Drohnen-Abschuss: Iranisches Militär droht mit Vergeltung im Ausland

Drohnen-Abschuss: Iranisches Militär droht mit Vergeltung im Ausland

, aktualisiert 05. Dezember 2011, 09:34 Uhr
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Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist auf Konfliktkurs.

Quelle:Handelsblatt Online

Iranische Streitkräfte melden den Abschuss von einer US-Aufklärungs-Drohne. Auf die angebliche Verletzung seines Luftraums will das Land außerhalb seiner Grenzen reagieren.

TeheranIn dem ohnehin aufgeheizten Konflikt mit dem Westen hat der Iran den Abschuss einer US-Drohne verkündet. Wie die amtliche Nachrichtenagentur IRNA am Sonntag mitteilte, war die Drohne an der Grenze im Osten des Landes in den iranischen Luftraum eingedrungen.

Bilder des abgeschossenen Flugzeugs gab es nicht. Das US-Verteidigungsministerium in Washington äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. In diesem Jahr sollen nach unbestätigten iranischen Angaben bereits mehrere Drohnen abgeschossen worden sein. 

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Aus den USA wurde der Abschuss zunächst nicht bestätigt. Es gebe „absolut keine Hinweise“ darauf, dass die Drohne abgeschossen worden sei, sagte ein Gewährsmann, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Nach dem angeblichen Abschuss hatte die Nato im benachbarten Afghanistan den Verlust eines unbemannten Flugzeugs gemeldet. „Die Drohne, auf die sich die Iraner beziehen, könnte ein unbewaffnetes US-Aufklärungsflugzeug sein, das Ende vergangener Woche eine Mission über Westafghanistan flog“, teilte die Nato am Sonntagabend in Kabul mit. Die Bodenkontrolleure der Drohne hätten die Kontrolle über das Flugzeug verloren und sich seitdem darum bemüht, „seinen Status festzustellen".

Mit einer verkappten Drohung reagierte das iranische Militär. Es werde eine nicht näher erläuterte Reaktion geben. Ein solcher Schritt werde nicht auf die eigenen Landesgrenzen beschränkt sein, zitierte der Sender IRIB am Sonntag eine Stellungnahme der Streitkräfte. Die Drohne sei nur geringfügig beschädigt worden und sei nun im Besitz des Irans, hieß es weiter.

Eskaliert war der Streit um das Atomprogramm, als Ende November mehrere hundert Demonstranten die britische Botschaft in Teheran verwüstet hatten. Der Iran musste alle Diplomaten aus London abziehen. Deutschland, Frankreich und mehrere andere Länder zogen ihre Botschafter aus Teheran ab. Sollte sich der Drohnen-Abschuss bewahrheiten, könnte das die Krise weiter verschärfen.

Die EU-Außenminister hatten erst am vergangenen Donnerstag Wirtschaftssanktionen gegen das Land beschlossen. Iranisches Öl soll nicht mehr eingeführt werden und das Finanzsystem von dem des Westens abgeschnitten werden. Kurz nach den EU-Beschlüssen stimmte der US-Senat für neue Sanktionen gegen die Teheraner Zentralbank. 

Der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi ist ungeachtet der Spannungen Gast bei der Internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn, die heute beginnt. Am Sonntag traf Salehi mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle zusammen. Über Inhalte des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.


Umstrittene Aufklärer

Westerwelle hatte zuvor nach einem Gespräch mit UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon die iranische Teilnahme begrüßte. „Wir werden eine gute nachbarschaftliche Lösung nur finden, wenn die Nachbarländer mitmachen, und das schließt Iran mit ein.“

Nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Fars befand sich der weitgehend intakte Aufklärer vom Typs RQ-170 in der Hand des Militärs. Bereits im Januar dieses Jahres will der Iran zwei westliche Drohnen abgeschossen haben. Das Pentagon in Washington hatte das nicht bestätigt. Im Juli hatten die Revolutionsgraden selbst einen Medienbericht über einen weiteren Abschuss dementiert.

Eine Tarnkappen-Drohne des Typs RQ-170 wurde auch beim Ausspähen des Unterschlupfs von Terroristenführer Osama bin Ladens eingesetzt, wie die „Washington Post“ im Mai unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtete. 

Die US-Luftwaffe habe 2009 die Existenz der Drohne eingeräumt, nachdem sie zwei Jahre zuvor auf einem Stützpunkt in Kandahar ausgespäht worden sei. Das Gerät sei während der Aktion gegen Bin Laden genutzt worden, um Präsident Barack Obama und seinem Sicherheitsteam Aufnahmen des Einsatzes zu liefern. Bin Laden war bei einem US-Spezialeinsatz im Mai dieses Jahres in Pakistan getötet worden.

Nach Angaben der US-Luftwaffe ist die RQ-170 Sentinel ein unbemanntes Aufklärungs- und Beobachtungsflugzeug mit Tarnkappeneigenschaften. Die Spionage-Drohne wird von einem US-Stützpunkt in Nevada aus gesteuert. Hersteller ist die Rüstungsfirma Lockheed Martin.

Die USA setzen im Anti-Terror-Kampf ihre Drohnen auch zunehmend dazu ein, um mit ferngesteuerten Raketen Ziele zu treffen. Diese todbringenden Einsätze sorgen vor allem in Pakistan für schwere Proteste in der Bevölkerung.

Quelle:  Handelsblatt Online
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