Dubai-Crash: In Dubai kehrt der Optimusmus zurück

Dubai-Crash: In Dubai kehrt der Optimusmus zurück

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United Arab Emirates President Sheikh Khalifa bin Zayed al-Nahyan

von Hans Jakob Ginsburg

Ein Jahr nach der Beinahe-Pleite seiner Staatsholding kehrt der Optimismus zurück. Doch der große Boom bleibt ein Traum.

Kurz vor dem ersten Jahrestag des Dubai-Crashs eröffnet der französische Konzern Accor ein Hotel in Dubai. Das neue Pullman-Hotel mit 481 Zimmern auf 24 Stockwerken ist ganz offiziell ein Viersternehotel. Keine fünf, wie bei den nicht mehr ganz ausgelasteten 250 Wettbewerbern, schon gar keine sieben wie beim legendären Prestigeobjekt Burj al-Arab. Der Stern weniger beim neuen Riesenhotel zeigt, dass sich Dubai von dem großen Absturz infolge der Krise der Staatsholding Dubai World vor einem Jahr noch immer nicht erholt hat. Erneut geriet jetzt mit der Dubai Holding ein Staatsunternehmen in Turbulenzen. Zwei Milliarden Dollar pumpte das Emirat in das strauchelnde Unternehmen.

Der Schock war nicht ganz so groß wie vor einem Jahr. Da führte erst die weltweite Krise zum Schwund der Bankeinlagen aus den Nachbarländern, worauf der Abzug einiger Banken folgte und dann das Platzen der absurden Immobilienblase. Das brachte den Konzern Dubai World an den Rand der Pleite. Das Multi-Unternehmen im Besitz der Herrscherfamilie musste die Rückzahlung gewaltiger Verbindlichkeiten aussetzen. Am Ende ging es darum, die Einwilligung der Gläubiger zur Umstrukturierung von Schulden in Höhe von 24,9 Milliarden Dollar zu erreichen. Jetzt macht das Emirat weiter, aber alles ist eine Nummer kleiner geworden.

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Noch immer kommen Touristen, aber die achten ganz anders als früher aufs Geld. Englische und saudi-arabische, iranische und deutsche Gäste scheinen keine Lust mehr zu haben, mehrere Hundert Dollar die Nacht dafür zu bezahlen, dass es in ihrem Hotel einen Ballsaal gibt und ein Eiscafé mit aus Rom importiertem Konditor. Auch Geschäftsreisende sparen sich das Geld für Hotelzimmer mit Schreibtischen oder Gebetsteppichen, die in ihren heimischen Bürohäusern nicht durch die Eingangstür passen würden.

Dubai passt sich an. An das veränderte weltwirtschaftliche Klima sowieso und an das abrupte Ende vom Traum eines grenzenlosen Booms.

Vormacht Abu Dhabi

Zu verdanken ist das gemächlichere Weiter-So auch Dubais Nachbaremirat. Abu Dhabi, das reichste der sieben Emirate, hat mehr als ein Jahrzehnt lang seine gigantischen Öleinnahmen weltweit klug angelegt und verzeichnet ein stetes Wachstum. In der Krise vor einem Jahr hat Abu Dhabis Herrscher Khalifa bin Zayed al-Nahyan Dubai zu einer Art Vasallen gemacht. Keiner gibt es zu, aber alle wissen, dass Abu Dhabi die Dubaier Herrscherfamilie vor dem Ruin gerettet hat. Das sichtbarste Zeichen dafür ist 828 Meter hoch und steht mitten in Dubai: das höchste Gebäude der Welt, mit offiziellem Namen Burj Khalifa – „Khalifas Turm“. Der Name sagt alles, und dass der Dubaier Herrscher Mohammed bin Raschid al-Maktoum immer noch Besitzer des gewaltigen Hochhauses sein darf, wird ihn nicht so besonders trösten. Denn 40 Prozent der Immobilien stehen in Dubai leer. Von den 900 Luxuswohnungen im Khalifa-Turm standen im Oktober nach einem Bericht der Zeitung „Gulf News“ 825 leer.

Umso besser läuft es beim reichen Patron. So soll sich die Bevölkerung der Stadt Abu Dhabi von derzeit knapp einer Million in den kommenden drei Jahrzehnten vor allem durch Zuwanderung vervier-fachen, eine Dependance des Pariser Louvre soll Museumstouristen anlocken und eine neue, ganz nach ökologischen Grundsätzen konstruierte Großstadt das heutige Ölscheichtum zum Mekka der Umwelt- und Klimaschützer aus aller Welt machen.

Der Ehrgeiz von Abu Dhabis Herrscher erinnert zwar unangenehm an die Sprüche der Dubaier Machthaber und Propagandisten vor der großen Krise. Weil Abu Dhabi aber im Gegensatz zu Dubai auf gewaltigen Ölreserven sitzt – den sechstgrößten weltweit –, erscheinen die Pläne keineswegs weltfremd.

Dennoch müssen die Emiratis zum ersten Mal seit vielen Jahren sparen. Der zusammengebrochene Dubaier Immobilienmarkt hat in erster Linie damit zu tun, dass bis zum Ausbruch der Krise weit mehr als 80 Prozent der Einwohner Ausländer waren – nicht nur die vielen Bauarbeiter aus Indien und Pakistan, sondern auch alle möglichen Fachleute von den Bautechnikern bis hinauf zu Ärzten, Professoren, Top-Managern aus arabischen Staaten, aus Asien und vielen europäischen Ländern – 2008 zählte die deutsche Botschaft 12 000 Landsleute in den Emiraten, die meisten in Dubai.

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