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Energie: Russland drosselt seine Rohölproduktion

von Florian Willershausen (Moskau)

Der Ölboom in Russland ist vorbei. Die Energiekonzerne reagieren auf die Krise mit Drosselung der Produktion.

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Um mehr als 77 Prozent ist der Moskauer Börsenindex seit seinem Höchststand vor einem halben Jahr zurückgegangen. Aus deutscher Sicht ist das vor allem ein Zeichen, wie schlimm es um die Wirtschaft des mit Abstand größten Energielieferanten steht.

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Ohne Energieexporte hätte es in Russland in den vergangenen Jahren keinen Aufschwung gegeben. 2007 förderte Russland 9,9 Millionen Barrel Öl pro Tag und exportierte davon 5,1 Millionen. Von Januar bis Oktober 2008 bestand der gesamte russische Export zu 69 Prozent aus Energieträgern.

Die schrumpfenden Erlöse für das Öl und das an den Ölpreis gekoppelte Gasgeschäft reduzieren zwar auch die Chancen der deutschen Exportwirtschaft, die nach China der zweitgrößte Handelspartner der Russen ist. Aber darüber hinaus muss Deutschland auch um Russland als Rohölquelle bangen.

Das hat mit der Finanznot des russischen Staates zu tun. Der Kreml erhebt derart hohe Exportsteuern, dass beim heutigen Barrelpreis Exporte aus Sicht von Rosneft, Lukoil und Kompanie zum Bilanzkiller werden.

Schon im vergangenen Jahr ist die Ölproduktion in Russland gesunken. Die Konzerne förderten nur noch gut 488 Millionen Tonnen – dreieinhalb Millionen weniger als im Vorjahr. Der Export ging um fast 17 Millionen auf 238 Millionen Tonnen zurück. Für 2009 rechnet das Wirtschaftsministerium mit noch einmal drei Millionen Tonnen weniger.

Jetzt hat die Regierung den Steuersatz gesenkt, um etwa 15 Prozent: Von Februar an müssen die Konzerne pro Barrel Rohöl umgerechnet 16,30 Dollar an den russischen Fiskus abführen. Doch „der Export von Rohöl ist für die Unternehmen nach wie vor nicht profitabel“, sagt Dmitrij Ljutjagin von der Investmentbank Veles Capital. Eine mögliche Folge: Die russischen Konzerne bieten auf dem Weltmarkt demnächst gar kein Rohöl mehr an, sondern nur noch Benzin und andere Derivate. Lukoil und Rosneft bauen jetzt schon ihre Kapazitäten im Bereich der Ölverarbeitung massiv aus. Während sich Rosneft auf den Kauf und Neubau von Raffinerien und Tankstellen auf dem Heimatmarkt Russland und in den ex-sowjetischen Nachbarländern konzentriert, hat Lukoil voriges Jahr Raffinerien in Serbien und Italien gekauft.

Für Russlands interne Probleme ist das wahrscheinlich nicht hilfreich. Für den deutschen Energieverbraucher auch nicht.

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