Energie: Russland will Gas-Bypass durch den Kaukasus verhindern

Energie: Russland will Gas-Bypass durch den Kaukasus verhindern

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Techniker beim Kontrollgang vor der Eröffnung der Gaspipeline "Blauer Strom", die Erdgas durch das Schwarze Meer transportiert

Westliche Energie-Multis laben sich an den Öl- und Gasquellen Zentralasiens. Europa plant neue Gas-Pipelines durch den Kaukasus. Russland sind sie ein Dorn im Auge. Denn damit wären die Europäer weniger auf russische Gaslieferungen angewiesen und könnten härter verhandeln.

BTC, BTE, Baku-Supsa, so heißen die Kaukasus-Pipelines, mit denen westliche Konzerne bereits jetzt Öl und Gas aus dem kaspischen Raum abziehen. Aber sie wollen mehr: Allein zwei neue Gaspipelines sind in Planung: Die Leitung White Stream, hinter der ein britisch-amerikanisch-georgisches Konsortium steht, und Nabucco, an der sich unter anderem der deutsche Energieversorger RWE beteiligen will.

Die Energie-Großmacht Russland verfolgt das Treiben westlicher Unternehmen im öl- und gasreichen Zentralasien mit wachsendem Argwohn. Im Transitland Georgien, durch das via Nabucco Gas aus dem Kaspischen Meer in den Westen fließen soll, hat sie ihre Macht im Sommer spektakulär zur Schau gestellt.

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Russlandexperten sahen den Feldzug gegen Georgien als eine Warnung gegen die rohstoffreichen, ehemaligen Sowjetrepubliken, sich allzu kokett dem Westen oder gar einer Nato-Mitgliedschaft anzunähern. Dass diesen Kanonendonner aus Georgien die von Amerikanern und Europäern umworbenen Petro-Staaten wie Aserbaidschan und Kasachstan vernommen haben, dürfte dem russischen Führungsduo Wladimir Putin und Dmitri Medwedew höchst willkommen gewesen sein.

Die politische Elite Moskaus betrachtet die Staaten an der Südflanke Russlands auch 17 Jahre nach Auflösung der Sowjetunion als Teil der russischen Hegemonialsphäre und des russischen Energiehaushalts. Turkmenisches Gas ist seit Jahren eine feste Größe in der vom Staatskonzern Gazprom dominierten russischen Energiewirtschaft.

Russland braucht das Gas selbst

Für den Leiter des Moskauer Instituts für Globalisierungsprobleme, Michail Deljagin, sind die neuen westeuropäischen Initiativen in Zentralasien deshalb nichts anderes als eine Bedrohung der russischen Energiesicherheit. Schon seit sechs Jahren sei Russland auf Gasimporte aus Turkmenistan angewiesen, sagt Deljagin. Wenn der Westen so weiter mache, drohe seiner Heimat „eine Energiekrise“. Viele in Russlands Machtzirkeln teilen seine Meinung.

Deljagins Warnung ist ernst zu nehmen. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur IEA investiert der staatlich kontrollierte russische Gaskonzern Gazprom viel zu wenig in neue Förderprojekte in Russland, so dass er den steigenden Binnenbedarf und die wachsende Auslandsnachfrage nicht mehr lange zuverlässig decken können wird. Russland importiert das turkmenische Gas, um seinen Heimatmarkt und die Ukraine versorgen zu können.

Der Westen hat die Energieressourcen Zentralasiens ebenfalls angezapft und leitet sie an Russland vorbei in seine Raffinerien: Eine Million Barrel Öl pro Tag fließen durch die 2005 eröffnete Baku-Tbilisi-Ceyhan-Pipeline (BTC) von Aserbaidschan durch Georgien bis an die türkische Mittelmeerküste. Dort wird das Öl in Tankschiffe gepumpt, die es zu westlichen, vor allem europäischen, Abnehmern bringen.

Albtraum russischer Energiestrategen

Pipelines: Komplette Karte - bitte auf Grafik klicken!

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Aus Sicht Russlands lieferte BTC einen beunruhigenden Präzedenzfall. Die Konsequenzen spürt Russland schon: Westliche Ölkonzerne wie BP die vor der aserbaidschanischen Küste fördern, leiten ihr Öl jetzt lieber durch die BTC als durch die vom russischen Pipeline-Monopolisten Transneft betriebene Leitung von Baku in den russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk. Von diesem Öl kann Russland nun nicht einmal mehr als Transportdienstleister profitieren.

Auch auf anderen Wegen saugt der Westen bereits kaspisches Öl aus dem russischen Einflussbereich ab: durch eine weitere Pipeline von Baku zum georgischen Schwarzmeerhafen Supsa und per Bahntransport in die georgischen Häfen Batumi und Kulevi. Seit zwei Jahren fließt zudem das vom russischen Staatskonzern Gazprom begehrte aserbaidschanische Erdgas gen Westen durch die sogenannte Pipeline Baku-Tbilisi-Erzurum-Pipeline (BTE), die nur wenige Meter neben der BTC durch Georgien in die Türkei führt.

Der Alptraum russischer Energiestrategen – ein Öl- und Gas-Bypass nach Westen – ist bereits Realität. Moskau möchte nun zumindest verhindern, dass der Ressourcenabfluss noch zunimmt. Denn je mehr Optionen die Europäer haben, Gas anderswo als in Russland zu beziehen, desto härter können sie mit ihrem russischen Lieferanten Gazprom verhandeln und ihre Bezugsmengen sogar reduzieren. Gazprom-Manager mahnen immer wieder, ohne langfristig stabile Einkünfte aus dem Westen könnten sie nicht in neue Erschließungsprojekte investieren.

Genau das aber, weniger Abhängigkeit von Russland, ist der Europäer Ziel. Die Gaspipeline White Stream, eine Tiefsee-Gaspipeline, soll von der georgischen Küste ins ukrainische Odessa und weiter in den Westen führen. Die schon vorhandene BTE soll parallel zum Bau des Bypass-Projekts Nabucco erweitert werden: Nabucco, geplant unter Federführung des österreichischen Energiekonzerns OMV, würde an BTE anschließen und aserbaidschanisches Gas bis nach Zentraleuropa leiten.

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