Engelmanns Eigenhandel: Der Helmut Kohl der Notenbanker

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kolumneEngelmanns Eigenhandel: Der Helmut Kohl der Notenbanker

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Bernankes Zeit bei der Fed neigt scich dem Ende zu. Wie seine Bilanz ausfallen wird ist noch nicht klar

Kolumne von Oliver Engelmann

Die Wirtschaft hat an Komplexität zugenommen. Schon so manches Mal haben sich Rezepte der Volkswirtschaftslehre, von denen man meinte, sie hätten bereits Gesetzescharakter, als untauglich erwiesen. Um der Krise Herr zu werden, haben die Notenbanken deshalb ungewöhnlich Maßnahmen ergriffen.

Für viele Rentenhändler meiner Generation war Alan Greenspan der Helmut Kohl der Notenbank-Szene. Über 18 Jahre stand der 1926 in New York geborene Sohn ungarischer Einwanderer an der Spitze der amerikanischen Zentralbank und lenkte deren Geschicke ebenso wie die der amerikanischen Volkswirtschaft. Ähnlich wie beim früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl hatte man bei Greenspan stets den Eindruck, er wäre schon immer im Amt gewesen und werde es auch immer bleiben.

Im Tohuwabohu der Finanzmärkte markierte Greenspan den Fels in der Brandung, den Leuchtturm, an dessen strahlendem Licht sich in Seenot geratene Wirtschaftskapitäne stets orientieren konnten. Eine Randnotiz für das "Handbuch des nutzlosen Wissens": Der spätere Chef des Federal Reserve Systems wollte ursprünglich Musiker werden. Mit großer Begeisterung spielte er in jungen Jahren Klarinette und Saxophon, wandte sich allerdings ab 1944 einer anderen Kunst zu: der Volkswirtschaftslehre. Eine ebenso nutzlose Randinformation: Greenspan badete für sein Leben gern und lag so Tag für Tag mindestens eine Stunde in der heimischen Wanne. Ob er dabei über volkswirtschaftliche Probleme grübelte oder der Frage nachging, warum ihm trotz all der Baderei keine Schwimmhäute wuchsen, ist leider nicht überliefert.

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Das Urteil über Greenspans Amtsführung fiel am Ende gemischt aus: Bewunderer feiern ihn noch heute als "größten Notenbanker aller Zeiten" (Zitat: Phil Gramm); Kritiker bemängeln, er habe mit seiner Niedrigzinspolitik die Grundlage jener Blase am Immobilienmarkt gelegt, deren Platzen uns noch heute beschäftigt. Fest steht am Ende nur eines: Alan Greenspan prägte die Federal Reserve (Fed) stärker als viele seiner Vorgänger.

Gewachsene Herausforderungen 

Ähnliches wird man wohl bald auch über Ben Bernanke, den derzeitigen Präsidenten der amerikanischen Notenbank, sagen. Zwar sind die genauen Zukunftspläne des Fed-Vorstehers noch nicht bekannt. Sicher ist nur, dass Bernanke für eine weitere, dritte Amtszeit nicht zur Verfügung steht. Angeblich will der frühere Princeton-Professor zurück an die Universität. Und das kann man ihm durchaus nicht verübeln. Wer um die engen Verknüpfungen weiß, die im Zeitalter der Globalisierung zwischen den Volkswirtschaften auf der ganzen Welt bestehen, der ahnt, dass die Behauptung, der Vorsitzende des Federal Reserve Board sei am Ende machtvoller als der Präsident der Vereinigten Staaten, durchaus berechtigt ist.

Allerdings glaubt wohl nur noch "Klein-Fritzchen", dass Macht zu haben und auszuüben, allein ein erstrebenswerter Lebenszweck ist! Schon Alfred Herrhausen, ehemaliger Sprecher der Deutschen Bank, betonte, dass in modernen, demokratischen Gesellschaften Macht auch stets mit Verantwortung einhergehen müsse. Und Verantwortung zu übernehmen - sei es als Politiker, als Vorstand eines Unternehmens oder eben als Präsident des Federal Reserve Board der Vereinigten Staaten - bedeutet stets, eine schwere Bürde auf sich zu nehmen. Bernanke hat die Last der Verantwortung für die amerikanische Geldpolitik und damit für das Wohl und Wehe nicht nur der amerikanischen Volkswirtschaft acht Jahre lang geschultert. Dass er nun wieder ins ruhigere Fahrwasser der akademischen Forschung zurückkehren will, kann ich gut nachvollziehen.

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