Engelmanns Eigenhandel: Obama oder Romney - am Ende nicht egal?

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kolumneEngelmanns Eigenhandel: Obama oder Romney - am Ende nicht egal?

Kolumne von Oliver Engelmann

Ein Ablassen der USA von ihrer Schuldenorgie dürfe unwahrscheinlich sein, unabhängig vom Wahlausgang. Das heißt nichts Gutes.

Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, die lauschiger sind als ein Mittelplatz in der vorletzten Sitzreihe eines Düsenflugzeuges. Bernhard-Viktor Christoph Carl von Bülow hat jener Behaglichkeit in einem Sketch mit der unvergessenen Evelyn Hamann bereits vor vielen Jahren ein humoristisches Denkmal gesetzt. Loriots unbeholfener Kampf gegen die Tücken des modernen Luftverkehrs kam mir daher auch unmittelbar in den Sinn, als ich in der vergangenen Woche auf Platz 21E eines Fliegers Platz nehmen und anschließend zwei Stunden lang gegen Klaustrophobie, Thrombose und die aktuelle Ausgabe der "Frankfurter Allgemeinen" ankämpfen musste. Letztere umzublättern erwies sich als nahezu unmöglich. Außenstehende Beobachter hätten durchaus annehmen können, ich übte mich in der asiatischen Kunst des Origami und versuchte, aus der FAZ einen Kranich zu falten. Doch nicht nur die Platzverhältnisse lassen bei vielen Fluggesellschaften zu wünschen übrig. Auch das kulinarische Angebot an Bord kann größtenteils nur noch als bedingt genießbar bezeichnet werden. Gewiss: Ausnahmen bestätigen die Regel. So serviert die kleine "Lux Air" immer noch ein delikates Menu, das zum Abschluss von einem Paar köstlicher Pralinen gekrönt wird. Überall woanders jedoch schwingt Schmalhans Küchenmeister den Kochlöffel, nicht selten mit unangenehmen Konsequenzen. Wer schon einmal eine brühwarme Laugenstange mit einem kalten Becher Mineralwasser heruntergespült hat, weiß, dass der "flotte Otto" nach einem solchen "Frühstück" nicht lange auf sich warten lässt. Doch die Fluggesellschaften müssen sich im internationalen Wettbewerb behaupten - dafür muss auch der Kunde Opfer zu bringen bereit sein. Die Sparwut manches Carriers führt ab und an auch zu kuriosen Situationen. So begründete das Bodenpersonal einer Airline die Verspätung eines Fluges kürzlich damit, aus Personalmangel stünde zurzeit kein Pilot zur Verfügung. Als Fluggast ist man in einem solchen Moment schon froh, dass sich keine Stewardess hinter den Steuerknüppel schwingt und vorgibt, in direkter Linie von Charles Lindbergh abzustammen.

Unklare Verhältnisse

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Wer künftig - im übertragenen Sinne - den Steuerknüppel der Vereinigten Staaten in Händen halten und damit nicht nur über das Schicksal von über 300 Millionen Amerikanern, sondern zugleich über das vieler weiterer Millionen Menschen rund um den Globus bestimmen wird, scheint wenige Tage vor der Wahl immer noch unklar. Zwar gilt der amtierende Präsident Barack Obama vielen als der aussichtsreichere Kandidat, doch hat sein Widersacher, der Republikaner Mitt Romney, Anfang Oktober bewiesen, dass auch er - genau wie der smarte Amtsinhaber aus dem Weißen Haus - in der Lage ist, Wähler von seinen Ansichten zu überzeugen. Obamas Schwäche im ersten von drei Fernsehduellen wurde dabei zu Romneys Stärke. In Umfragen konnte der Herausforderer deutlich zulegen. Doch geht es bei den Wahlen nicht nur um das Amt des Präsidenten. Auch die Machtverhältnisse im Kongress, bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus, könnten sich ändern. Denn ein Drittel des Senats sowie das gesamte Repräsentantenhaus stehen zur Wahl. Derzeit verfügen die Demokraten über 53 der 100 Sitze im Senat, während im Repräsentantenhaus die Republikaner mit 55,6 Prozent der Sitze über die Mehrheit verfügen.

