Essay: Vom Scheitern einer europäischen Währungsunion

Essay: Vom Scheitern einer europäischen Währungsunion

von Ferdinand Knauß

Die Eurozone hat eine fast vergessene Vorläuferin. Aus der Geschichte der Lateinischen Münzunion hätte man manches lernen können. Nicht nur über griechische Staatsfinanzen.

Der Euro wird noch mindestens 400 Jahre existieren, so lange wie der römische Denar in der Antike. Das glaubt zumindest einer seiner Schöpfer, Theo Waigel. Und dann, so sagte der Ex-Finanzminister kürzlich in einem Interview, werde der Euro von einer „Weltwährungsunion“ abgelöst.

Doch Waigels Zukunftstraum vom einheitlichen Weltgeld ist längst Geschichte. Ihn träumten schon vor rund 150 Jahren viele Finanzpolitiker. Und sie erlebten ein unangenehmes Erwachen, als sie versuchten, ihn zu realisieren.

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Das 19. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Währungsunionen. Da waren einerseits die neuen Währungen in der Folge nationaler Einigungen. Die Mark im Deutschen Reich und die Lira in Italien beendeten das monetäre Durcheinander in beiden Ländern. An der Mark hat, bis zur politischen Teilung Deutschlands nie jemand ernsthaft gerüttelt. Kein Deutscher wollte seither den preußischen Thaler, den Friedrich d‘Or und den süddeutschen Gulden zurück haben, kein Italiener den Grano, Zecchino, Florin oder Giulio. In einem gemeinsamen Staat gibt es keinen Bedarf für getrennte Währungen.

Kaum Spuren im Europäischen Gedächtnis

Aber es gab auch zwei übernationale Währungsunionen in Europa. Die Nordische und – weitaus wichtiger – die Lateinische Münzunion. Im historischen Gedächtnis Europas haben diese gescheiterten Unionen erstaunlicherweise keine tiefen Spuren hinterlassen, nicht einmal bei Wirtschaftshistorikern, obwohl sie jahrzehntelang Europa prägten. Rund 50 Jahre lang, bis zum Ersten Weltkrieg, wirtschaftete ein großer Teil der Europäer mit demselben Geld, auch wenn es verschiedene Namen hatte. 

Die Keimzelle der ersten internationalen Währungsunion liegt in Paris, der wichtigsten Finanzmetropole des 19. Jahrhunderts. Der französische Franc war die europäische Musterwährung der ersten Jahrhunderthälfte. 1803 war er per Gesetz festgelegt auf eine Münze von fünf Gramm 90-prozentigem Silber. Das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber war gesetzlich auf 1:15,5 festgelegt worden. 20-Franc-Münzen wurden in Gold geprägt. De facto hatten Italien, Belgien und die Schweiz in der Mitte des Jahrhunderts dieses Währungssystem kopiert, ein Schweizer und ein belgischer Franken und eine italienische Lira hatten denselben Silber- oder Goldgehalt wie ein französischer Franc. Im Alltag wurden sie oft nebeneinander verwendet.

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8 Kommentare zu Essay: Vom Scheitern einer europäischen Währungsunion

  • Anscheinend umgeht man die seit zweieinhalb Jahre überfäl-
    lige Währungsreform im Euroraum wie die Katze den heißen
    Brei, um so viel wie möglich daran zu verdienen.
    Warum sollte man das auch schnell beenden, solange sich
    daran prächtig, auf Kosten des Deutschen Steuerzahler,
    verdienen läßt. Am Besten läßt sich das alles auch noch
    mit den entsprechenden Europaphrasen bis zur Pleite der
    BRD verlängern!!

  • Zitat:
    "Währungsunionen ohne politisches Fundament zerbrechen wieder, ist Theurls Botschaft, weil sich souveräne Staaten nicht an gemeinsame Regeln halten. Nur wenn sie mit der totalen politischen Vereinigung einhergehen, sind sie unumkehrbar."

    Schlußfolgerung:
    Wo niemand eine gemeinsame politische Union mit ihren zentralen Steuereintreibern und Bevormundern will, kann sie auch nicht gegen den Volkswillen erzwungen werden. So ist die Logik - nicht anders herum.

    Worte wie 'unumkehrbar', 'alternativlos' usw. stammen aus häßlichen Welten mit zu erwartenden Ausreden der Art: "Das habe ich doch alles nicht gewußt".

    Danach kommt der Film mit dem Titel: "Und als man ihn dann wiederfand, da war er auch im Widerstand."

  • Ich denke, dass die Lehren bei der Einführung des Euros bekannt waren.

    Deutschland wusste aufgrund der Wiedervereinigung ganz genau, wie sich eine starke Währung in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld wie der ex DDR auswirkt. Die massiv ansteigende Verschuldung durch die Integration und die Unmöglichkeit der Rückzahlung war bei der Euro-Einführung offenkundig.

    Frankreich wusste politisch immer was es tut. Konstruktionsfehler des Maastricht-Vertrages zu vermuten wäre da völlig naiv. Außerdem besteht dort die politische Erfahrung vorheriger Währungsunionen.

    Italien und Griechenland hatten ihre eigene schon erfolgreiche Ratio. Der Staatsbankrott war dort immer ein beliebtes Mittel der Eliten, ihre Bevölkerung zu berauben. Bei einer Währungsunion konnte man die Anzahl der Zahler entsprechend erweitern.

    Der schnelle wirtschaftliche Wiederaufbau Ost-Europas war ebenso nur mit einer starken Währung möglich, insbesondere die Struktur- und Agrarhilfen vor und nach der Aufnahme in die EU. Ich glaube nicht, dass jemand die Absicht hatte, diese Gelder jemals zurückzuzahlen. Es war vielmehr die politische Dividende eines friedfertigen Zusammenwachsens, was man sich erhoffte und letztlich ja auch bekam.

    Ich bin heute der Ansicht, dass der Euro mit der vollen Absicht eingeführt wurde, ihn gegebenenfalls und im Bedarfsfall auch kollektiv zum Scheitern zu bringen. Jedes Land hatte und hat seine eigene Ratio zu diesem Unterfangen, nicht nur die sogenannten Süd-Länder, sondern ebenfalls die Nord-Länder (Deutschland, siehe oben; Österreich zur Integration ehemaliger Gebiete; Luxemburg als zentrales Finanzzentrum statt England, etc.).

    Insofern ist die Entscheidung wohl schon gefallen. Der Euro ist ein europäisches Entschuldungs- instrument. Zugegebenermassen kein Walkampf-Schlager in Deutschland aber für die politischen Eliten nicht ohne Reiz.

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