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Engelmanns Eigenhandel: Der Spekulant: Schwager der Heuschrecke oder Diener der Gerechtigkeit?

Kolumne von Oliver Engelmann

Was haben sie in Prügel einstecken müssen - die Spekulanten: Den Euro sollen sie "attackiert", Griechenland in und Spanien an den Rand des Abgrunds gebracht haben. Ganz falsch, meint unser Kolumnist.

Eine 1-Euro-Münze aus Quelle: dpa
Eine 1-Euro-Münze aus Griechenland, aufgenommen am 06.05.2010 vor der DAX-Kurve. Für viele sind die Spekulanten der Grund, dass der Euro an Wert verliert. Quelle: dpa

Immer öfter liest man in den vergangenen Tagen, Spekulanten seien für jene Verwerfungen verantwortlich, die den europäischen Rentenmarkt seit einigen Wochen erschüttern. Da stellt sich die Frage: Was genau ist eigentlich ein Spekulant? Handelt es sich bei ihm tatsächlich um den Schwager der Heuschrecke? .Ist er jener üble  Finsterling, gegen den sich der Wolf aus Grimms Märchen vom Rotkäppchen ausnimmt wie der Liebling aller Schwiegermütter? Zeit, einmal in einschlägigen Fachbüchern nachzublättern und das Wesen der Spekulation und ihrer Protagonisten zu erkunden.  

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Zumeist hilft für eine erste Definition ein Blick in den Duden. Der definiert in seiner 18. Auflage von 1980: "Spe/ku/lant der; -en, en <lat> (Kaufmann, der gewagte Geschäfte macht; waghalsiger Spieler)" Der Spekulant also zumindest ein Kaufmann, wenn auch einer, der einem Hasardeur gleicht. Aber damit würde er ja nur sich selbst und nicht anderen schaden?! Und weiter: "Spe/ku/la/ti/on die; -, -en (Vernunftstreben nach Erkenntnis jenseits der Sinnenwelt; Berechnung; Einbildung; gewagtes Geschäft)" Fußt die Entscheidung, auf den Niedergang von Anleihen der Euroland-Peripherie zu wetten, also auf einer übersinnlichen Erfahrung,  auf  einem siebten Sinn? Dass spekulieren gefährlich ist, und zwar in erster Linie für den, der spekuliert, nicht für Dritte, wird in dieser Definition erneut betont.

Das Wort Spekulation stammt aus dem Lateinischen, weshalb die kleine Recherche nach ihrem Wesen einen Blick in "Langenscheidts großes Schulwörterbuch Lateinisch-Deutsch" ratsam erscheinen lässt. Dort heißt es: "speculator, -oris, m 1. a) militärischer Späher im Kriege, Kundschafter, Spion b) Elitetruppe der Pretorianer, Leibwache des Feldherrn c) Henker 2. Erforscher, Forscher" Der Spekulant also Teil einer (Finanz-)Elite, vielleicht sogar mit Herrschafts-, will sagen: Insiderwissen? Oder doch nur einer, der über einen besseren Überblick verfügt und Dinge erspäht, die andere noch nicht gesehen beziehungsweise erkannt haben?  

Ohne Spekulation keine Absicherung

Dass "speculator" auch mit Henker übersetzt werden kann, könnte darauf hindeuten, dass der Spekulant tatsächlich anderen schadet - so wie es in letzter Zeit öfter behauptet wird. Aber haben sich die, die dem Henker begegnen, ihr Schicksal nicht in der Regel selbst zuzuschreiben? Und seit wann spricht der Henker das Urteil? Der Spekulant ist wohl doch eher ein Diener der Gerechtigkeit!

Dass die Spekulation keine Erfindung unserer Zeit ist, zeigt ein Blick in "Das kleine Börsenlexikon" von Rudolf Mindner - wohl ein Vorgänger des berühmten gleichnamigen Werks von Professor Hans E. Büschgen aus dem Jahre 1958. Eingezwängt zwischen den Schlagworten "Spannungskurse" und "Sperraktien" findet sich dort folgender Hinweis: "Spekulation, spekulieren. Aus einer Entwicklung der Marktpreise Nutzen ziehen. Bei der Wertpapierspekulation rechnet der Käufer mit steigenden, der Verkäufer mit fallenden Kursen (Horch, horch!). Für den Marktausgleich ist die aus Banken, Bankiers und Börsenmaklern bestehende Berufsspekulation unentbehrlich." Schon Ende der 50er Jahre wurde also das Wirken von Spekulanten als für das Funktionieren von Märkten unentbehrlich eingestuft! Ein interessanter historischer Aspekt.  

John Hull, Derivate - Experte aus Amerika, schlägt in seinem lesenswerten Standardwerk "Introduction to futures and options markets" in die gleiche Kerbe: "Whereas hedgers want to avoid an exposure to adverse movements in the price of an asset, speculators wish to take a position in the market." Spekulanten ermöglichen es Hedgern , das sind Marktteilnehmer, die Wertpapierbestände halten und keine hohen Verluste riskieren  wollen,   also erst, ihre Positionen abzusichern. Und sehr grundsätzlich und den Leser erhellend, erläutert Hull noch: "Either they are betting that the price will go up or they are betting that it will go down."

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21 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.05.2010, 14:02 UhrAnonymer Benutzer: FoCS

    @ W.: Der Vergleich mit einer Unfallstelle hinkt nicht, er hat nicht einmal beine.

    Davon abgesehen wird das begriffspaar "Zocker und Spekulanten" geradezu inflationär verwendet, damit auch jeder Möchtegern-Experte die erhoffte Aufmerksamkeit erzielt.

    Wenn banken fast insolventen Staaten Kredite nur gegen entsprechenden Risikoaufschlag bei den Zinsen vergibt, dann ist das nur seriös und nicht gezockt.

  • 20.05.2010, 22:59 UhrAnonymer Benutzer: zu eng gesehen

    @ H.
    ich gebe gerne zu, dass die Politiker das Geld der zukünftigen Generationen mit vollen Händen ausgegeben haben und dass sie sich von der Finanzwelt dazu verführen liessen, auf wirksame Kontrollen weltweit zu verzichten. Man muß aber auch zugeben, daß die meisten Wähler das begünstigen, indem sie diejenigen Parteien wählen, die ihnen das blaue vom Himmel versprechen. ich bin nun aber doch dafür die Stunde zu nutzen, das Casino zu schliessen und damit sicherzustellen, dass die Finanzwirtschaft wieder der Wirtschaft dient und die Wirtschaft wieder der Gemeinschaft der Menschen. Das erwarte ich von Schäuble und Co.ganz einfach und da werde ich sie unterstützen. Man kann spät lernen aber lernen muß man wozu man bestellt ist. Sonst versagt man.

  • 20.05.2010, 15:59 UhrAnonymer Benutzer: H.

    @ zu eng gesehen
    ich glaube es ist wohl sinnvoller den Mörder (in dem Fall die Politiker) als den Waffenhersteller (die banken) vor Gericht zu stellen und zu verurteilen. Die Politiker haben zu grosse und zu teuere Wahlversprechen abgegeben und auch keine vernünftigen Mechanismen zur Stabiliserung des Euro etabliert. Die bevölkerung muss (leider) akzeptieren, dass es kein unbegrenztes Wachstum und Wohlstand für alle gibt und die Politik muss endlich anfangen zu sparen, auch wenn es weh tut und z.b. Schwimmbäder geschlossen werden müssen...

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