Nato-Gipfel: Trump geht auf Konfrontationskurs zu Partnern

Eklat beim Gipfel: Trump geht auf Konfrontationskurs zu Nato-Partnern

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Nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump schulden viele Mitgliedsstaaten der Nato "riesige Summen von Geld" den US-Steuerzahlern. Die Verbündeten sehen jedoch Differenzen.

Alle Zugeständnisse waren offensichtlich umsonst: Bei seinem ersten Nato-Gipfel denkt US-Präsident Trump gar nicht daran, den netten Verbündeten zu spielen.

US-Präsident Donald Trump hat mit aggressiver Kritik an Bündnispartnern wie Deutschland für einen Eklat beim Nato-Gipfel gesorgt. Der Amerikaner nutzte sein Grußwort zu einer feierlichen Denkmalenthüllung, um mit dem vermeintlich unzureichenden militärischen Engagement von Alliierten abzurechnen. „23 der 28 Mitgliedsstaaten zahlen immer noch nicht das, was sie zahlen sollten - und was sie für ihre Verteidigung ausgeben sollten“, sagte er am Donnerstag in Brüssel. Die mangelnde Beteiligung vieler Staaten sei „nicht fair“ gegenüber den amerikanischen Steuerzahlern.

Mit seiner Rede verstieß Trump gegen die ungeschriebene Nato-Regel, bei Spitzentreffen zumindest öffentlich Geschlossenheit zu demonstrieren. Bemerkenswert war dies vor allem deswegen, weil die Bündnispartner den USA zuvor deutlich entgegengekommen waren.

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Zum Gipfel wurden der von den USA lange geforderte Beitritt des Bündnisses zur internationalen Allianz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat und ein Aktionsplan für den Anti-Terror-Kampf beschlossen. Zudem verpflichteten sich die Bündnispartner, künftig jährlich Pläne vorzulegen, wie sie ihre Verteidigungsausgaben erhöhen wollen.

Wie der Streit zwischen Trump und Ländern wie Deutschland weitergeht, ist völlig unklar. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reiste am Abend vom Gipfel ab, ohne öffentlich zur Rede von Trump Stellung zu nehmen. Am Nachmittag hatte sie jedoch unmissverständlich zu Verstehen gegeben, dass sie keinen Handlungsbedarf beim Thema Verteidigungsausgaben sieht. Das Engagement Deutschlands innerhalb der Nato könne sich „sehen lassen“, sagte sie.

Wie wichtig die USA für die deutsche Wirtschaft sind

  • Handel

    2015 wurden die USA der wichtigste Exportkunde der deutschen Unternehmen, nachdem über mehr als sechs Jahrzehnte Frankreich diese Position innehielt. 2016 behaupteten die Vereinigten Staaten ihre Spitzenposition: Waren im Wert von rund 107 Milliarden Euro wurden damals dorthin verkauft - vor allem Fahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte. Das entspricht einem Anteil von etwa zehn Prozent an den gesamten Ausfuhren. Umgekehrt importierte Deutschland Waren im Wert von knapp 58 Milliarden Euro aus den USA, was sechs Prozent aller deutschen Einfuhren entspricht.

  • Jobs

    Mehr als eine Million Jobs in Deutschland hängen direkt oder indirekt von den Exporten in die USA ab. Weitere 630.000 Arbeitsplätze gibt es in Betrieben, die von US-Firmen kontrolliert werden. Allein McDonald's Deutschland zählt etwa 58.000 Mitarbeiter, der Personaldienstleister Manpower 27.000 und die Ford-Werke gut 25.000.

    Umgekehrt schaffen deutsche Unternehmen in den USA ebenfalls Hunderttausende Stellen. Zu den größten deutschen Arbeitgebern dort gehören die Deutsche-Post-Tochter DHL mit rund 77.000 Beschäftigten, Siemens (50.000) und Volkswagen (60.000).

  • Investitionen

    Die deutschen Unternehmen haben mehr als 271 Milliarden Euro an Direktinvestitionen in den USA - etwa Fabriken und Immobilien. Mehr als 3700 Unternehmen sind in den Vereinigten Staaten tätig. Allein die 50 größten deutschen Firmen dort kommen auf einen Jahresumsatz von 400 Milliarden Dollar.

