Erdbeben in Japan: Atomkraftwerk mit Pannen-Vorgeschichte

Erdbeben in Japan: Atomkraftwerk mit Pannen-Vorgeschichte

Bild vergrößern

Hirono-Kraftwerk in der Präfektur Fukushima

von Andreas Wildhagen

Die zwei japanischen Meiler, bei denen es infolge des Erdbebens zu heftigen Störfällen gekommen ist, weisen auch Skurrilitäten auf. Beides sind Reaktoren mit einer langen Pannen-Vorgeschichte. Deutsches Atomforum: "Beim Kernkraftwerk Fukushima gibt es ein Gefährungspotential".

 Das Erdbeben in Japan hat auch Störfälle in zwei Atomkraftwerken zur Folge. Es sind die Meiler Fukushima Daiichi und Onagawa. Im Kernkraftwerk Onagawa brannte ein Turbinenhaus, das vom Reaktorteil getrennt ist. Das Feuer soll inzwischen gelöscht worden sein. Außerdem soll in einer weiteren Anlage in Onagawa ein Wasserleck entstanden sein. Weiterhin ist bekannt geworden, dass in der Atomanlage in Fukushima das Kühlsystem versagt hat. Beide Kernreaktoren wurden abgeschaltet. Regierungschef Kann rief den Notstand aus. Die Gefahr eines Austritt von Radioaktivität bestehe nicht, sagte der japanische Kabinettssekretär Yukio Edano.

Das Kernkraftwerk Onagawa liegt unmittelbar am Pazifik auf der Oshika-Halbinsel. Gebaut wurde das Atomkraftwerk von Toshiba Nuclear Power und wurde 1984 in Betrieb genommen. Es gilt als besonders öffentlichkeitsfreundlich. So gibt es sogar eine Besuchergalerie, auf der technisch interessierte Touristen auf das Abklingbecken und die darin enthaltenen Brennstäbe schauen dürfen - undenkbar in Deutschland. Eigentümer von Onagawa ist das japanische Energieunternehmen Tohoku Electric. Der Meiler, der aus drei Blöcken besteht, ist für deutsche Verhältnisse ein echter Pannenreaktor. Im Jahr 2000 brannte ein Stockwerk in einem Nebengebäude. Zwei Jahre später wurden zwei Arbeiter leicht verstrahlt und weitere fünf Jahre später - im März 2007 - gab Tohoku bekannt, dass es bei Wartungsarbeiten zu einer Notabschaltung gekommen war. Die Aufsichtsberhörden wurden davon aber nicht informiert. Bei Onagawa handelt es sich um einen Siedewasserreaktor nach der Bauart des deutschen Kernkraftwerks Krümmel, das nach einem Reaktorbrand seit Juli 2007 stillsteht. Siedewasserreaktoren sind bautechnisch einfacher konstruiert als Druckwasserreaktoren, sie können auch einfacher gewartet werden. Nukleartechniker sagen zudem, dass Siedewasserreaktor bei einem Störfall technisch leichter beherrschbar seien.

Anzeige

  Das Atomkraftwerk Fukushima hat es nach allem, was an Nachrichten vorliegt, weitaus gefährlicher getroffen. Hier ist die Kühlanlage ausgefallen, was theoretisch zur Kernschmelze führen könnte. Diese Gefahr bestehe aber nicht, versicher die japanischen Behörden zur Zeit. Jedoch wirkt es nicht gerade vertrauenserweckend, dass nach dem Erdbeben das Notkühlsystem von Fukushima nur noch im Batteriebetrieb läuft. Nach Angaben der Kölner Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) darf die Lage nicht unterschätzt werden. Allerdings sei eine Lagebeurteilung angesichts der zur Zeit spärlichen Informationen schwierig. Nuklearexperten haben in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass es auch bei einem abgeschalteten Atomkraftwerk noch zur Kernschmelze kommen könne, so sieht es jedenfalls der Greenpeace-Reaktorexperte Heinz Smital.

Das Kernkraftwerk Fukushima liegt direkt am Meer, 250 Kilometer nördlich von Tokio. Der Meiler wurde vom US-Unternehmen General Electric errichtet. Das Kernkraftwerk hat auch eine Skandalserie hinter sich. Über 16 Jahre sollen technische Berichte gefälscht und geschönt worden sein. Als das herauskam, wurde das Kraftwerk im Jahr 2003 vom Netz genommen. Fukushima ist ebenfalls ein Siedewasserreaktor.

Die deutschen Kernkraftwerksbetreiber geben am Freitagnachmittag keine Auskünfte zur Gefahrenpotential der japanischen Meiler, sie verweisen auf die Lobbygesellschaft Deutsches Atomforum in Berlin. Dort sagt Geschäftsführer Dieter Marx am Freitagnachmittag gegenüber wiwo.de: "Bei Fukushima gibt es ein echtes Gefährdungspotential". Und auf die deutschen Atomkraftwerke angesprochen sagt Marx: "Unsere Kernkraftwerke sind erdbebensicher. So sind zum Beispiel Rohrleitungen so abgesichert, dass sie auch bei großen Erschütterungen nicht abreißen können."

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%