Die Zuckerinsel wächst: Auf Kuba stehen die Investoren Schlange

Die Zuckerinsel wächst: Auf Kuba stehen die Investoren Schlange

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Fidel Castro und sein jüngerer Bruder Raúl.

Auch wenn der Karibikstaat nach Fidel Castros Abtritt jetzt von einem anderen regiert wird – die wirtschaftliche Öffnung hat auf Kuba bereits begonnen.

Vier Tage lang hatten die karibischen Ölproduzenten Ende vergangenen Jahres auf Kuba verhandelt. Zum Abschluss weihte Präsident Castro feierlich die Raffinerie Camilo Cienfuegos ein — und alles sah fast aus wie früher, als Kuba noch von der Sowjetunion mit millionenschweren Industrieprojekten subventioniert wurde: lange Reden, kühne Pläne, jubelnde Parteikader. Dabei war alles anders: Statt tanzender Kosaken kam das Topmodel Naomi Campbell. Kein sowjetischer Parteisekretär, sondern Venezuelas Präsident Hugo Chávez drückte den Startknopf der Anlage, und der Castro an seiner Seite war nicht Fidel, sondern dessen Bruder Raúl. Der hatte den Máximo Lider schon während seiner langen Krankheit ab Mitte 2006 vertreten – und führt auch jetzt nach dessen Abschied die Geschäfte.

„Die Raffinerie ist Symbol für das, was wir heute machen“, sagt Marta Lomas, die kubanische Ministerin für Kooperation mit dem Ausland. Sie weiß, wovon sie spricht: Seit den Tagen der Revolution vor rund fünf Jahrzehnten waren ausländische Investoren und Unternehmen noch nie so sehr darum bemüht wie gerade jetzt, im sozialistischen Inselreich präsent zu sein. Immer neue Investitionsankündigungen zeigen: Wer auch immer nach Fidel Castros freiwilligem Rücktritt aus dem Präsidentenamt künftig Kuba regieren wird – die wirtschaftliche Öffnung des Landes hat längst begonnen.

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Anders als in den Neunzigerjahren, als nach dem Ausbleiben der sowjetischen Bruderhilfe der Versuch einer vorsichtigen Liberalisierung schnell in sich zusammenbrach, sieht diesmal alles so aus, als wäre der Öffnungsprozess von Dauer. „In der Partei ist Konsens, dass die Wirtschaft funktionieren muss, sonst kann auch der Sozialismus nicht überleben“, sagt Philip Peters, Kuba-Experte vom Lexington Institute in den USA. Wie die meisten Experten erwartet er, dass die politische Führung eine vorsichtige wirtschaftliche Öffnung schon deshalb mittragen wird, weil sie die politische Macht nicht vollständig verlieren will.

Den ausländischen Konzernen ist das nur recht. Sie konkurrieren um die besten Startplätze: Der kanadische Bergbaukonzern Sherrit und die chinesische Minmetal investieren gerade jeweils 500 Millionen Dollar in die reichen Nickelminen im Osten des Landes. Der brasilianische Energiekonzern Petrobras wird im mexikanischen Golf vor Kuba nach Öl suchen und hat dafür der Regierung in Havanna einen Kredit über eine Milliarde Dollar für den Kauf von Lebensmitteln bereitgestellt. Unternehmen aus dem Iran bauen eine Zementfabrik und ein Thermokraftwerk für 400 Millionen Dollar. Dafür liefert Kuba Pharmazeutika in den Iran. Investoren aus den Emiraten bauen einen Tiefseehafen im Norden.

Auch Russland zeigt wieder Interesse und räumte Kuba einen Kredit für den Kauf von Militärflugzeugen ein. Die Europäische Union, die Kuba 2003 wegen der Menschenrechtsverletzungen mit einem symbolischen Embargo belegt hatte, schickt nächste Woche ihren Entwicklungskommissar Louis Michel auf die Insel. Spanien hat zum Jahresanfang die Entwicklungszusammenarbeit wieder aufgenommen.

Aus Deutschland kommen vor allem bayrische Händler, die in den vergangenen zwei Jahren Waren im Wert von 700 Millionen Euro auf der Insel verkauft haben. Heute fahren Kubas Diplomaten in Europa BMW. Sogar mit dem Erzfeind machen die Kubaner gute Geschäfte. Auf Druck der US-Agrarlobby genehmigte die Bush-Regierung ihren Farmern den Verkauf von Agrarprodukten gegen Cash.

Einer der Gründe für das neu erwachte Interesse ist, dass Kuba sich nach seinen tiefen Krisen der letzten Jahre berappelt hat. Die steigenden Preise für Bergbauprodukte wie Nickel, die Unterstützung durch Präsident Chávez, der aus Venezuela Öl gegen die Leistungen von 30 000 Krankenschwestern, Ärzten und Soldaten liefert – alles das hat die Insel-Konjunktur seit 2004 wieder auf Trab gebracht: Um zehn Prozent sei Kubas Wirtschaft im vergangenen Jahr gewachsen, behauptet die Regierung. Auch wenn es nach Ansicht von ausländischen Experten vielleicht nur sechs Prozent sind – die Wirtschaft der Zuckerinsel, die nach dem Ende der Sowjetunion kollabiert war, wächst wieder.

Die Aussichten sind gut, dass es dabei bleibt: „Kuba hat das Zeug zu einem der interessantesten Emerging Markets weltweit“, sagt Walter Molano, Lateinamerika-Experte der Investmentbank BCP. Für ihn könnte Kuba wegen des hohen Bildungsniveaus seiner elf Millionen Einwohner bald ähnlich stark wachsen wie die sozialistischen Staaten von China bis Vietnam. „Die Investoren“, so Molano, „sollten auf diesen Boom vorbereitet sein.“

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