Erdbeben: Die Weltwirtschaft zittert mit Japan

Erdbeben: Die Weltwirtschaft zittert mit Japan

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Erdbeben in Japan

von Andreas Toller

Das Erdbeben in Japan ist nicht nur für die betroffenen Menschen des Landes eine Katastrophe, es könnte auch Schockwellen für die Weltwirtschaft auslösen. Die von Naturkatastrophen eh schon gebeutelte Volkswirtschaft sowie die Versicherungsbranche sind hart getroffen.

Erdbeben sind in Japan keine Seltenheit. Das Land liegt in einem der seismisch aktivsten Gebiete der Erde. Etwa 20 Prozent aller schweren Beben weltweit mit einer Stärke von mindestens 6,0 ereignen sich hier. Bei Tokio treffen vier tektonische Platten aufeinander, die Erde bebt rund 5000 mal im Jahr. Doch dieses Erdbeben im Nordosten Japans mit einer Stärke von 8,9 auf der Richterskala ist das stärkste jemals in Japan registrierte Beben seit Beginn der Aufzeichnungen.

Stahlwerke und andere Fabriken brennen, sogar in einem Atomkraftwerk brach ein Feuer in einem Turbinengebäude aus, der nachfolgende Tsunami mit 10 Meter hohen Wellen überflutete küstennahe Produktionsanlagen. Mehrere Atomkraftwerke und Ölraffinerien wurden abgeschaltet, Millionen Menschen sind von Stromausfall betroffen. Der Elektronikriese Sony, einer der größten Exporteure des Landes, schloss sechs Fabriken. Alle Häfen in Japan wurden geschlossen, der Flug- und Bahnverkehr ist stark eingeschränkt, da sowohl Flughäfen als auch Bahnstrecken Schäden davontrugen. Auch der Nahverkehr in Tokio ist teilweise lahmgelegt. Betroffen ist primär die Küstenregion nahe der Stadt Sendai mit einer Bevölkerung von einer Million. Eine Bevölkerung im Schockzustand und ein herber Rückschlag für Japans Wirtschaft, die gerade erst begonnen hatte, sich etwas zu erholen.

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Japan mit einer Bevölkerung von knapp 128 Millionen Menschen war in den vergangenen Jahrzehnten die dominierende Wirtschaft Asiens. Bis 2009 rangierte das Land 42 Jahre lang hinter den USA weltweit auf Rang zwei in der Wirtschaftskraft. Im Krisenjahr 2009 erwirtschaftete das Land immer noch gut acht Prozent des Welteinkommens. Erst 2010 verdrängte das rasch wachsende China den regionalen Konkurrenten in der Weltrangliste der größten Wirtschaftsmächte auf Rang drei, wobei beide Länder inzwischen intensive Handelsbeziehungen pflegen. Allein nach China gehen 19 Prozent der Exporte und von dort kommen 22 Prozent der Einfuhren.

Zarte Konjunkturerholung gefährdet

Die Abhängigkeit vom Export hatte schon während der Finanzkrise für einen heftigen Wirtschaftseinbruch gesorgt. 2009 schrumpfte die japanische Wirtschaft um fünf Prozent – der größte Rückgang unter den sieben größten Industriestaaten (G7). Die Exporte sackten um rund ein Viertel ab. Lediglich Japans Bankenwesen war von der Finanzkrise weniger stark betroffen als in den übrigen G7-Staaten.

Abgesehen von einer moderaten Wachstumsphase in den Jahren 2002 bis 2007 hat Japans Wirtschaft seit den 90er Jahren mit Stagnationstendenzen zu kämpfen, begleitet von einer wachstumshemmenden Deflationsentwicklung. Hinzu kommen drückende Staatschulden von bald 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts . Damit gehört Japan zu den am höchsten verschuldeten Industriestaaten.

Die Naturkatastrophe trifft Japan nicht gerade in Zeiten wirtschaftlicher Stärke. Tsutomu Yamada, Marktanalyst bei Kabu.com Securities, ist besorgt: „Dieses Beben könnte Japans Gesamtwirtschaft genau in dem Moment belasten, als sie erste Anzeichen einer Erholung zeigte.“ Diese Woche hatte es bereits - ebenfalls im Nordosten Japans - ein Beben der Stärke 7,2 gegeben. Yasuo Yamamoto, Volkswirt am Mizuho Research Institute, weiß um die Bedeutung der Region: „Im Norden des Landes gibt es Auto- und Halbleiterwerke, deshalb werden die Schäden wirtschaftliche Folgen haben. Der Konsum wird voraussichtlich fallen, dies könnte vorübergehend die Wirtschaftsleistung drücken.“

Die Reaktion der Börsen war heftig. Da das Beben noch eine Viertelstunde vor Börsenschluss begann, schloss der japanischen Aktienindex Nikkei noch mit 1,72 Prozent im Minus bei 10.254 Punkten. Tim Condon, ING-Chefvolkswirt für Asien, bleibt dennoch ruhig: „Ich denke, die Bank of Japan wird in ihrer Reaktion eher zurückhaltend sein. Dies hat sich bei dem Erdbeben in Kobe gezeigt. Ob die Talfahrt am Aktienmarkt weitergehen wird, ist schwer zu sagen. Die Aktien von Baufirmen könnten stark davon profitieren.“

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