Das Team hinter Romney

  • Matt Rhoades

    Romneys Wahlkampfmanager hat die Aufgabe, hinter den Kulissen für einen geschmeidigen Ablauf der Kampagne zu sorgen. Der 37-Jährige gilt als öffentlichkeitsscheuer und gewiefter Taktiker mit exzellenten Verbindungen zu konservativen Medien. Rhoades arbeitete bereits im Team des früheren US-Präsidenten George W. Bush für dessen Wiederwahl 2004. Bei Romneys erfolglosem Anlauf auf die republikanische Kandidatur 2008 fungierte er als Kommunikationsdirektor. Zwischenzeitlich war er bei der Lobbyfirma und Politikberatung DCI Group in Washington tätig.

  • Bob White

    White gehörte in den 80er Jahren zu den Gründern der Investmentfirma Bain Capital und ist seitdem ein enger Vertrauter und Freund Romneys. Der Harvard-Absolvent war bereits bei Romneys gescheitertem Versuch dabei, dem mittlerweile verstorbenen demokratischen Senator Ted Kennedy 1994 dessen Sitz in Massachusetts abzunehmen. Auch wenn White im Wahlkampf 2012 keine offizielle politische Rolle ausfüllt, dürfte das Wort des treuen Wegbegleiters für Romney großes Gewicht haben.

  • Beth Myers

    Die "Washington Post" beschrieb Myers kürzlich als Romneys "Büro-Ehefrau" und meinte damit die enge berufliche Beziehung, die beide verbindet. Während Romney von 2003 bis 2007 in Massachusetts als Gouverneur amtierte, war Myers seine Kabinettschefin. Vor vier Jahren nahm sie die Rolle der Wahlkampfmanagerin ein. Derzeit hat sie die Aufgabe, einen geeigneten Vize-Kandidaten für Romney auszusuchen. Ihre politischen Sporen verdiente sich Myers einst im Wahlkampfteam von Ronald Reagan im Jahr 1980.

  • Eric Fehrnstorm

    Der gelernte Journalist ist ebenfalls einer der engsten Berater, der seit der Gouverneurszeit in Massachusetts zu Romneys innerem Kreis gehört. Zu seinem Verantwortungsbereich zählen vor allem die Wahlkampfspots. Im März leistete er sich einen Patzer, als er Romneys Kampagne mit einer Zaubertafel verglich - und damit den Eindruck erweckte, sein Chef könnte nach der Nominierung die erzkonservativen Töne aus dem Vorwahlkampf wegwischen und einfach durch moderatere Positionen ersetzen.

  • Peter Flaherty

    Der frühere Staatsanwalt aus Boston arbeitete zunächst in Massachusetts und dann während der Präsidentschaftsbewerbung 2008 für Romney. Anschließend gründete er mit Myers und Fehrnstrom eine Politikberatung in Washington. Im Wahlkampfteam ist er dafür zuständig, Romneys Image bei der erzkonservativen und religiösen Wählerschaft aufzupolieren.

  • Spencer Zwick

    Der erst 32-Jährige wacht über die Wahlkampfkasse von Romney, bereits vor vier Jahren war er für dessen Finanzen verantwortlich. Zwick lernte den Politiker als ehrenamtlicher Helfer bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City kennen, bei denen Romney Cheforganisator war. Beide verbindet mittlerweile ein fast familiäres Band: Romney und seine Frau Ann beschreiben den Mormonen als ihren "sechsten Sohn".

Analysten der Citigroup halten in Bezug auf den Wahlausgang die folgenden Szenarien für die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit: 1. Obama gewinnt die Wahl und die Demokraten behaupten ihre Stellung im Senat. 2. Die Wahl des Präsidenten geht "unentschieden" aus und auch im Senat kommt es zu einem Patt. 3. Romney gewinnt die Wahl, kann aber keine Mehrheit im Senat erobern. 4. Romney gewinnt die Wahl und die Republikaner erzielen ebenfalls die Mehrheit im Senat. Allen vier Szenarien liegt die Annahme zu Grunde, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus behaupten. Wiewohl die Analysten unseres Hauses dem zweiten Szenario die geringste Wahrscheinlichkeit beimessen, warnen sie doch davor, einen solchen Ausgang der Wahl als vollkommen abwegig einzustufen. Und als ungefährlich. Denn eine Pattsituation könnte gravierende Konsequenzen haben. Wenn etwas als Ergebnis der Wahl herauskommen sollte, dann ein klares Mandat für die ein oder andere Partei. Amerika steht insbesondere in Bezug auf die Konsolidierung seiner Staatsfinanzen vor einschneidenden Maßnahmen, deren Umsetzung einer starken Führung bedarf. Und man sollte doch die Hoffnung nicht aufgeben, dass die politischen Eliten Amerikas tatsächlich den Willen haben, die Verschuldung ihres Landes zurückzuführen. Oder?

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