    Auch US-Unternehmen haben erhebliche Beträge in Deutschland investiert: Der Bestand summiert sich auf rund 27 Milliarden Euro. 2015 wurden 252 neue Projekte hierzulande von US-Firmen gestartet, von Neuansiedlungen auf der grünen Wiese über Erweiterungen bis hin zu Standortwechseln. Nur chinesische Unternehmen waren aktiver. Die 50 größten US-Unternehmen kommen in Deutschland auf einen Jahresumsatz von rund 170 Milliarden Euro.

Merkel verwies zudem darauf, dass Deutschland weiter zum sogenannten Zwei-Prozent-Ziel der Nato stehe. Dieses sieht vor, dass alle Länder darauf „abzielen“ sollen, spätestens von 2024 an zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Rüstung und Militär auszugeben. Für die Bundesregierung bedeutet dies allerdings nicht, dass die zwei Prozent im nächsten Jahrzehnt wirklich erreicht werden müssen.

Trump sieht das völlig anders. Selbst „zwei Prozent des BIP“ seien nicht ausreichend, um die bestehenden Lücken zu schließen, etwa bei Einsatzbereitschaft und Ausbildung, sagte er. Sein eigenes Land gab im vergangenen Jahr knapp 680 Milliarden Dollar für Verteidigung aus, was in etwa 3,6 Prozent des BIP entsprach. Die USA steckten damit soviel Geld in Verteidigung wie kein anderes Land auf der Welt.

Deutschland liegt derzeit trotz deutlich steigender Aufwendungen nur bei etwa 1,23 Prozent des BIP. Die Bundesregierung verweist allerdings darauf, dass Deutschland dieses Jahr voraussichtlich 39,5 Milliarden Euro für Verteidigung ausgeben werde. Dies entspreche einer Steigerung um 13,8 Prozent im Vergleich zu 2014.

Umfrage Die Nato findet man gut, für sie zu kämpfen nicht

Die westliche Militärallianz wird von den Bevölkerungen für gut befunden. Aber die tatsächliche Verteidigungsbereitschaft ist gering, wie eine internationale Umfrage zeigt.

Die Meinung über das NATO-Bündnis liegt irgendwo zwischen Licht und Schatten. Quelle: REUTERS

Die Rede Trumps überschattete auch die Präsentation des neuen Nato-Hauptquartiers, das in den vergangenen Jahren für mehr als 1,1 Milliarden Euro gebaut worden war. Der US-Präsident hielt die Ansprache während der Enthüllung eines Denkmals, das an die Terroranschläge am 11. September 2001 erinnern soll. Merkel hatte zuvor ein Denkmal eingeweiht, das aus zwei Stücken der Berliner Mauer besteht. Es soll für die Überwindung von Diktatur und europäischer Teilung stehen.

Merkel hob in ihrem Grußwort die Bedeutung offener Gesellschaften hervor. Die Allianz sei sich einig in dem Vertrauen darauf, „dass nicht Abschottung und nicht Mauern erfolgreich sind, sondern offene Gesellschaften, die auf gemeinsamen Werten aufgebaut sind“, sagte sie. Zu Trumps wichtigsten Wahlversprechen gehörte eine Mauer an der US-Grenze zu Mexiko.

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US-Präsident: „Mit Trump kann es für Deutschland nur schlechter werden“ Quelle: AP

Als Schwerpunktthemen für die „Nato der Zukunft“ nannte Trump „Terrorismus und Migration“. Erst dann erwähnte er „Gefahren“, die von Russland und den Regionen an der Süd- und Ostflanke ausgingen. Wie sich die Nato beim Thema Einwanderung zum Nutzen der USA engagieren könnte, ließ er offen. Bislang unterstützt das transatlantische Militärbündnis lediglich die EU bei der Beobachtung von Flüchtlingsrouten durch das Mittelmeer.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg räumte nach Abschluss des Gipfels ein, das Trump „sehr deutlich“ geworden sei. Er zeigte sich aber überzeugt, dass an der Bündnistreue der USA nicht gezweifelt werden muss. Diese drücke sich nicht nur in Worten, sondern auch in Taten aus, sagte Stoltenberg. So habe die Trump-Regierung erst am Mittwoch beschlossen, die Verteidigungsausgaben für Operationen in Europa deutlich steigern.

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