Druck auf Obama wächst: Weiterer US-Journalist im Irak enthauptet

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Druck auf Obama wächst: Weiterer US-Journalist im Irak enthauptet

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Der vor einem Jahr entführte Reporter Sotloff soll vor laufender Kamera getötet worden sein.

Die Terrormiliz IS macht ihre grausige Ankündigung wahr. Nach dem Reporter James Foley enthauptet sie offenbar einen zweiten Amerikaner. Jetzt ist ein Brite in Todesgefahr.

Die mutmaßliche Enthauptung eines weiteren amerikanischen Journalisten durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) löst weltweites Entsetzen aus. Der britische Premier David Cameron sprach von einem „verachtenswerten und barbarischen Mord“. Der französische Präsident François Hollande meinte, die Tat beweise den „schändlichen Charakter der Dschihadisten-Organisation, die die Freiheit infrage stellt und nur den Terror kennt.“ Allerdings wiesen beide ausdrücklich darauf hin, dass es noch keine abschließenden Beweise gebe.

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Der vor einem Jahr in Syrien entführte Reporter Steven Sotloff (31) soll aus Rache für die US-Luftangriffe im Irak vor laufender Kamera getötet worden sein, berichtete das US-Forschungsinstitut Site. Es beruft sich dabei auf ein Internet-Video, das die IS ins Netz gestellt habe. Das Institut verfolgt weltweit die Aktivitäten von Terrororganisationen. Die IS-Miliz droht demnach, als nächstes eine britische Geisel umzubringen. Erst vor knapp zwei Wochen hatten die Extremisten, die weite Landstriche in Syrien und im Irak beherrschen, bereits den US-Journalisten James Foley enthauptet.

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Die internationale Journalistenorganisation Committee to Protect Journalists (CPJ) forderte eine Bestrafung der Täter. Die Ermordungen Foleys und Sotloff „waren Kriegsverbrechen, und diejenigen, die sie begangen haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, teilte sie mit. Sie betonte, Sotloff und Foley „waren Zivilisten, keine Repräsentanten irgendeiner Regierung“.

Unklar war zunächst, wie die USA und die internationale Gemeinschaft auf das mutmaßliche Verbrechen reagiert. US-Präsident Barack Obama sagte zunächst nichts. Er flog kurz nach der Nachricht zu einem Besuch ins Baltikum. Anschließend ist er beim Nato-Gipfel in Wales, wo der Kampf gegen den Terrorismus ebenfalls zur Sprache kommen dürfte. Cameron kündigte für diesen Mittwoch Beratungen mit seinen Sicherheitsexperten an.

Das Institut Site veröffentlichte eine Mitschrift des Videos. Demnach richtete der mutmaßliche Täter mit gezücktem Messer eine Warnung direkt an Obama, die Militärangriffe im Irak gegen den IS zu unterlassen: „Ich bin zurück, Obama. Und ich bin zurück wegen Deiner arroganten Außenpolitik gegenüber dem Islamischen Staat“, sagt er demnach.

Diese Waffen liefert Deutschland in den Nordirak

  • Sturmgewehr G3

    Das G3 kann Ziele in bis zu 300 Metern Entfernung treffen, mit Zielfernrohr reicht es bis zu 600 Meter weit. Der automatische Rückstoßlader wird von allen Truppenteilen des Heeres genutzt.

  • Sturmgewehr G6

    Das G6 soll nach Angaben der Bundeswehr „überraschend auftauchende Ziele reaktionsschnell“ bekämpfen. Es zeichne sich durch seine einfache Bauweise aus, heißt es.

  • Maschinengewehr MG3

    Das MG3 gilt als „schwere Waffe“ und wird unter anderem zur Abwehr gegnerischer Flugzeuge eingesetzt. Es kommt auch an Bord von Kampfpanzern oder Hubschraubern zum Einsatz.

  • Pistole P1

    Die P1 dient „zur Selbstverteidigung im Nahkampf“ und wird vor allem von Sanitäts- und Führungspersonal genutzt. Mittlerweile wurde sie in vielen Bereichen vom Modell P8 abgelöst.

  • Panzerabwehrwaffe "Milan"

    Die tragbare Panzerabwehrwaffe "Milan" kann gepanzerte Fahrzeuge in einer Entfernung von 300 Metern bis zu fast zwei Kilometern zerstören. Der mit einem Gefechtskopf bestückte Flugkörper durchschlägt bis zu 70 Zentimeter dicken Panzerstahl.

  • Panzerfaust 3

    Die Panzerfaust 3 zerstört leicht gepanzerte Fahrzeuge oder Bunker. Die Waffe kann aus geschlossenen Räumen heraus abgefeuert werden und kommt auch in der Schweiz und den Niederlanden zum Einsatz.

