Engelmanns Eigenhandel: Yes, you can, Mr. President!

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Präsident Obama bei seiner Ansprache in Berlin 2008. Schon seit längerem glänzen US-Präsidenten mehr durch Rhetorik als Taten, meint unser Kolumnist. REUTERS/Jim Young

Kolumne

Unseren Kolumnisten stört, dass amerikanische Präsidenten in Sachen Haushaltssanierung vieles versprechen und wenig halten. Die Herabstufung des Ratings der USA durch S&P war ein erster Warnschuss - ewig werden Anleger nicht U.S.-Staatsanleihen kaufen, wenn Versprechen zur Ordnung der Finanzen nur blumig formulierte Bekenntnisse bleiben.

Viel hat die "Goldelse" in den 138 Jahren gesehen, die sie nun schon hoch über Berlin auf der Spitze der Siegessäule thront: Von Kaiser Wilhelm I. 1873 als Monument der Erinnerung an diverse gewonnene Kriege eingeweiht, erlebte sie das wilhelminische Zeitalter, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, das geteilte Deutschland und schließlich die wiedervereinte Nation nach dem Fall der in Sichtweite gelegenen Mauer. Von den steifen Aufmärschen des preußischen Militärs zur "Demonstration für Frieden, Freude und Eierkuchen", als die der Spandauer Techno-DJ Matthias Roeing alias "Dr. Motte" die "Love Parade" seinerzeit ins Leben rief, war es ein weiter Weg. Mehr noch als über die Tanzdarbietungen halbnackter Raver dürfte sich die Goldelse allerdings über den Besuch eines Mannes gefreut haben, der angetreten ist, wenn nicht die Welt, so doch zumindest Amerika zu verändern: Barack Obama. Am 24. Juli 2008 hielt der damalige Senator von Illinois und Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei zu Füßen der Siegessäule eine Grundsatzrede zum transatlantischen Verhältnis und begeisterte mit seiner "Change we can believe in"-Rhetorik nicht nur hunderttausende Berliner, sondern ganz Deutschland. 

AAA, jetzt und immerdar...

Amerikanische Präsidenten sind Meister der Rhetorik - der vierundvierzigste Präsident der Vereinigten Staaten macht da keine Ausnahme. Erst kürzlich lieferte Barack Obama ein Glanzstück rhetorischer Finesse ab. Kaum hatte die Ratingagentur Standard & Poors (S&P) die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten herabgestuft und das Land damit vom Thron des unangefochtenen AAA-Emittenten gestoßen, da stellte sich Obama vor die versammelte Weltpresse und verkündete - einem absolutistischen Herrscher vom Schlage Ludwig XIV. gleich - die Vereinigten Staaten wären - unabhängig davon, was irgendeine Ratingagentur sage - immer ein AAA-Land gewesen und würden es auch immer bleiben. Gerhard Schröder hätte wohl noch "Basta" hinzugefügt. Doch was dem außenstehenden, europäischen Betrachter wie gnadenlose Selbstüberschätzung erscheinen mag, ist im Grunde nichts anderes als das in einen Satz gefasste Destillat des amerikanischen Glaubensbekenntnisses an die eigene Zukunft. Ähnlich formulierte bereits Franklin D. Roosevelt in seiner ersten Ansprache als Präsident am 4. März 1933: "Diese große Nation wird überdauern wie sie überdauert hat, wird sich wiederbeleben und gedeihen." Inmitten der Weltwirtschaftskrise bekräftigte Roosevelt auf diese Weise seinen unerschütterlichen Glauben an die Zukunft der Vereinigten Staaten. 

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Investoren vertrauen auf die USA

Am Markt für amerikanische Staatsanleihen scheint man Obamas Einschätzung (noch) zu teilen. Seit S&P den Daumen über die Bonität der Staaten gesenkt hat, konnten sich U.S. Treasuries deutlich im Kurs befestigen - die Renditen sanken entsprechend. Ein Vertrauensverlust sieht anders aus. Wer könnte das dieser Tage besser beurteilen als die Akteure am europäischen Rentenmarkt, an dem erst kürzlich Gerüchte über eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs zu einer Ausweitung der Renditedifferenz zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen geführt hatten. Amerika vertraut auf Gott und die Investoren vertrauen auf Amerika - zumal dann, wenn das Fahrwasser an den Weltbörsen rauer wird. Wer sein Geld vom Aktienmarkt abzieht, flüchtet auch weiterhin oftmals in die Sicherheit amerikanischer Staatsanleihen - Rating hin oder her. Dafür dürfte es vielerlei Gründe geben: Zum einen bewerten die Ratingagenturen Moodys und Fitch die Bonität der Vereinigten Staaten immer noch mit der Bestnote AAA, zum anderen ist und bleibt der Markt für amerikanische Staatsanleihen der liquideste seiner Art in der ganzen Welt. Auch die immer wahrscheinlicher werdende Wiederaufnahme von Käufen amerikanischer Staatsanleihen durch die Notenbank Federal Reserve (Fed) dürfte die Kurse der U.S. Bonds unterstützen.

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