Erdogan verschärft Kritik: „Deutschland begeht Selbstmord“

Erdogan verschärft Kritik: „Deutschland begeht Selbstmord“

, aktualisiert 05. Juli 2017, 16:42 Uhr
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Auch kurz vor dem G20-Gipfel weiß der türkische Präsident zu provozieren.

Quelle:Handelsblatt Online

Unmittelbar vor dem G20-Gipfel verschärft der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Ton gegenüber der Bundesregierung. Insbesondere kritisiert er, nicht vor Landsleuten in Deutschland sprechen zu können.

HamburgIn einem Gespräch mit der „Zeit“ erklärt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dass Deutschland seinen Fehler korrigieren müsse. Damit spielt er auf das von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) ausgesprochene Redeverbot für einen Auftritt Erdogans in Hamburg an. „Deutschland begeht Selbstmord“, sagt er dazu.

Vor dem Verfassungsreferendum in der Türkei im April hatte es heftigen Streit über einzelne untersagte Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Deutschland gegeben. Erdogan hatte der Bundesregierung daraufhin Nazi-Methoden vorgeworfen. Gabriel betonte, dass Erdogan beim G20-Gipfel „mit Ehren empfangen“ werde. „Aber alles, was darüber hinaus geht, halten wir jetzt zum aktuellen Zeitpunkt nicht für angemessen“, sagte Gabriel. Es gebe rund um den G20-Gipfel auch nicht die Polizeikräfte, um die Sicherheit herzustellen. Außerdem passe ein solcher Auftritt „nicht in die politische Landschaft“, betonte der Minister.

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Nicht nur die Auftritte türkischer Politiker, auch die Inhaftierung eines Korrespondenten der Zeitung „Die Welt“, belasten das deutsch-türkische Verhältnis bereits seit mehreren Monaten. Auch zum Fall des Journalisten Denis Yücel gab Erdogan seine Meinung kund. Er könne nicht verstehen, dass man sich so sehr für eine Person einsetze: „Dass Frau Merkel überhaupt die Rettung eines Terrorverdächtigen auf die Tagesordnung bringt, war für mich auch sehr, sehr sonderbar.“

Auf die Frage, ob ein Journalist, der Terroristen oder auch nur einen vermeintlichen Terroristen interviewe, dadurch in seinen Augen zum Unterstützer werde, sagt der türkische Präsident, das sei ein Verbrechen: „Sie leisten damit Beihilfe zur Propaganda der Terroristen. Das wird auch von den Anklageorganen überall auf der Welt so bewertet“.

Erdogan äußert zudem sein Unverständnis darüber, dass die Bundesregierung zurückhaltend auf sein Gesuch reagierte, Gülen-Anhänger in die Türkei auszuliefern: „Ich habe sie von Frau Merkel gefordert, warum werden sie uns nicht zurückgegeben?“ Solange die deutsche Regierung dies nicht tue, werde die Türkei Deutschland als ein Land ansehen, dass Terroristen schütze, sagte Erdogan.

Gleichzeitig betont der türkische Präsident die Bedeutung der türkisch-deutschen Beziehungen angesichts der gemeinsamen Mitgliedschaft in der Nato, der Handelsbeziehungen und der drei Millionen Türken, die in Deutschland leben: „Wir brauchen einander“, erklärte Erdogan. „Wir müssen das bewahren.“ 

Zu seinen persönlichen Beziehungen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der ebenfalls ein Interview in derselben Ausgabe der Zeit erscheint, sagte Erdogan, er habe sich mit ihr nicht überworfen: „Ich habe kein Problem mit der Kanzlerin.“ Gleichwohl merkt er an, dass die Beziehungen in der Regierungszeit von Gerhard Schröder „wirklich sehr anders“ gewesen seien. Er vermisse diese Zeit und betont: „Ich hoffe, dass wir wieder dahin kommen.“ Erdogan wird an diesem Freitag als Teilnehmer des G-20-Gipfels in Hamburg erwartet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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