EU-Institutionen: Der Kampf um die lukrativen Brexit-Brocken

EU-Institutionen: Der Kampf um die lukrativen Brexit-Brocken

, aktualisiert 01. August 2017, 16:17 Uhr
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Es zeichnet sich ein hitziges Schachern um die Behörden ab.

von Kerstin LeitelQuelle:Handelsblatt Online

Zwei EU-Institutionen aus London brauchen ein neues Zuhause. Die Bewerber stehen nun fest, das Rennen ist eröffnet. Manche Städte werben mit Mieten von einem Euro pro Monat.

LondonEs ist ein EU-Verfahren, das man in Großbritannien zu vermeiden hoffte – doch vergeblich: Im Zuge des Brexit müssen die beiden europäischen Behörden EMA und EBA aus London auf den Kontinent ziehen. Am Dienstag veröffentlichte die EU die Namen derjenigen Städte, die gerne die neue Heimat für die europäische Bankenaufsicht EBA oder die Arzneimittelbehörde EBA werden wollen. Die zwei Listen sind lang, vor allem die der Anwärter für die EMA: 19 Städte haben sich beworben – von A wie Athen bis Z wie Zagreb. Für die EBA liegen acht Bewerbungen vor.

Die Stadt, die den Zuschlag für EMA oder EBA erhält, kann auf üppige Einnahmen hoffen. Beide Behörden richten jährlich zahlreiche Konferenzen und Veranstaltungen mit Experten aus aller Welt aus. Das allein bringt rund 40.000 Hotelübernachtungen pro Jahr mit sich. Zudem beschäftigen sie zusammen rund 1100 Mitarbeiter – gut bezahlte Experten.

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Für die Briten ist der Wegzug natürlich ein Dorn im Auge, zumal in den jeweiligen Branchen auch befürchtet wird, dass die Arbeit erschwert wird. Gerade in der Pharmabranche ist man enttäuscht. „Wir arbeiten eng mit der EMA zusammen“, berichtet die Angestellte einer in Großbritannien ansässigen Firma. „Oft müssen wir Prozesse zusammen durchsprechen. Da ist es natürlich leichter, wenn man nicht weit voneinander entfernt ist.“ Auf der Insel hatten viele bis zuletzt gehofft, dass man den Wegzug der Behörden vermeiden kann.

Es zeichnet sich ein hitziges Schachern um die beiden Behörden ab. Bereits lange bevor die offiziellen Bewerbungen in Form von Hochglanzbroschüren und Videos vorlagen, war Streit entbrannt. „Die Bankaufsicht soll nach Brüssel?“, empörte sich Presseberichten zufolge ein irischer Abgeordneter – das sende ja wohl ein schlechtes Signal, schließlich seien bereits Europäischer Rat und das Parlament in Brüssel ansässig. In Irland ist man natürlich für Dublin – die Stadt hat Bewerbungen sowohl für EBA als auch EMA eingereicht.

Aus Deutschland haben sich Frankfurt und Bonn auf die Liste setzen lassen, Bonn für die EMA, Frankfurt – wenig überraschend – für die Bankenaufsicht. „Frankfurt ist sicherlich der Favorit“, sagt Europa-Experte Bert Van Roosebeke vom cep Centrum für Europäische Politik mit Blick auf die Liste der EBA-Kandidaten. Die Frage sei jedoch, welche Zugeständnisse die Bundesregierung machen müsste, um den Zuschlag zu erhalten. „Denkbar wäre es, dass der in Paris ansässigen ESMA ein Mandat für den Verbraucherschutz in der gesamten Finanzwirtschaft übertragen wird – doch ob man das in Kauf nehmen will, ist fraglich“, sagt Van Roosebeke. Letztlich ist es seiner Meinung nach eine politische Entscheidung, wer das Rennen machen wird. „Frankfurt und Paris haben sicherlich die besten Chancen. Die Voraussetzungen dürften aber alle acht Städte, die sich beworben haben, erfüllen“.

Zu diesen Voraussetzungen gehören die Verkehrsanbindung der Stadt, die Infrastruktur für die Mitarbeiter, etwa mit Blick auf Schulen, die Arbeitsbedingungen und das Gesundheitssystem und die Möglichkeit eines schnellen und problemlosen Umzugs.

Neben Frankfurt und Paris haben sich Brüssel, Dublin, Prag, Luxemburg, Wien und Warschau für den EBA-Sitz beworben. Zum Teil mit konkreten Versprechen: Luxemburg etwa versucht, die EBA mit der Aussicht auf ein neues Bürogebäude namens „Moonlight“ zu locken – mietfrei. Auch Wien will bei einem Zuschlag für die kommenden 25 Jahre gerade einmal einen Euro Miete für das neue Zuhause von EMA oder EBA verlangen. Derart großzügig ist man in Frankfurt nicht. Hier verweist man in der Bewerbung lediglich darauf hin, dass man verhandlungsbereit sei.

Auf die EMA machen sich Athen, Barcelona, Bonn, Bratislava, Brüssel, Bukarest, Kopenhagen, Dublin, Helsinki, Lille, Mailand, Porto, Sofia, Stockholm, Malta, Wien, Warschau und Zagreb Hoffnungen. Laut Reglement kann ein Land nur eine der beiden Agenturen bekommen. Die Entscheidung wird im November nach einer geheimen Abstimmung im EU-Ministerrat fallen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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