Einblick: Ein Märchen für Ivanka Trump?

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Die Innovationsschwäche des Mittelstands ist ein Alarmzeichen.

Kolumne von Beat Balzli

Die Innovationsschwäche des Mittelstands ist ein Alarmzeichen. Es braucht jetzt mehr als hektisch gebastelte Regierungsprogramme.

Es ist die Erfolgsgeschichte schlechthin. Manager kriegen glänzende Augen, wenn sie davon erzählen. Von diesem Land, das man schon das „China Europas“ nennt. Das bereits Belgien überholt hat und auf Platz 17 der weltgrößten Ökonomien liegt. Vor allem im Informationstechnologie-Sektor liege die Zukunft, meint der Präsident der Handelskammer. Das größte Kapital im IT-Bereich seien „junge, gut ausgebildete und gegenüber technologischen Neuerungen aufgeschlossene Arbeitskräfte“. Staaten wie Indien, Israel oder Malaysia scheinen auf diesem Gebiet in Griffnähe zu sein. „Mit der richtigen Strategie und Weichenstellung werden wir diese Länder überholen“, glaubt er. Und sowieso läuft alles super. Tchibo ist ja auch schon da.

Es ist die Erfolgsgeschichte des Partnerlandes der Hannover Messe, wie man sie sich im April 2007 erzählt hat. Zehn Jahre später wirkt die Türkei wie ausgewechselt. Der Boom am Bosporus musste einer Herrschaft der Angst weichen. Präsident Recep Tayyip Erdoğan opferte ihn für die Verwirklichung seiner Allmachtsfantasien. Mit dem knapp gewonnenen Referendum schwingt er sich zum Alleinherrscher auf, der sein Land weiter in die Isolation treibt.

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Der Fall der Türkei zeigt besonders krass, was es bedeutet, wenn die richtigen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft nicht mehr existieren. Diese scheinbar leere Worthülse, mit der unzählige Redner ihre Zuhörer schon langweilten, füllt sich plötzlich mit Leben. Nichts schmilzt so schnell wie ein Vorsprung. Erdoğan entfernt sich jetzt noch weiter weg von Investoren und Handelspartnern. Bereits im vergangenen Jahr brachen die ausländischen Direktinvestitionen um knapp ein Drittel ein. Der Trend dürfte sich fortsetzen.

Das hat auch mit deutschen Mittelständlern zu tun, die sich jetzt verabschieden. Mit schlechten Rahmenbedingungen kennen sie sich aus. Die Türkei ist zwar einer der extremsten Fälle, aber längst nicht der einzige. Auch zu Hause liegt einiges im Argen. Bereits heute schwindet dort der Erfindergeist. Laut dem jüngsten Innovationsbericht der KfW hat sich der Anteil der innovativen Unternehmen im deutschen Mittelstand seit 2004 nahezu halbiert. Mit ein paar Hundert Millionen für die Forschung, Steuererleichterungen und einer Denkfabrik nach US-Vorbild will das SPD-geführte Wirtschaftsministerium nun gegensteuern.

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Doch das klingt eher nach einem hektisch gebastelten Wahlgeschenk als nach einem großen Konzept. Fundamentale Probleme werden damit nicht gelöst – allen voran der Fachkräftemangel. Solange das Bildungssystem mit der Inflation an Einser-Noten im Abitur und beim Uniabschluss den unproduktiven Akademisierungswahn fördert, wirkt die Berufslehre als Leben zweiter Klasse. Das muss sich dringend ändern. Das duale Bildungssystem ist nämlich die Erfolgsgeschichte schlechthin, die die Kanzlerin nächste Woche auch der Tochter des US-Präsidenten Ivanka Trump bei ihrem Besuch in Deutschland erzählen will.

Man sollte alles dafür tun, dass sich die Geschichte nicht als Märchen entpuppt – und auch noch in zehn Jahren stimmt.

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