Regierung hat sich zudem die Beteiligung der vormals unterdrückten schwarzen Mehrheit des Landes am Wirtschaftsleben zur Aufgabe gemacht. Es gibt dazu ein Programm unter der Bezeichnung “Black Economic Empowerment“ (BEE). Die praktische Umsetzung lässt einige Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Unterfangens aufkommen. Weniger die schwarze – relativ ungebildete – Mehrheit als vielmehr eine kleine, dem ANC und der Politik nahestehende Gruppe scheint davon zu profitieren. BEE bedeutet vor allem, dass Beförderungen im Staatsdienst, aber auch zunehmend in privaten Firmen, die mit dem Staat Geschäfte machen wollen, für Schwarze reserviert sind und dass Unternehmen gezwungen werden, Anteile an Schwarze abzugeben. Staatliche Aufträge werden vielfach an Unternehmen vergeben, die eine Nähe zur Regierung aufweisen. Oppositionspolitiker in Südafrika sprechen von einer neuen Schicht der „Tenderpreneurs“.

Fachkräfte verlassen das Land

Diese Tendenzen führen auch dazu, dass weiße, gut ausgebildete Fachkräfte das Land verlassen, weil sie keine Zukunft sehen: Beruflich stoßen sie wegen BEE an eine „gläserne Decke“; sie fühlen sich außerdem durch zahlreiche verbale Bedrohungen zum Beispiel von der ANC Youth League bedroht und einem neuartigen Rassismus ausgesetzt. Auch die Organisation des Gemeinwesens gilt als nur bedingt funktionsfähig. Deutsche Unternehmen klagen beispielsweise regelmäßig über schlecht funktionierende Verwaltungen und Inkompetenz auf Seiten der Verwaltungen.

Die Begründung für diese Schwierigkeiten liegt vor allem in dem trotz zahlreicher gegenteiliger Bemühungen recht hohen Korruptionsniveau im Land. Selbst oberste Regierungskreise sind immer wieder in Skandale verwickelt. Auch Anti-Korruptionseinheiten scheinen verseucht zu sein, und Erfolge in der Korruptionsbekämpfung sind Mangelware.

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