EFSF-Hebel: Wilde Konstruktion

EFSF-Hebel: Wilde Konstruktion

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Euromünzen

von Malte Fischer

Zweckgesellschaften und Hebel waren nach der Bankenkrise verpönt. Der Euro-Rettungsschirm nutzt sie – und so funktioniert’s.

Doppelt gemoppelt hält besser. Nach diesem Motto wollen die Regierungen die Feuerkraft des Euro-Rettungsschirms EFSF (European Financial Stability Facility) mit zwei Modellen massiv erhöhen. Mit dem aktuellen Garantierahmen von 780 Milliarden Euro, hinter dem die Steuerzahler der Euro-Länder stehen, kann die EFSF lediglich Hilfskredite für 440 Milliarden Euro vergeben. Zu wenig, um neben Griechenland, Irland und Portugal auch noch Spanien und Italien für mehrere Jahre finanziell durchzufüttern. Daher soll die EFSF gehebelt werden. Statt selbst Anleihen der Krisenländer Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien (PIIGS) zu kaufen, soll der Schirm einen Teil seiner Mittel darauf verwenden, durch eine Ausfallversicherung für PIIGS-Anleihen Investoren für diese Papiere zu gewinnen. Berücksichtigt man die von der EFSF bereits zugesagten Hilfskredite und die für die Bankenrekapitalisierung benötigten Gelder, verbleiben ihr noch 200 bis 250 Milliarden Euro für Hebelgeschäfte.

Grafik EFSF-Hebel

Grafik EFSF-Hebel

Versichert sie damit einen Anteil von 20 bis 25 Prozent des Nennbetrags der Neuemissionen von PIIGS-Ländern, reichen die Mittel, um insgesamt ein Anleihevolumen von einer Billion Euro abzusichern. Dabei stehen zwei Modellvarianten zur Diskussion, die nebeneinander betrieben werden sollen. Modell Nummer eins sieht vor, dass die EFSF dem Krisenland einen Kredit gibt, mit dem das Land EFSF-Anleihen kauft, die wegen ihres AAA-Ratings als sichere Anlage gelten.

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Sichere Anlage

Die Anleihen werden bei einem Treuhandfonds hinterlegt und dienen als Deckungsstock für die Kreditversicherung. Im Gegenzug erhält das Krisenland vom Treuhandfonds Versicherungsscheine, mit dem es seine Anleihe-Neuemissionen ausstattet, um sie für Investoren attraktiver zu machen. Ist das Krisenland nicht in der Lage, seine Anleihen zu bedienen, erhält der Investor gegen Vorlage der Versicherungsscheine die EFSF-Anleihen vom Treuhandfonds als Entschädigung. Verlierer bei dem Spiel sind die EFSF beziehungsweise die hinter ihr stehenden Steuerzahler, da der Kredit an das Krisenland für den Kauf der EFSF-Anleihen verloren ist.

EFSF übernimmt Ausfallrisiko

Weil dieses Modell nur für Neuemission gilt und Eigentümer von Altanleihen benachteiligt, soll ein zweites Modell auf den Weg gebracht werden. Es sieht vor, eine Zweckgesellschaft – Special Purpose Investment Vehicle (SPIV) – zu errichten. Deren Aufgabe ist es, von privaten und staatlichen Investoren aus der ganzen Welt sowie von der EFSF Geld einzusammeln, um Altanleihen und Neuemissionen von Krisenländern zu kaufen. Anleger, die Geld in die Zweckgesellschaft einzahlen, erhalten im Gegenzug Anteilsscheine an der Gesellschaft, die in einzelne, unterschiedlich verzinste, Tranchen aufgespalten werden. Die erstrangigen Tranchen richten sich an konservative Investoren, die hohen Wert auf Sicherheit legen. Die mittleren Tranchen sollen an Risikokapitalgeber und Staatsfonds gehen. Die nachrangigen Tranchen mit dem höchsten Ausfallrisiko übernimmt die EFSF. Kann das Krisenland seine Anleihen nicht bedienen, muss zuerst die EFSF auf ihre Ansprüche verzichten.

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