Engelmanns Eigenhandel: Wunsch und Wirklichkeit

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Der Chef der Amerikanischen Notenbank Ben Bernanke wird das Versprechen, mit den Anleihekäufen aufzuhören, kaum halten können.

Kolumne von Oliver Engelmann

Die Testballons von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke haben eines deutlich gemacht: Einen Ausstieg aus ihren Gelddruckprogrammen können sich die USA kaum leisten.

Theodor Fontane gehört zweifelsohne zu den bekanntesten und renommiertesten Schriftstellern unseres Landes. Wer kennt sie nicht, die Romane "Effie Briest" oder "Der Stechlin", die ebenso Glanzlichter deutscher Literatur sind wie die berühmten "Wanderungen durch die Mark Brandenburg"? Und selbst wer weder den Autor noch dessen Prosa kennt, hat bestimmt schon das Gedicht vom Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland gehört: "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand..." Doch Fontane war nicht nur der Dichter der Mark Brandenburg, der Poet des Havellandes. Seine Liebe zur Heimat hielt ihn nicht davon ab, auch andere Länder zu erkunden und seine Erlebnisse literarisch zu verarbeiten. Großbritannien scheint es ihm dabei besonders angetan zu haben. Auch und vor allem Schottland. Denn als Fontane 1860 seine Eindrücke von den Highlands in "Jenseits des Tweed" verarbeitete, erklärte er, seine Reise nach Schottland zählte zu den schönsten in seinem Leben.

Nach vierzehn Tagen Urlaub im Norden der britischen Insel kann ich Fontane nur uneingeschränkt zustimmen: Land und Leute begeistern! Einzig das Essen lässt zu wünschen übrig. Wenn schon zum Frühstück ein bunter Teller mit gebratenen Würstchen, Speck, Spiegeleiern, Kartoffelpuffern, Blutwurst und Häggis auf dem Tisch steht und man in Pubs und Restaurants mittags wie abends die Wahl zwischen "Fisch und Chips" und "Burger" hat, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Cholesterinspiegel explodiert! Nur fleißiges Wandern durch die Highlands kann dann zumindest noch verhindern, dass sich die Nadel der heimischen Waage nach dem Urlaub nicht mehrfach im Kreis dreht, bevor sie zum Stillstand kommt. Zwar sagt man, die schottische Küche sei auf Grund der Geschichte des Landes von der französischen beeinflusst! Davon ist aber wenig zu spüren. Eher muss man schon an Amerika denken, wenn man an frittierten(!) Zwiebelringen lutscht und sie anschließend mit einem Pint Cola herunterspült.

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Fast 48 Millionen ernähren sich über Lebensmittelkarten

Dass man in Großbritannien eine große Affinität zu den Vereinigten Staaten hat, Amerika bisweilen sogar näher steht als dem Rest von Europa, hat auf der Insel lange Tradition. Und so erfährt man in den Nachrichten der British Broadcasting Corporation (BBC) bisweilen auch Interessantes aus "God's own country", das einem sonst wohl entgangen wäre. Zum Beispiel die Meldung, wonach dort mittlerweile sage und schreibe 47,7 Millionen Bürger staatliche Hilfe in Form von Lebensmittelkarten in Anspruch nehmen. 47,7 Millionen(!) - das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Bei einer Gesamtbevölkerung von 313 Millionen Menschen entspricht diese Zahl einem Anteil von circa 15 Prozent.

Dass die amerikanischen Behörden sich darauf einstellen, dass die Liste der Empfänger eher noch länger denn kürzer werden könnte, darauf deutet der Umstand hin, dass die "Lebensmittelmarken" mittlerweile wie normale Kreditkarten ausgestaltet sind. 274 staatliche Dollar fließen so laut BBC durchschnittlich an jeden jener 47,7 Millionen bezugsberechtigten Amerikaner. Mehr als 13 Milliarden Dollar pumpt die Regierung in Washington so Monat für Monat in die Grundversorgung eines Teiles ihrer Bürger. Wirtschaftlicher Aufschwung sieht anders aus.

In der Tat muss man sich fragen, wie es um die amerikanische Wirtschaft denn nun wirklich bestellt ist. Zwar hört und liest man immer wieder vom Aufschwung, der unmittelbar bevorsteht, doch scheint die Realität eine andere zu sein. Wenn schon der Vorsteher der amerikanischen Notenbank, Herr Bernanke, in einer Anhörung vor dem Senat erklärt, die Leitzinsen angesichts der niedrigen Wachstumsraten weiterhin unverändert (niedrig) belassen zu wollen, darf man die Hoffnung auf eine rasche und nachhaltige Erholung der U.S.-Konjunktur wohl getrost begraben.

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