  • Schwere Panzerfaust

    Die schweren Panzerfäuste der Bundeswehr werden seit Mitte der 1990er Jahre nur noch für Leuchtmunition genutzt und daher auch als „Leuchtbüchsen“ bezeichnet. Sie leuchten das Gelände in einem Radius von etwa 400 Metern aus.

  • Signalpistole

    Signalpistolen gehören unter anderem zur Ausstattung von Gruppen- und Zugführern. Damit werden Leucht- und Signalmunition sowie Rauch- und Knallpatronen abgefeuert.

  • Handgranate DM51

    Die DM51 gibt es seit 1974 in der Bundeswehr. Sie wiegt 450 Gramm und beinhaltet rund 5700 Stahlkugeln. Ihr Wirkradius beträgt bis zu 20 Meter.

„So wie Deine Raketen weiterhin unsere Leute treffen, wird unser Messer weiter die Nacken Deiner Bürger treffen.“ Der IS-Kämpfer warnt sämtliche Regierungen, sich nicht auf eine „böse Allianz“ mit Amerika einzulassen.

Zudem ist ein Mann zu sehen, der sich als Steven Sotloff vorstellt. „Ich bin mir sicher, ihr wisst wer ich bin“, sagt er. „Und ihr wisst, warum ich hier zu sehen bin.“ Das knapp dreiminütige Video trägt den Titel „Eine zweite Nachricht an Amerika“.

Nach Angaben des Instituts ist derselbe schwarz vermummte IS-Kämpfer auf dem Video zu sehen, der auch bei Foleys Tod dabei war. Zugleich drohten die Milizen mit dem Tod einer britischen Geisel, die ebenfalls gezeigt wurde.

Echtheit des Videos noch nicht bestätigt

Sotloff, der seit Jahren für diverser US-Medien an Krisenplätzen in Nahost arbeitete, wird seit August 2013 in Syrien vermisst. Er war auch kurz auf dem Video der Enthauptung Foleys zu sehen, das weltweit Entsetzen ausgelöst hatte. Damals hatte die Miliz bereits mit seinem Tod gedroht. Das Weiße Haus wollte am Dienstag die Berichte über Sotloffs Tod zunächst nicht bestätigen. Obamas Sprecher Josh Earnest sagte, die USA hätten viel Zeit und Ressourcen aufgewendet, um Sotloff aus der Geiselhaft zu befreien. Eine Kommandoaktion in Syrien war aber gescheitert. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, nannte die Berichte über Sotloffs Tod entsetzlich. Die Authentizität des Videos werde schnellstmöglich überprüft. Sollten sich die Angaben bestätigen, würden die USA die Tat als Terrorakt betrachten.

„Wir wollen die IS natürlich vernichten“, sagte Psaki. „Aber dies ist keine Anstrengung, die über Nacht gelingt“, fügte sie hinzu. In Washington mehren sich unterdessen Forderungen, dass die US-Militärs ihre Luftschläge gegen IS-Stellungen auch nach Syrien ausweiten sollen. Doch darüber hat Obama noch nicht entschieden. Bisher flogen US-Kampfjets über 100 Einsätze gegen US-Stellungen im Irak.

Insgesamt dauerte das Video knapp drei Minuten (2:46). Es wurde vor allem auf dem russischen sozialen Netzwerk VK von Anhängern des IS geteilt. Die russische Seiten nutzen Dschihadisten in den vergangenen Wochen vermehrt, seit westliche Netzwerke wie Twitter und Facebook extremistische Inhalte schnell löschen. So war eine Youtube-Version des jüngsten Videos nur wenige Minuten online.

Sotloffs Familie wollte sich nicht äußern. Ein Sprecher der Familie sagte laut US-Medien, die Familie sei über die „fürchterliche Tragödie“ informiert. Sie trauere in aller Stille. Noch vergangene Woche hatte Sotloffs Mutter eine emotionale Videobotschaft an dessen Entführer veröffentlicht und um Gnade für ihren Sohn gebeten.

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Die USA schicken weitere 400 Soldaten in den Irak. Davon sollten 350 den Schutz der US-Botschaft in Bagdad verstärken, teilte John Kirby, Sprecher des Verteidigungsministeriums, am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Insgesamt seien damit 820 Mann für den Schutz der Botschaftsgebäude abgestellt. Rund 50 Soldaten, die derzeit in Bagdad seien, würden in anderen Ländern der Region stationiert, sagte Kirby. Er nannte keine Einzelheiten.

Bereits vor Wochen hatte Präsident Barack Obama angesichts des Vormarsches der Milizen Islamischer Staat (IS) mehrere Hundert Soldaten in den Irak geschickt. Die Regierung in Washington betont, es kämen keine Kampftruppen in den Irak.

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