Energiepolitik: Frankreich klammert sich an Atomkraft

Energiepolitik: Frankreich klammert sich an Atomkraft

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Das französische Kernkraftwerk Cattenom

von Lothar Schnitzler

Japan kämpft verzweifelt gegen die Folgen der Atomkatastrophe an, Deutschland hat sich ein Atom-Moratorium verordnet. Doch Frankreich macht weiter wie bisher: Das Land denkt nicht daran, seinen Atomkurs zu ändern. Aus verständlichen Gründen. Ein Ausstieg hätte verheerende Folgen.

Staatspräsident Nicolas Sarkozy lässt auf seine Reaktoren nichts kommen: „Wir verlieren zwar Ausschreibungen, weil wir teurer als andere sind. Aber wir sind teurer, weil wir sicherer sind.“ Für Sarkozy ist die Atompolitik Frankreichs auch nach dem Desaster in Japan sakrosankt. Zwar ist ein wachsender Teil der Bevölkerung gegen Atomkraft, der Unterstützung der politischen Klasse aber kann sich der Präsident sicher sein. Selbst die Sozialisten und Kommunisten stellen die Nuklearpolitik der Republik nicht generell infrage. Lediglich die Grünen verlangen eine grundsätzliche Debatte über die Zukunft der Atomkraft.

Tatsächlich wäre ein Schnellausstieg für die Franzosen nicht machbar. Rund 80 Prozent des im Lande verbrauchten Stroms stammen aus den 58 französischen Atomkraftwerken. Eine Verabschiedung von der Kernkraft wäre ein Jahrhundertprojekt mit einschneidenden Folgen: In keinem Land der Erde spielt die Atomwirtschaft eine so wichtige Rolle wie in Frankreich. Allein der AKW-Bauer Areva und der Versorger EDF beschäftigen rund 230.000 Menschen. Hinzu kommen – so der jüngste Atombericht der französischen Regierung – noch mehrere Hundert mittelständische Zulieferer und ein dichtes Netz von Forschungsinstituten, Regierungsstellen und Prüfgesellschaften.

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Atommacht mit Atomkraft

Auch wegen der engen Verflechtungen der zivilen mit den militärischen Atomaktivitäten ist ein Ausstieg kaum denkbar. Im Atomland Frankreich gehören Kernenergie und Nuklearverteidigung zur „raison d’État“. Das Wohlwollen der Bevölkerung wird nicht zuletzt durch die niedrigen Strompreise erhalten. Bis zum japanischen Störfall lag die Zustimmung zur Nuklearpolitik bei über 70 Prozent. Doch die Anzahl der Befürworter der Atomstrategie sinkt jetzt. Eine tragende Säule des „Modells Frankreich“ bekommt Risse.

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