_

Druck auf Eurozone wächst: "Show me your Money"

Quelle: Handelsblatt Online

Die starken Länder Europas sollten mehr für das Wachstum tun, mahnte IWF-Chefin Christine Lagarde auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Andere Teilnehmer befanden: Europa solle sich erst einmal selbst helfen.

Ein Kongressraum in Davos Quelle: AFP
Ein Kongressraum in Davos Quelle: AFP

Im traditionellen Ausblick für die Weltwirtschaft auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos forderten Vertreter von Ländern außerhalb der Euro-Zone ein schnelles und entschlossenes Handeln, um die europäische Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. "Jetzt ist die Zeit", sagte Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Sie nannte zwar Deutschland nicht beim Namen, ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass sie die Bundesrepublik zu jener "Hand voll Länder" zählt, die nach ihrer Ansicht finanziell stark genug sind, um mehr für das Wachstum zu tun. Nicht alle könnten das, man müsse deshalb immer die Lage der einzelnen Länder im Auge behalten.

Anzeige

Neben staatlichen Konjunkturhilfen forderte Lagarde auch, den finanziellen Schutzwall in der Euro-Zone zu erhöhen. Nur so sei es möglich, ein Überspringen des Krisenvirus auf weitere Länder zu verhindern und Vertrauen in die Finanzmärkte zurückzubringen. "Je größer der Schutzwall ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass wir ihn überhaupt nutzen müssen", sagte die Französin voraus. Der kanadische Notenbankchef Mark Carney hält die Mittel der beiden europäischen Rettungsfonds EFSF und ESM ebenfalls für nicht ausreichend.

Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Finanzminister Wolfgang Schäuble hatten zuvor bei ihren Auftritten in Davos die Hoffnungen auf zusätzliche Finanzhilfen aus Deutschland gedämpft. Dies wohl vor allem deshalb um den Reformdruck für Griechenland bei den Verhandlungen über eine Umschuldung aufrechtzuerhalten.

Der britische Schatzkanzler George Osborne forderte die Euro-Länder auf, schnell eine Lösung mit Athen zu finden. "Hier wedelt der Schwanz mit dem Hund", sagte der Brite in Anspielung auf die geringe wirtschaftliche Bedeutung Griechenlands. Auch Donald Tsang, Verwaltungschef von Hongkong, drückte aufs Tempo. Noch nie sei er in seiner beruflichen Karriere so in Sorge um die Weltwirtschaft gewesen, sagte der Chinese. Und das, obwohl es Schwellenländern wie China mit voraussichtlichen Wachstumsraten von rund acht Prozent noch gut gehe. Einig waren sich die Politiker jedoch, dass kein Land auf der Welt gegen die Folgen der Euro-Krise immun sei.

Tsang drückte zudem das Unverständnis in vielen Emerging Markets darüber aus, dass die Europäer die bittere Medizin der Strukturreformen nicht schlucken wollten. Weltbank-Präsident Bob Zoellick sprach gar von "Verachtung", mit der viele Politiker aus den Schwellenländern inzwischen auf das mangelhafte Krisenmanagement Europas schauten. Tsang erinnerte daran, dass Asien nach der Finanzkrise Ende der 90er Jahre ebenfalls harte Maßnahmen ergreifen musste, um wieder auf die Füße zu kommen. "Die Europäer sollten mehr mit den Asiaten reden", hatte Stephen Roach, der frühere Asien-Chef der amerikanischen Großbank Morgan Stanley, bereits zuvor geraten. Dort seien durch die Reformen selbst Länder wieder wettbewerbsfähig geworden, von denen man es nie erwartet hätte.

Der Unmut außerhalb Europas könnte es den Euro-Ländern erschweren, beim IWF zusätzliche Hilfen für die Schuldenländer locker zu machen. Zwar warb Lagarde für internationale Solidarität und hielt symbolisch ihre Handtasche hoch, um mehr Finanzmittel einzusammeln. Doch sowohl der Brite Osborne als auch seine Kollege Motohisa Furukawa aus Japan betonten, dass Europa sich zunächst einmal selbst helfen müsse. Erst dann seien andere Nationen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) bereit, ihre Brieftasche zu öffnen. "Zeigt uns erstmal die Farbe eures Geldes", forderte der Brite seine EU-Partner auf.

weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.