Erdogan gegen „Gülen-Netzwerk“: Türkei nimmt 47 „Zaman“-Journalisten fest

Erdogan gegen „Gülen-Netzwerk“: Türkei nimmt 47 „Zaman“-Journalisten fest

, aktualisiert 27. Juli 2016, 17:58 Uhr
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Recep Tayyip Erdogan sieht seinen Erzfeind Gülen als Drahtzieher des Putschversuchs an.

Quelle:Handelsblatt Online

Kein Ende der Festnahmen: Die türkische Regierung ließ am Mittwoch 47 weitere Journalisten verhaften. Die Begründung: Ex-„Zaman“-Mitarbeiter hätten Kenntnisse über das Netzwerk um Erdogans Erzfeind Fethullah Gülen.

IstanbulDie türkischen Behörden forcieren nach dem gescheiterten Putsch ihr Vorgehen gegen Anhänger des Predigers Fethullah Gülen. Am Mittwoch erließen sie Haftbefehle gegen 47 frühere Journalisten und Mitarbeiter der ehemals regierungskritischen Zeitung „Zaman“, die seit März unter staatlichem Kuratel steht und Gülen nahe stand.

Nach neuesten amtlichen Zahlen sind über 15.000 Menschen festgenommen worden. Die Armeeführung teilte mit, 8651 Soldaten seien in dem Putschversuch vom 15. Juli verstrickt. Auch die türkische Finanzmarktaufsicht beteiligte sich an den Maßnahmen gegen mutmaßliche Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

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Ein Regierungsmitarbeiter rechtfertigte die Haftbefehle gegen die Ex-„Zaman“-Mitarbeiter damit, dass die Gesuchten detaillierte Kenntnisse über das Netzwerk um Gülen hätten. Dieses Wissen könne von großem Wert für die Ermittlungen sein, sagte der Mann, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Allerdings sind auch Haftbefehle gegen linksorientierte Journalisten wie Sahin Alpay ausgestellt worden. Diese Menschen können aufgrund ihrer Weltsicht kaum Teil der religiös geprägten Gülen-Bewegung sein. Damit wuchsen Sorgen, Erdogan wolle die Opposition ausschalten.

Erdogan sieht seinen Erzfeind Gülen als Drahtzieher des Putschversuchs an. Der in den USA lebende Gülen bestreitet die Vorwürfe. Die Militärführung erklärte im Sender NTV dagegen, rund 1,5 Prozent der Armee habe sich an dem Putsch beteiligt. Die Soldaten seien Teil des „terroristischen“ Netzwerks des Predigers. Die Putschisten hätten bei ihrem fehlgeschlagenen Aufstand 35 Flugzeuge, 37 Hubschrauber, 37 Panzer und 246 gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt.

Der Innenminister Efkana Ala ging in einer Stellungnahme noch über die Angaben der Armee hinaus. Während die Militärs von 8651 Putschisten in ihren Reihen sprachen, sprach Ala im Sender CNN Türk von über 10.000 verhafteten Soldaten. Demnach warteten von den insgesamt über 15.000 verhafteten Menschen 8113 auf den Beginn ihres Prozesses.

Seit dem Putschversuch vor knapp zwei Wochen wurden nach früheren Angaben über 60.000 Militärangehörige, Beamte, Lehrer und andere Staatsbedienstete entlassen, versetzt oder festgenommen. Erst am Montag hatte die Regierung die Festnahme von 42 Journalisten angeordnet. 16 von ihnen seien bislang festgenommen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Dogan. Bereits vor dem Putschversuch war die Justiz gegen Journalisten vorgegangen.

Die Behörden wurden auch im Finanzmarkt aktiv. Die Finanzaufsicht entzog dem Chefanalysten von AK Investment, Mert Ülker, die Lizenz. Grund sei ein Marktbericht Ülkers, in dem er seine Pflichten nicht erfüllt habe. Ülker stehe unter anderem eine Klage wegen Beleidigung des Präsidenten bevor. Ülkers Arbeitgeber kündigte den Analysten wegen „Fehlern“, bestritt aber Zusammenhänge mit den Vorwürfen der Finanzaufsicht.

Ülker hatte geschrieben, es gebe Spekulationen, dass der Putsch inszeniert worden sei, um Erdogan die Möglichkeit zu geben, gegen Gegner im Militär vorzugehen. Ülker schrieb weiter, nach einer rationaleren Version dieser Überlegungen habe Erdogan den Putschversuch zugelassen, da er gewusst habe, die Aufständischen seien schwach und unorganisiert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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