Energiepolitik: Für jedes Versprechen eine Energieagentur

Energiepolitik: Für jedes Versprechen eine Energieagentur

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Windkraftanlage bei Magdeburg. Wildwuchs der Lobby für erneuerbare Energien

Die Ölscheichs setzen neuerdings auf Solarstrom, die Russen auf sparsamen Verbrauch – und jedem Versprechen folgt eine neue Energieagentur.

Dass der Kreml jetzt auf einmal mit Styroporplatten gedämmt wird, der Rote Platz energetisch saniert und Pferdedroschken wieder den Verkehr in Moskau und Sankt Petersburg bestimmen – das ist eher unwahrscheinlich. Sicher ist, dass Russland große Potenziale in der Energieeffizienz hat. 40 Prozent des Verbrauchs könnte das Land bis zum Jahr 2020 einsparen – die doppelte Menge, die Russland heute in Form von Erdgas nach Westeuropa exportiert. Mehr Effizienz gleich mehr Export – Präsident Dmitri Medwedew wittert die Chance und gab bei seinem jüngsten Besuch in München den Startschuss für die erste Russisch-Deutsche Energie-Agentur (Rudea).

Vom Bösewicht, der mitten im Winter den Gashahn zudreht, will Russland sich zum Umweltengel wandeln. Deutschland kann davon profitieren, Umwelttechnik made in Germany könnte künftig Häuser, Straßen und den Verkehr im ehemaligen Zarenreich prägen. So zumindest lautet der Plan der neuen Energieagentur – und die liegt damit voll im Trend.

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Weltweite Lobby

Überall preisen inzwischen Agenturen die Vorteile von Strom sparenden Kühlschränken, isolierten Kellerwänden und Solarzellen auf dem Dach. Energieeffizienz und erneuerbare Quellen haben eine große Lobby – über die ganze Welt verteilt. Vom Biomass Thermal Energy Council (BTEC) in Washington über das Ökoenergie-Cluster Oberösterreich (OEC) bis zur Solarbundesliga, einer Initiative der Deutschen Umwelthilfe.

Viele Spieler, wenig Struktur – in der Energiebranche regiert das organisierte Chaos. Von einem „Flickenteppich“ spricht Andreas Goldthau, Dozent an der Central European University in Budapest. Dort forscht der Politologe über „Global Energy Governance“, über Regierungsführung im Bereich Energiepolitik. Goldthau vermisst das „konzertierte Ganze“.

Pluralismus treibt seltsame Blüten

Es sei kaum noch klar, wer tatsächlich die Standards setzt. Die Agenturen seien in ihrer Struktur sehr heterogen – Mitglieder sind teils Staaten, teils Firmen – und hätten unterschiedliche Ziele. Während die meisten nationalen Agenturen nur beratend tätig sind, arbeitet die Energy Information Administration (EIA) in Washington etwa als Thinktank für das Energieministerium und erstellt im Auftrag der Regierung Statistiken.

Europas Pluralismus dagegen treibt seltsame Blüten. Für die Alternativen zu den fossilen Energieträgern ist in Brüssel der European Renewable Energy Council (Erec) zuständig. Im European Energy Network versammeln sich 23 staatliche Agenturen, darunter auch die Deutsche Energie-Agentur (Dena) in Berlin. Damit nicht genug. Im föderalen Deutschland tummeln sich allein 20 dieser Kompetenzzentren auf regionaler und kommunaler Ebene, von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (Kea) über die hessenEnergie bis zur Energieberatung Prenzlauer Berg. Dazu kommen zahlreiche Verbände, die nur eins im Sinn haben: die Vermarktung von Sonne, Wind und Co.

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