Donald Trump beim Economic Club of New York: Eine Zukunft aus Kohle und Stahl

Donald Trump beim Economic Club of New York: Eine Zukunft aus Kohle und Stahl

, aktualisiert 15. September 2016, 22:42 Uhr
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US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump spricht vor den Mitgliedern des Economic Club of New York: Seine Rede wird begleitet von freundlichem, aber zurückhaltendem Applaus.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Donald Trump stellt dem Economic Club of New York sein Wirtschaftskonzept vor und blickt dabei in die Vergangenheit. Er verspricht eine heile Welt, in der die USA sich selbst genügt und Wirtschaft vor allem Industrie heißt.

New YorkDer Ballsaal im Waldorf Astoria, der mit seinen zwei Rängen und kleinen Logen an ein Opernhaus erinnert, ist gefüllt - mit ökonomisch gebildeten und gut betuchten Gästen. Der Economic Club of New York, der auf mehr als 100 Jahre Tradition zurückblickt, hat Hillary Clinton und Donald Trump, die beiden US-Präsidentschaft-Kandidaten, eingeladen. Trump hat zugesagt. Bevor der auf die Bühne steigt, stellt ihn Mike Pence, den Trump zu seinem Stellvertreter machen will, als „den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten“ vor und vergleicht ihn mit Ronald Reagan.

Zu Beginn seiner Rede freut sich der Kandidat der Republikaner über die neusten Umfrageergebnisse, nach denen er zur Demokratin Clinton aufgeschlossen hat. Doch dann geht er schnell über zu seinen wirtschaftlichen Plänen. Geschickt leitet er seine Vorstellung mit einer anschaulichen Schilderung der Stadt Flint in Michigan ein, die von Arbeitslosigkeit und Umweltschäden geprägt ist. Ford will dort eine Fabrik schließen und nach Mexiko verlagern. „Es ist eine Schande, dass unsere Politik so etwas zulässt“, sagt Trump. „Früher gab es in Mexiko keine Autofabrik und man konnte dort das Wasser nicht trinken, heute ist das der Zustand in Flint.“

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Trump betont, dass er viele „großartige“ Amerikaner kennt, die keinen Job haben. Obwohl die US-Wirtschaft seit Jahren neue Stellen schafft, behauptet er, die „Regierung Obama-Clinton“ habe „Millionen Jobs verloren“. Ebenso wahrheitswidrig wirft er den Chinesen vor, „immer wieder drastisch ihre Währung abzuwerten“.

Sein Wirtschaftskonzept ist unrealistisch, aber auf den ersten Blick in sich stimmig. Er will Amerika abschotten gegen Importe, vor allem aus Mexiko und China. Deswegen sollen alle Handelsabkommen überarbeitet werden. Außerdem möchte Trump Auflagen für die Wirtschaft reduzieren; das gilt vor allem für den Energiebereich. Hinzu kommen niedrigere Steuern: Für Unternehmen soll der Satz von 35 auf 15 Prozent sinken.

So wird in seiner Phantasie ein Amerika neu entstehen, in dem es Millionen mehr Jobs als heute gibt, wo wieder Kohle abgebaut, Stahl geschmiedet und in neue Infrastruktur verbaut wird. „Amerikanische Autos auf amerikanischen Straßen, amerikanische Flugzeuge in der Luft, amerikanische Schiffe auf dem Meer“, ruft er der Menge zu, die während seiner Rede unter dem riesigen Kronleuchter mit klapperndem Geschirr zu Mittag isst.

Alles das zusammen – Protektionismus, Abbau von Auflagen, Senkung von Steuern – soll das Wirtschaftswachstum auf vier Prozent mehr verdoppeln. Und damit kann er nach eigener Einschätzung trotz Steuersenkungen das staatliche Defizit abbauen und das Militär besser ausrüsten.

