Die USA schwächeln: Amerika ist nur noch 08/15

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Die USA schwächeln: Amerika ist nur noch 08/15

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Die Strahlkraft der USA lässt nach: Amerika entwickelt sich von der Supermacht weg, hin zu einem ganz normalen Industrieland - mit Stärken und Schwächen.

von Tim Rahmann

Vom Comeback der USA kann keine Rede sein: Das Land ist eine Wirtschaftsmacht, hat aber auch gewaltige wirtschaftliche, finanzielle und soziale Probleme. Kann Präsident Barack Obama noch einmal Akzente setzen?

Die US-Amerikaner sind hemmungslose Optimisten. Sie vertrauen auf sich, ihrem Militär oder zur Not auf den lieben Gott – schließlich ist Amerika ja „god’s own country“. Fast jeder Dritte glaubt, dass die USA das tollste Land der Welt sind. Dieser Optimismus hat viele gute Begleiterscheinungen: Die Menschen zwischen New York und Los Angeles sind mutig und engagiert, überdurchschnittlich viele gründen ein Unternehmen, die wenigsten wollen sich auf den Staat verlassen. Statt zu zweifeln, packen sie an. Die Kehrseite: Ihr Optimismus führt bisweilen dazu, die Realität auszublenden. Negative Entwicklungen werden nivelliert, schlechte Nachrichten verdrängt.

Dass die US-Wirtschaft zum Jahresauftakt nach der zweiten statistischen Korrektur nunmehr doch um ganze 2,9 Prozent eingebrochen ist, hat die Menschen nur kurz beunruhigt. Der kalte Winter sei Schuld, erklärten die Kommentatoren flugs und zerstreuten so die ersten Zweifel am Comeback der Supermacht, das allerorten ausgerufen wird. Die Zahlen seien zwar deutlich schlechter, als erwartet, aber der Trend sei positiv, waren sich die US-Journalisten einig.

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Auch die OECD sagt der USA ein kräftiges Wirtschaftswachstum voraus. Das Bruttoinlandsprodukt werde 2015 um 3,5 Prozent und damit so schnell wie seit elf Jahren nicht mehr wachsen. Und im Juni wurden - so vermeldete das Weiße Haus am Donnerstagnachmittag - rund 260.000 Jobs im Vergleich zum Vormonat geschaffen. Was stimmt nun: Ist der moderate Anstieg seit Obamas Wiederwahl Ende 2012 abrupt beendet, noch ehe Arbeitslosenquote, Schulden und BIP-Wachstum im grünen Bereich sind? Oder ist die Supermacht auf dem Weg zur alten Stärke?

Lage der USA

  • Schuldenstand

    Die USA haben Schulden in Höhe von 17,557 Billionen US-Dollar (Stand: 1. Juli 2014). Bis zum Ende des Jahres sollen die Schulden auf 18,52 Billionen Dollar steigen. Das wären 105,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

  • Neuverschuldung

    Das Haushaltsdefizit soll in diesem Jahr bei 6,4 Prozent liegen. Ende 2013 stand ein Minus von 7,3 Prozent zu Buche.

  • Arbeitslosenquote

    Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2014 bei 6,3 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich die Zahl damit nur um 0,3 Prozent verbessert.

„Wenn die Argumentation mit dem kalten Wetter stimmen würde, müsste Kanada ja auch ein kräftiges Minus vorweisen. Deren Wirtschaft aber ist im ersten Quartal um 1,2 Prozent gewachsen“, sagt Josef Braml, USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Natürlich habe der Winter seine Spuren hinterlassen. Ganz so einfach sei es dann aber nicht. „Die Wirtschaft wurde durch die Geldspritzen der Notenbank FED am Leben gehalten“, ergänzt Braml. „Sobald weniger Dollar in den Markt gepumpt werden, brechen die Zahlen ein – und die strukturelle Schwäche der Wirtschaft wird wieder sichtbar: die enorme Abhängigkeit vom Konsum.“

Tatsächlich macht die Shoppinglust der Mitbürger 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der weltgrößten Volkswirtschaft aus. Jahrzehntelang wurde der Konsum per Kredit finanziert. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise sind die Banken vorsichtiger geworden. Da auch die Beschäftigungsquote und die Löhne stagnieren, schwächelt der US-Konsum. Er brach zuletzt von 3,1 auf 1,0 Prozent ein. „Entweder die USA verändern ihr Geschäftsmodell, weg vom Konsum, hin zur Exportwirtschaft – das halte ich für unwahrscheinlich – oder die Politik muss den Menschen zu mehr Geld verhelfen“, sagt Josef Braml.

Das ginge kurzfristig nur per Steuererleichterungen oder der Anhebung des Mindestlohns. In den USA wird derzeit heftig gestritten, ob die Lohnuntergrenze von 7,25 US-Dollar auf 10,10 US-Dollar heraufgesetzt werden soll. „US-weit halte ich eine solche Anhebung für unrealistisch. Das ist mit dem republikanisch dominierten Abgeordnetenhaus nicht zu machen“, sagt Martin Thunert, Dozent und Politikwissenschaftler am „Center for American Studies“ der Universität Heidelberg.

Präsident Barack Obama könnte per Exekutivorder lediglich den Mindestlohn für Staatsbedienstete erhöhen. Oder hoffen, dass die Bundesstaaten regionale Tarife vereinbaren und den Lohn zumindest ein wenig anheben. So beträgt der Mindestlohn im Großraum Seattle – eine der liberalsten und wohlhabenderen Städte Amerikas – satte 15 Dollar.

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