DIHK: Wirtschaft warnt vor Export-Einbußen

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DIHK: Wirtschaft warnt vor Export-Einbußen

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag prognostiziert für 2015 Export-Einbrüche von 15 Prozent. Betroffen davon ist vor allem die Automobilindustrie und der Maschinenbau. Ein Grund dafür ist die Russland-Krise.

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Neufahrzeuge warten in Hamburg auf den Export.

Die deutsche Wirtschaft rechnet in diesem Jahr mit weiteren milliardenschweren Einbußen im Russland-Geschäft. Die Exporte dürften um fast 15 Prozent oder knapp vier Milliarden Euro einbrechen, prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Davon werden insbesondere Spitzenexportbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau betroffen sein", sagte DIHK-Außenhandelschef Volker Treier am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Bereits 2014 waren die Ausfuhren um rund ein Fünftel gefallen. Ein Grund für die Entwicklung ist der Kursverfall der Landeswährung Rubel. "Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher", sagte Treier. "Zudem entfaltet sich die Wirkung der dritten Sanktionsstufe der EU gegen Russland erst in diesem Jahr voll."

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Putins Folterwerkzeuge im Sanktionskrieg

  • Autoindustrie

    Der Kreml droht damit, den Import westlicher Pkw nach Russland einzuschränken. Der russische Markt ist aber schon länger in der Krise. 2013 exportierten deutsche Hersteller 132 000 Fahrzeuge nach Russland - im Jahr davor waren es noch knapp 157 000. Bei Volkswagen liegt der Konzernabsatz in Russland nach zwei Dritteln des Jahres 12 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Unabhängig von den Sanktionen sagt ein VW-Insider: „Der Markt fliegt uns ganz schön um die Ohren.“ Die Sanktionen könnten jene Hersteller teils schonen, die in Russland in eigenen Fabriken produzieren. Der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält Importverbote deshalb für verkraftbar: „Nahezu alle wichtigen deutschen Autobauer wie VW, Opel-Chevrolet, Ford, BMW, Daimler Nutzfahrzeuge sind mit Werken in Russland vertreten.“ Der Präsident des Branchenverbands VDA, Matthias Wissmann, aber rät zum Blick über den Tellerrand: Das Thema drücke auf die Psychologie der internationalen Märkte.

  • Luftfahrt

    Macht Moskau ernst und den Luftraum für westliche Airlines über Sibirien dicht, wäre das ein harter Schlag. Genau das hat Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew im Sinn: „Wenn westliche Gesellschaften unseren Luftraum meiden müssen, kann das zum Bankrott vieler Fluggesellschaften führen, die schon jetzt ums Überleben kämpfen.“ Beispielsweise müssten die großen europäischen Airlines Air France-KLM, British Airways oder Lufthansa, die über Sibirien nach Asien fliegen, auf längere Routen ausweichen. Das kostet Treibstoff, Besatzungen müssen länger arbeiten. Experten gehen von etwa 10 000 Euro Mehrkosten pro Flug aus. Dies dürfte nicht ohne Folgen auf die Ticketpreise bleiben, von längeren Flugzeiten für die Kunden ganz zu schweigen. Aber: Bisher päppelte Moskau mit den Einnahmen von über 200 Millionen Euro pro Jahr aus den Überflugrechten die Staatsairline Aeroflot auf. Lachender Dritter wären wohl die Chinesen. Sie könnten dank des Sibirien-Kostenvorteils die Europäer im lukrativen Asiengeschäft noch mehr ärgern.

  • Agrar- und Textilindustrie

    Bei Lebensmitteln machte Putin bereits ernst und verhängte Anfang August einen Importstopp, weil ihm erste EU-Sanktionen nicht schmeckten. Die 28 EU-Staaten, die USA, Australien, Kanada und Norwegen dürfen für ein Jahr Fleisch, Fisch, Milch, Obst und Gemüse nicht mehr einführen. Einzelne Agrarländer wie Griechenland trifft das hart. Für die deutsche Agrarbranche sind die Folgen überschaubar, sagt Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU). Um Verwerfungen im EU-Markt wegen des Überangebots zu verhindern, rief Schmidt die Verbraucher auf, mehr heimisches Obst und Gemüse zu essen: „One apple a day keeps Putin away“ (Ein Apfel am Tag hält Putin fern). Nun kündigt Moskau an, auch Produkte der Textilindustrie auf den Index zu setzen. Details sind aber unklar.

  • Energiewirtschaft

    Hier hält Putin die ultimative „Waffe“ in der Hand. Dreht er den Gashahn zu, hätte Europa ein Problem. Grund zur Panik besteht aber nicht. Die Gasspeicher sind randvoll (Deutschland: 91,5 Prozent, EU-weit: 90), die Vorräte dürften zumindest in Deutschland, das seinen Gasbedarf zu mehr als ein Drittel aus Russland deckt, bis zum Frühjahr reichen. Das Baltikum und Finnland sind aber zu 100 Prozent von russischen Gasimporten abhängig, viele südosteuropäische Länder hängen auch am Gazprom-Tropf. Die Bundesregierung geht davon aus, dass Putin liefertreu bleibt, nicht auf die Export-Milliarden verzichten kann. Die knallharte Entscheidung der EU, die russischen Energieriesen Gazprom Neft, Rosneft, Transneft sowie Rüstungsfirmen jetzt vom europäischen Kapitalmarkt abzuschneiden, dürfte Putin aber mächtig reizen. Polen meldet, Gazprom liefere weniger Gas als vereinbart - was der Monopolist von Putins Gnaden bestreitet.

Bislang habe der Warenaustausch zu einem großen Teil noch auf Verträgen basiert, die vor Verhängung dieser Sanktionen wegen der Ukraine-Krise geschlossen wurden. "Außerdem deutet das politische Umfeld derzeit kaum auf eine Lockerung der Sanktionen hin", sagte der Experte.

Trotz der Sanktionen hat die Bundesregierung auch 2014 deutsche Exporte nach und Investitionen in Russland umfassend gegen Risiken abgesichert. Insgesamt wurden Ausfuhren im Volumen von 2,2 Milliarden Euro durch sogenannte Hermes-Bürgschaften gedeckt, erfuhr Reuters aus dem Wirtschaftsministerium.

Das ist nur geringfügig weniger als 2013. Damit liegt Russland weit vorne unter den Zielländern, noch vor Saudi-Arabien, der Türkei und China. Auch bei den rund fünf Milliarden Euro an neuen Staatsgarantien für deutsche Direktinvestitionen in aufstrebenden Ländern liegen Projekte in Russland in der Spitzengruppe.

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Die seit Mitte 2014 gegen Russland geltenden Sanktionen beeinträchtigen die Übernahme von deutschen Staatsgarantien kaum. Ausfuhren von Gütern, die nicht den verhängten Strafmaßnahmen unterliegen, können bis heute vom Bund über Exportkredit- und Investitionsgarantien abgesichert werden.

Die EU erwägt inzwischen noch schärfere Strafmaßnahmen. "Es gibt schon Sanktionen, und es sollte weitere geben", fordert der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna. Zurückhaltender äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel: "Die Bundesregierung ist nicht der Überzeugung, dass wir jetzt sehr schnell Sanktionen neu formulieren sollten." Die Außenminister der EU-Länder beraten am Donnerstag über das weitere Vorgehen.

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