Trump, der Chef eines undurchsichtigen, von seinem Vater ererbten Immobilienkonzerns, stellt sich den Job im Weißen Haus so ähnlich vor wie den im Chefsessel seines Unternehmens. Wie eine Firma, die danieder liegt, will er die USA übernehmen und auf Effizienz trimmen. „Einen Cent vom Dollar rausholen“ kann man seiner Meinung nach überall bei den Kosten, und so möchte er die angebliche Verschwendung seines Vorgängers stoppen.

Interessant ist aber auch, wovon Trump nicht spricht. Der Finanzsektor kommt in seiner Rede nicht vor. Tech-Unternehmen ebenso wenig. Der gesamte Dienstleistungssektor, in dem zurzeit vor allem die neuen Jobs entstehen, scheint nicht zu existieren. Und die Tatsache, dass die Rückkehr von Industrie in die USA meist mit hoher Automatisierung verbunden ist, scheint ihm entgangen zu sein.


Heiteres Gelächter für den Zaun an der Grenze zu Mexiko

Die Gäste des feinen Clubs begleiten seine Rede immer wieder mit freundlichem, aber häufig doch zurückhaltendem Applaus. An der Lautstärke lässt sich leicht feststellen, was sie von den einzelnen Programmpunkten halten. Protektionismus, die Ersetzung von „Globalismus durch Amerikanismus“, stößt auf sehr gedämpfte Zustimmung. Eine Steuerreform ruft schon mehr Klatschen hervor, und ins Schwarze trifft Trump mit seinem Versprechen, „am ersten Tag die Job-vernichtende Regulations-Industrie“ zu stoppen – also Auflagen für die Wirtschaft einzukassieren. Mit heiterem Gelächter reagiert das Publikum, als er am Ende der Rede dann doch noch einmal anbringt, dass er einen Zaun an der Grenze zu Mexiko bauen will, den die Mexikaner bezahlen sollen.

In dem New Yorker Club ist es üblich, die Gäste nach der Rede noch in ein Gespräch zu verwickeln, bei dem es mitunter recht munter zugeht. Bei Trump ist es aber mit der Munterkeit vorbei, sobald er nicht mehr allein das Geschehen bestimmt. Denn sein Gesprächspartner ist der bekannte Hedgefonds-Manager John Paulson, der in der Finanzkrise Milliarden am Untergang des US-Immobilienmarktes mit eigens kreierten Wertpapieren verdient hat, die Goldman Sachs dann ahnungslosen Kunden verkaufte.

Paulson wird den Gästen als Mitglied des Economic Club vorgestellt. Er ist aber zugleich einer der ökonomischen Berater Trumps, obwohl der in der Vergangenheit Hedgefonds-Manager als Leute bezeichnet hat, die „nur Papier hin und her schieben und damit Geld verdienen, statt Jobs zu schaffen“. Trump wird also von seinem eigenen Buddy ins Kreuzverhör genommen, und entsprechend leicht hat er es, die Thesen seiner Rede ohne bohrende Nachfragen zu wiederholen.

Jenseits aller inhaltlichen Fragen macht Trump aber durchaus einen guten Eindruck. Er redet ohne Teleprompter, aber diszipliniert. Er leistet sich keine verbalen Aussetzer, greift seine Gegnerin nicht übermäßig an und verkneift sich jede Anspielung auf ihre Gesundheit, die nach ihrem Schwächeanfall am Sonntag ein heiß diskutiertes Thema ist. Offenbar ist der Kandidat bemüht zu zeigen, dass er sich benehmen kann.

Er beweist hervorragende rhetorische Qualitäten, ist abwechselnd leidenschaftlich und witzig, bringt anschauliche Beispiele und Beschreibungen, dazwischen aber auch immer wieder eine Flut von Zahlen – ein wirkungsvoller Trick, um Kompetenz für sich in Anspruch zu nehmen.

Schaut man in der deutschen Geschichte nach einem vergleichbaren Redner, drängt sich der Vergleich mit Franz-Josef Strauß auf. Der hat allerdings trotzdem 1980 die Bundestagswahl gegen Helmut Schmidt verloren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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