Edward Snowden: Der Whistleblower hofft auf eine Heimkehr

Edward Snowden: Der Whistleblower hofft auf eine Heimkehr

, aktualisiert 14. September 2016, 21:25 Uhr
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Anthony Romero (ACLU), Dinah ProKempner (Human Rights Watch), Naureen Shah (Amnesty International) und Ben Wizner, Snowdens Anwalt (v.l.)

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Drei große Bürgerrechtsorganisationen starten eine Kampagne zu Begnadigung des weltweit meistgesuchten Whistleblowers. Er selbst gibt sich als Schützer der amerikanischen Freiheit. Der Termin ist bewusst gegen Ende von Barack Obamas Amtszeit und kurz vor Start eines Films über Snowden gewählt.

So kennt man ihn: schmales Gesicht, dünnrandige Brille, dünner Bart, stoischer Gesichtsausdruck, leise, eindringliche Stimme und eine geschliffene Ausdrucksweise, die auch zu einem Professor in Oxford passen würde. Derart tritt Edward Snowden bei einer Pressekonferenz zum Start einer Kampagne auf, mit der die Amerikanische Union für Bürgerrechte (ACLU), Human Rights Watch, Amnesty International und sein Anwalt Ben Wizner US-Präsident Barack Obama zu einer Begnadigung des meistgesuchten Whistleblowers der Welt bringen wollen.

„Es geht nicht um mich, sondern um uns“, sagt Snowden, der noch unkörperlicher dadurch wirkt, dass er wie üblich per Bildschirm aus seinem russischen Exil eingeblendet wird. Er will sich für die Rechte aller einsetzen, die wie er schmutzige Geheimnisse verraten. „Wenn wir in den nächsten 100 Jahren eine freie Gesellschaft bleiben wollen, dann müssen Whistleblower auch künftig handeln können und sich dabei sicher fühlen“, sagt der Mann, der 2013 die umfangreiche Bespitzelung der Bürger durch den US-Geheimdienst NSA aufgedeckt hat. Seiner Meinung nach ist die Zusammenarbeit von Whistleblowern mit Journalisten die „letzte Verteidigungslinie“ zum Schutz der Freiheit, wenn alle anderen Mittel nicht mehr ausreichen.

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Snowden hatte 2006 seine Karriere bei der CIA begonnen. „Ich habe damals einen Eid geschworen, die Verfassung gegen äußere und innere Feinde zu verteidigen“, sagt er. Er sieht seinen Geheimnisverrat als einen Akt an, die von der Verfassung garantierten Bürgerrechte zu schützen. „Geheimhaltung war nicht Teil des Eids“, erzählt er, „dafür gab es eine Vereinbarung auf einem separaten Formblatt“. Er beruft sich auf die Gründungsväter der USA und deren Idee von „checks and balances“ für die staatliche Macht.

Snowden zeigt sich ganz als Patriot: „Ich liebe mein Land“, sagt er. Er würde gerne in die USA zurückkehren, sieht aber keine Chance auf einen fairen Prozess. „Das US-Recht unterscheidet nicht zwischen einem Whistleblower, der die Öffentlichkeit informiert, und einem Spion, der zu eigenem Nutzen mit feindlichen Mächten zusammenarbeitet“, sagt er. „Würde ich für lange Jahre ins Gefängnis gehen, dann hätte das enorm abschreckende Wirkung auf andere Whistleblower“, sagt er, um zu begründen, dass es nicht um ihn allein geht. Bei aller Nüchternheit seiner Ausstrahlung fällt es ihm mitunter schwer, Sätze zu beenden. Zum Beispiel, wenn er sich bei seinen Unterstützern bedankt. „Ich hätte vor drei Jahren in meinen wildesten Träumen nicht mit so einer Welle an Solidarität gerechnet“, sagt er.

Die Betreiber der Kampagne haben den Termin bewusst gewählt. Anthony Romero von der ACLU verweist darauf, dass Präsidenten in ihren letzten Monaten vor Ablauf der Dienstzeit eher Gnadengesuche unterschreiben. Als Argumente für das Gesuch führt er an, dass einige der von Snowden aufgedeckten Praktiken inzwischen eingestellt oder wenigstens eingeschränkt wurden. Er weist auch darauf hin, dass Snowden seine Geheimnisse nicht einfach ins Internet gestellt, sondern Journalisten übergeben hat, die sie nach sorgfältiger Prüfung veröffentlicht haben. Dass in dieser Woche ein Film über Snowden startet, passt auch zum Termin.

Dinah ProKempner spricht für Human Rights Watch und hofft, dass Snowden heimkommt, „damit er uns alle beschützen kann“. Naureen Shah von Amnesty International erinnert daran, dass „Leute, die für Folter und Tötungen per Drohnen verantwortlich sind“, nicht behelligt werden, während jemand, „der die Wahrheit sagt“, im Exil leben muss.

„Stimmen Sie zu, dass Russland für Sie zurzeit das sicherste Land ist?“ will ein russischer Reporter wissen. Snowden weicht aus. „Ich habe mir das nicht ausgesucht, ich wollte zunächst nach Lateinamerika“, sagt er. Er war 2013 zunächst nach Hongkong geflohen. Dort gab er seine Geheimnisse preis. Danach tauchte für zwei Wochen bei Flüchtlingsfamilien unter, wie sein Anwalt in Hongkong vor kurzem dem Handelsblatt erzählte. Weil er sonst nirgendwo unterkam, suchte er schließlich Asyl in Moskau.

Dort lebt er im Exil und hofft auf eine Heimkehr in Freiheit. Ob Obama tatsächlich das Gnadengesuch unterschreibt gilt allerdings als höchst zweifelhaft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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