Energie: Russisches Erdgas: Minikrise zum Sommeranfang

Energie: Russisches Erdgas: Minikrise zum Sommeranfang

Bild vergrößern

Gas

von Hans Jakob Ginsburg

Moskau drosselt seine Gaslieferungen nach Westen und dreht den Gashahn schnell wieder auf. Der bizarre Vorgang hat mit Russland und Erdgas wenig zu tun, ganz viel aber mit Erdöl und dem wirtschaftlich schwachen Transitland Weißrussland.

Ein paar Stunden lang sah es gestern so aus, als stehe uns mal wieder eine Gaskrise nach bekanntem Muster voraus: Der Staatsmonopolist Gazprom und sein Monopolstaat Russland streiten sich mit einem Transitland um unbezahlte Rechnungen, und Westeuropa darf um seine Energieversorgung bangen. Nur war der Gegner Moskaus diesmal nicht die Ukraine, sondern das viel kleinere Weißrussland.

Außerdem spielte der Konflikt nicht wie üblich in den kalten Tagen um Neujahr, sondern zum Sommeranfang. Und kaum waren die Krisenmeldungen zu uns gedrungen, wurde Entwarnung gegeben: Weißrusslands Herrscher Lukaschenko zahlt Moskau in den kommenden zwei Wochen die ausstehenden 192 Millionen Dollar, und die Russen drehen den Gashahn wieder voll auf.

Anzeige

Öl- statt Gaskonflikt

Gut für uns, gut für die Russen, schlecht für den Sowjet-Nostalgiker Lukaschenko. Nicht nur, weil der dreistellige Millionenbetrag für sein armes Land viel Geld ist. Sondern vor allem, weil er sich von einer anhaltenden Krise mit Moskau anhaltenden Gewinn versprochen hatte. Erst einmal, weil in so einem Konflikt manche Westeuropäer instinktiv Partei für den schwachen Gegner des unheimlichen Riesen Gasprom entwickeln – die mehrfachen Krisen um den Transport von russischem Gas durch die Ukraine nach Westen haben das in den vergangenen Jahren demonstriert.

Dann aber auch, weil aus Sicht der weißrussischen Führung ein Gaskonflikt Moskau lehren müsste, wie wichtig und unverzichtbar ihr Transitland ist. So wichtig und unverzichtbar, dass man dorthin alles Mögliche zu russischen Binnenmarktpreisen liefert und nicht zu Weltmarktpreisen. Vor allem Erdöl.

Beobachter meinen, dass der kurze Gaskonflikt in Wirklichkeit ein Ölkonflikt war: Bisher hat Weißrussland Erdöl in Russland sehr billig eingekauft, in staatseigenen Raffinerien verarbeitet und dann mit schönem Gewinn auf dem Weltmarkt abgesetzt. Für das ressourcenarme und rückständige Land machte der Export von Erdölprodukten bisher über ein Drittel des Exports aus. Ein Geschäftsmodell, das nur funktionierte, weil Moskau sich von dem Gas-Transitland Weißrussland abhängig fühlte.

Das ist nicht mehr der Fall: Zwischen Russland und dem anderen Transitland Ukraine ist nach dem Regierungswechsel in der Ukraine die große Freundschaft ausgebrochen. Und wenn die einmal enden sollte, wird die Pipeline durch die Ostsee nach Deutschland vermutlich längst fertig sein.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%